Bis auf HRE: Deutsche Banken bestehen Stresstest

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Mit Ausnahme der Hypo Real Estate (HRE) haben alle 14 geprüften deutschen Institute den Stresstest der europäischen Bankenaufseher bestanden.

Frankfurt/Main - Das deutsche Bankensystem hat sich beim europäischen Stresstest gut geschlagen. Mit Ausnahme der Hypo Real Estate (HRE) haben alle geprüften Institute den Test auch im strengsten Szenario bestanden.

Ihre Kernkapitalquote würde auch bei kräftigen Verwerfungen auf den internationalen Finanzmärkten nicht unter 6 Prozent fallen. Das gaben die deutsche Bankenaufsicht BaFin und die Bundesbank am Freitag in Frankfurt am Main bekannt. Europaweit nahmen 91 Kreditinstitute aus 20 Mitgliedstaaten an den Tests teil, sieben fielen durch.

Neben der HRE sind dies die größtenteils verstaatlichte griechische Atebank sowie die fünf spanischen Sparkassen Diada, Unnim, Espiga, Banca Civica und Cajasur. Sie müssen ihre Kapitaldecken insgesamt um 3,5 Milliarden Euro stärken. Das griechische Finanzministerium erklärte, es wolle sich an der notwendigen Kapitalerhöhung für die Atebank beteiligen. In Spanien soll das staatliche Rettungsprogramm einspringen. Alle 91 Geldhäuser repräsentieren, gemessen an der Bilanzsumme, 65 Prozent des EU-Bankensystems. In Deutschland unterzogen sich 14 Institute dem Verfahren. Einzig die bundeseigene HRE fiel mit Pauken und Trompeten durch.

Bei einem Schockszenario hätte die systemrelevante Pfandbriefbank nicht mehr genug Eigenkapital, um die Ausfälle zu verkraften. Sie blieb mit 4,7 Prozent deutlich unter der 6-Prozent-Hürde.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) verwies darauf, dass bei der HRE die bereits eingeleitete Neustrukturierung noch nicht berücksichtigt worden sei. Das verstaatlichte Institut wird seine Gift-Papiere bald in eine Bad Bank auslagern. Während Berliner Landesbank, Deutsche Bank und Commerzbank vergleichweise gut abschnitten, lag die NordLB im strengsten Stress-Szenario mit 6,2 Prozent Kernkapitalquote nur knapp über der erforderlichen 6-Prozent-Marke.

Die Postbank erreichte im schlimmsten vorgestellten Fall 6,6 Prozent. Das Institut bezeichnete das Ergebnis als positiv. Man habe “bewiesen, dass das auf Privatkunden ausgerichtete Geschäftsmodell robust genug ist“, sagte Postbank-Chef Stefan Jütte.

