Warum die Bahn Erhöhungen scheut

Der ICE-Preis bleibt stabil: Fragen & Antworten zum Fahrplanwechsel

Berlin. Etwas muss Berthold Huber richtig gemacht haben, denn selbst Fahrgastvertreter und Verbraucherschützer sind erfreut: Die Bahn tastet beim diesjährigen Fahrplanwechsel die meisten Fahrpreise für ICE, EC und IC nicht an.

Damit will sich der Konzern Konkurrenten vom Leib halten: den Fernbus, das Flugzeug und das Auto. Huber, der neue Bahn-Vorstand Personenverkehr, erklärt es mit einer Manager-Floskel: „Wir greifen an.“

Was ändert sich ab dem 13. Dezember? 

Die übliche Preiserhöhung fällt im Fernverkehr aus. Nur wer über die neue Strecke Erfurt-Halle/Leipzig fährt, zahlt mehr. Sparpreise sind auch noch am Tag der Abreise buchbar, Sprinter-Zuschläge fallen weg. Wenn die Zulassung rechtzeitig kommt, fahren die ersten doppelstöckigen Intercity-Züge, was den Wagenmangel dämpfen dürfte, den Fahrgastverbände kritisieren. Das kostenlose WLAN in der zweiten Klasse kommt aber frühestens in einem Jahr.

Warum scheut der Konzern auf einmal Preiserhöhungen? 

„Der Fernbus hat das Spiel am Markt verändert“, bekennt Bahn-Vorstand Huber. Die Rivalen von der Autobahn sind seit der Marktfreigabe 2013 im Aufwind, die Streiks bei der Bahn brachten ihnen noch mehr Kundschaft. Mitfahrzentralen boomen, Diesel ist ein Viertel billiger als vor drei Jahren – Autofahren ist wieder günstiger. In der zweiten Klasse des Fernverkehrs gab es schon 2014 eine Nullrunde. Höhere Preise sind im Regionalverkehr zu erwarten, den der Staat subventioniert.

Wie gefährlich sind die Busse für die Bahn? 

Allein im vergangenen Jahr verlor die Bahn nach eigenen Angaben 130 Millionen Euro Umsatz an die neue Konkurrenz. Das Problem sind aber nicht nur Kunden, die in Busse umsteigen. Allein die Möglichkeit, dies zu tun, habe die Preiswahrnehmung geändert, wie Huber es formuliert. Zu Deutsch: Auch treue Bahnfahrer sehen nicht mehr ein, warum sie das doppelte oder dreifache zahlen wie Buskunden. Und doch ist dieses Jahr ein neuer Fahrgastrekord im Fernverkehr möglich, wie Huber andeutete. In den vergangenen drei Monaten lockte er 600 000 zusätzliche Fahrgäste. Das Plus brachten Billigangebote wie ein 19-Euro-Ticket und Bahncards zum halben Preis für junge Kunden.

Rutscht die Bahn in die roten Zahlen? 

Wahrscheinlich nicht, der Fernverkehr ist nur ein Geschäftsfeld von vielen. Der Regionalverkehr bringt mehr als doppelt so viel Umsatz. Der Konzern rechnete zuletzt mit einer Milliarde Euro Gewinn in diesem Jahr. Ihre Ziele hätte die Bahn damit verfehlt. Das liegt auch an steigenden Kosten, etwa durch den teuer erkauften Tariffrieden mit den Gewerkschaften und Klimaabgaben.

Wie will die Bahn die Kosten in den Griff bekommen? 

Konzernchef Rüdiger Grube hat ein Sparprogramm angekündigt, allein in der Zentrale will er bis 2020 rund 700 Millionen Euro gutmachen. Auch ein Stellenabbau ist möglich.

Was tut die Bahn, um Kunden zurückzugewinnen? 

Nur über den Preis können sie nicht siegen, das ist den Strategen im Berliner Bahntower bewusst. Sie haben eine Qualitätsoffensive angekündigt. Aber damit tut man sich schwer – siehe WLAN und Pünktlichkeit. Ein besserer Service, mehr Strecken, Haltepunkte und Züge – das hat die Bahn den Kunden im Frühjahr bis 2013 versprochen. (dpa)

Rubriklistenbild: © dpa

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