Der Wettkampf um das Stromnetz der Eon Mitte AG ist entbrannt – und dieses gibt 1100 Menschen Arbeit

Hunderte Beschäftigte bangen

Hochspannung: Der Energieversorger Eon Mitte könnte große Teile seines Netzes verlieren. Archivfoto: Eon/nh

Kassel / Göttingen. Bei den Beschäftigten des Energieversorgers Eon Mitte AG wächst die Unruhe. Das Rennen um die Stromnetze, die viele Kommunen im Einzugsgebiet des Unternehmen zurückkaufen wollen, ist in vollem Gange. Regionale Anbieter wollen sich verbünden, Allianzen werden geschmiedet.

So wollen etwa die Stadtwerke in Kassel und Großalmerode gemeinsam das Strom- und Gasnetz der Stadt im Werra-Meißner-Kreis betreiben. Die Zustimmung der Kasseler Stadtverordneten in der kommenden Woche gilt als sicher. Das Geschäft könnte Signalwirkung auf andere Gemeinden haben. Doch die 1100 Menschen, die beim Netzbetreiber Eon Mitte ihr Geld verdienen, machen sich Sorgen.

Allein 500 von ihnen arbeiten an den Standorten Kassel und Baunatal, und nicht alle von ihnen sind Techniker. Etwa 300 Mitarbeiter, darunter 100 Auszubildende, sind in so genannten Querschnittsfunktionen tätig, sagt Karsten Lenz, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats von Eon Mitte. Diese Arbeit im kaufmännischen Bereich, im Personal- oder Rechnungswesen, ist nur schwer einzelnen Teilen des Netzes zuzuordnen. Lenz fürchtet, dass nicht zuletzt hier Stellen wegfallen, wenn Netzteile aus dem Eon-Eigentum herausgelöst werden.

Was mit den Technikern geschieht, hängt wiederum davon ab, wie die Übergabe des Netzes aussieht. Falls Eon die Betreuung im Auftrag der Kommunen behält, ist auch die Beschäftigung der Techniker gesichert. Geht das Netz jedoch an neue Eigentümer über, ist es fraglich, ob alle Beschäftigten des jeweiligen Bereichs übernommen werden  – und zu welchem Tarif. Ohnehin gibt es um das Eon-Netz eine ganze Reihe von Bewerbern. So buhlen etwa sieben Unternehmen, darunter die Berliner Alliander AG und die Braunschweiger BS Energie um die Ortsnetze im Schwalm-Eder-Kreis, wo sich 24 Kommunen zu einer Energiekommisison zusammengeschlossen haben, um gemeinsam zu verhandeln.

Wie hoch der Kahlschlag bei den Arbeitsplätzen ausfallen könnte, ist nach Worten von Lenz derzeit nicht zu beziffern. Er appelliert an die Kommunalpolitiker, bei der Vertragsgestaltung zu einem Netzkauf auch die Arbeitsplätze im Blick zu haben.

Bei Eon Mitte hält man sich bedeckt: „Derzeit sind Überlegungen hinsichtlich eines möglichen Personalabbaus kein Thema“, sagt Sprecherin Angela Ettl, ergänzt aber: „Selbstverständlich besteht ein Zusammenhang zwischen Mannschaftsstärke und Konzessionsgebieten.“

Eon Mitte hat in den vergangenen Jahren immer wieder Umstrukturierungen erlebt. Zuletzt wanderte im September 2008 das Vertriebsgeschäft in eine Tochter mit knapp 100 Mitarbeitern. Seitdem ist die Zahl der Beschäftigten konstant geblieben.

Von Barbara Will

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