Wirtschaftskrise: Diese Banken hat es am meisten getroffen

Kaupthing Bank
Zahlungsunfähig seit einem Jahr: Die isländische Kaupthing Bank steht seit Oktober 2008 unter staatliche Aufsicht. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat ein Veräußerungs- und Zahlungsverbot erlassen. Die deutschen Kaupthing-Anleger bangen noch immer um ihre Einlagen. © dpa
Protest nach Lehman-Pleite
Die Pleite der US-Bank Lehman Brothers am 15. September 2008 war die größte Pleite eines Unternehmens, das die Welt je gesehen hat. In Folge brachen weltweit die Aktienmärkte ein und das globale Finanzsystem befand sich am Rande des Kollapses. Ein Jahr nach der Pleite erheben deutsche Banken Anspruch auf 50 Milliarden Dollar aus der Insolvenzmasse.  © dpa
Hypo Real Estate
Die Hypo Real Estate ist seit 13. Oktober 2009 vollständig in staatlicher Hand. Die Bank war in Schieflage geraten und konnte nur mit staatlichen Hilfen vor der Pleite bewahrt worden. Viele Anleger fühlen sich nun um ihr Erspartes gebracht. © AP
Bayern LB
Die BayernLB hatte allein 5,2 Milliarden Euro mit verbrieften US-Immobilienkrediten verspielt. Weitere 2,6 Milliarden Euro kostete das Engagement bei der österreichischen Skandalbank Hypo Alpe Adria. Dem Freistaat Bayern gehören inzwischen 94 Prozent der Bank. Doch 2010 erzielte die Bank wieder einen Profit von 635 Millionen Euro. © AP
westLB
Die nordrhein-westfaelische Landesbank WestLB steckt seit 2007 durch Fehlspekulationen und die Auswirkungen der Finanzkrise in Schwierigkeiten. Für 2010 meldete sie ein Minus von 240 Millionen Euro - und das, obwohl sie marode Kredite im Volumen von 77 Milliarden Euro in eine Bad Bank ausgelagert hat. © AP
IKB
Bereits im Sommer 2007 wäre die in Düsseldorf ansässige IKB beinahe pleite gegangen. Als erstes großes Geldinstitut in Deutschland. Zehn Milliarden Euro waren notwendig, um die Mittelstandsbank zu retten, vor allem der Staat musste einspringen. Doch noch immer sind die Ursachen für die Pleite nicht aufgeklärt. © AP
Commerzbank
Die Commerzbank musste vom Staat mit Milliardensummen gestützt werden. Dennoch hat die Bank Anfang Oktober 2009 nach Berichten des Handelsblatts Teile der von der Politik beschlossenen Regeln zum Anlegerschutz heftig attackiert. Bis Juni 2011 will die Bank 14,3 Milliarden Euro Rettungsgelder zurückzahlen. Das sind 88,3 Prozent der Stillen Einlage des staatlichen Bankenrettungsfonds SoFFin von 16,2 Milliarden Euro. © dpa
HSH Nordbank
Die Landesbank für Hamburg und Schleswig-Holstein kommt nicht mehr aus den Schlagzeilen. 2008 legte die HSH Nordbank einen Verlust von 2,8 Milliarden Euro hin. Sie überlebte nur dank Steuermilliarden. 2010 erzielte sie nach harter Restrukturierung einen klitzekleinen Gewinn von 48 Millionen Euro bei einer Bilanzsumme von 151 Milliarden Euro. Die verbliebene Neun-Milliarden-Euro-Bürgschaft des Bankenrettungsfonds SoFFin will sie bis Mitte 2012 abbauen. © dpa
LBBW
Die finanziell schwer angeschlagene Landesbank Baden-Württemberg will bis 2013 ganze 2500 Stellen streichen, um so jährlich rund 700 Millionen Euro einzusparen. Inzwischen ist klar: Im Frühjahr 2009 war die LBBW quasi pleite. Gerettet haben sie Land und Sparkassen und ein Risikoschirm von 12,7 Milliarden Euro. © dpa
Bear Stearns
Die Finanzkrise erreichte mit dem Notverkauf der fünftgrößten US-Investmentbank Bear Stearns im März 2008 einen ersten Höhepunkt vor der Lehman-Pleite. Die Bank wurde mit Unterstützung der US-Notenbank von ihrem früheren Konkurrenten JP Morgan Chase übernommen. © AP
Uni Credit
2006 übernahm die italienische Uni Credit, der Mutterkonzern der Bank Austria, die deutsche Hypo Bank. Unser Archivfoto zeigt den Uni Credit Chef Alessandro Profumo beim Verkünden dieser Nachricht. Die Wirtschaftskrise nötigte die Bank zu einer Kapitalerhöhung bis zu 6,6 Milliarden Dollar und zu einem Expansionsstopp in Osteuropa. © dpa
Goldman Sachs
Bei Goldman Sachs, einer weltgrößte Investmentbank, ist Warren Buffett eingestiegen. Die Finanzbranche fürchtet erneute Rückschläge, die Krise ist längst noch nicht vorbei. Aber Goldman Sachs legte im Juli 2009 Zahlen wie aus Tagen des Turbokapitalismus: Mit einem Gewinn von 2,7 Milliarden Dollar hat das krisengeschüttelte Institut für einen Paukenschlag gesorgt. © AP
Merill Lynch
Die drittgrößte US-Investmentbank Merrill Lynch hat sich inmitten der Wall-Street-Krise in einem Eilverkauf unter das Dach der Bank of America gerettet. Der Kaufpreis lag bei 50 Milliarden Dollar - allerdings nur in Aktien. Damit bewahrte der Merrill-Chef sein Traditionshaus vor dem Schicksal des insolventen Konkurrenten Lehman Brothers. © dpa
Northern Rock
Lange Schlangen gab es vor den Fillialen von Northern Rock, einem Baufinanzierer aus Großbritannien, da die verzweifelten Kunden ihr Ersparnisse retten wollten. Trotz eines Notfall-Kredits durch die Bank von England wurde das Institut im Februar 2008 verstaatlicht. © dpa
Zentrale US-Versicherungsgigant American International Group AIG
Beim taumelnden US-Versicherungsgiganten American International Group AIG hat die US-Regierung kaum vorstellbare 180 Milliarden Dollar Steuergelder zu dessen Rettung investiert. Die Gehälter der Manager der Handelssparte will die US-Regierung drastisch kappen. © dpa
Chrysler-Zentrale Michigan
Nur dank enormer Staatshilfen hat die Autobank Chrysler-Financial des Chrysler-Konzerns die Wirtschaftskrise bislang überstanden. In der Zentrale des Konzerns in Auburn Hills, Michigan, müssen die Manager derweil mit Gehaltseinbußen rechnen. Die US-Regierung will deren Bezüge drastisch kürzen. © dpa
citigroup
Die US-Großbank Citigroup hatte im September 2009 angekündigt, Staatshilfen im Wert von 20 Milliarden Dollar zurückzahlen zu wollen. Doch bislang stimmte die US-Regierung dem nicht zu. Diesen will zunächst offenbar keine weiteren staatlich gestützten Finanzinstitute aus ihrer Kontrolle entlassen. © AP
GM-Zentrale Detroit Michigan
Der Autokonzern General Motors, hier seine Zentrale in Detroit, betreibt auch eine Autobank namens GMAC. Der größte Autofinanzierer des Konzerns musste wegen Milliardenverlusten Staatshilfen in Anspruch nehmen. © dpa

Bundesbank und BaFin erklärten, das deutsche Bankensystem habe sich “als robust erwiesen und seine Widerstandsfähigkeit auch unter sehr pessimistischen Annahmen unter Beweis gestellt“. Eine wesentliche Ursache für das gute Abschneiden der Institute sei die Stärkung der Kapitalausstattung. Allerdings machten auch die deutschen Aufseher keinen Hehl daraus, dass sie die Prüfung nur für begrenzt aussagekräftig halten. Bundesbank-Vizepräsident Franz-Christoph Zeitler sagte, die Tests seien eine “außerordentliche Maßnahme“ und sollten nicht zur Dauereinrichtung werden. BaFin-Präsident Jochen Sanio ergänzte, das Instrument als solches liefere keinen Erkenntnisgewinn, sondern diene nur und vor allem zur Beruhigung der Märkte.

Der Vorsitzende des Komitees der Europäischen Bankenaufseher (CEBS), Giovanni Carosio, rechnet dagegen bald mit einem neuen Auftrag der EU-Finanzminister zu weiteren öffentlichen Stresstests. EZB-Vize Victor Constancio verteidigte die Tests gegen den Vorwurf, die Kriterien seinen zu lasch gewesen: Die Prüfungen seien “scharf und umfassend“ gewesen und hätten “Widerstandsfähigkeit“ erfordert, sagte er in London. Alles in allem seien die Prüfungen ein “großer Beitrag zu Finanzstabilität in der EU“.

Staatliche Hilfe sollte die Ausnahme bleiben

Schäuble erklärte in Berlin: “Es ist ein positives Signal, dass ausnahmslos alle teilnehmenden deutschen Banken die aufsichtsrechtlichen Anforderungen auch im unwahrscheinlichen Fall eines schweren Wachstumseinbruchs erfüllen.“ Die breite Teilnahme und die Offenlegung der Ergebnisse sei ein wichtiger Schritt für mehr Vertrauen auf den Märkten. Auch die EU sieht in den Ergebnissen trotz der sieben Durchfaller einen Beweis für die grundlegende Robustheit der Branche. Es seien Negativszenarien geprüft worden, deren Eintreten nicht sehr wahrscheinlich sei, hieß es.

apn

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