Nordhessen Champions

Wasserschloss Wülmersen: Neues Leben in alten Mauern

Das romantische Wasserschloss Wülmersen an der Diemel.
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Romantisch: Das Wasserschloss Wülmersen liegt malerisch an der Diemel und ermöglicht seine Gästen eine Zeitreise ins Mittelalter.

Selbst Standardwerke über Deutsche Kunstdenkmäler nutzen für die Beschreibung des Wasserschlosses Wülmersen im gleichnamigen Weiler von Trendelburg einen Anflug von Poesie.

In einem solchen Standardwerk – dem „Dehio“ – steht denn auch: „Malerisch an der Diemel gelegene, unregelmässige Hofanlage“. Bei aller Unregelmäßigkeit – in der Hofanlage wird sicher jeder Besucher des ehemaligen Hofguts aus dem 12. Jahrhundert die besondere Atmosphäre des Wasserschlosses in sich aufnehmen und genießen können. Wie das häufig bei malerischen Dingen ist – sie sind nicht so bekannt, wie sie sein müssten. Für das Dreiländereck an Diemel und Weser gilt das natürlich nicht, aber südlich von Hofgeismar gibt es sicher noch Viele, die das Wasserschloss nicht kennen.

Wie gesagt: Das ehemalige Hofgut, ein sogenanntes Tafelgut der Familie von Stockhausen, wurde im 12. Jahrhundert – genauer gesagt 1108 erstmalig als Geschenk Bischof Heinrich des Zweiten von Paderborn an das Kloster Helmarshausen genannt. Rund 200 Jahre später wurde die Anlage dann Lehen der Familie von Stockhausen und blieb dies auch für die nächsten Jahrhunderte. Nach den Wirren des dreißigjährigen Krieges wurde das Hofgut zum Wasserschloss ausgebaut und in den Jahren von 1750 bis 1912 um ein Herrenhaus und ein Wirtschaftsgebäude erweitert. Vom Wasserschloss sieht man heute nichts mehr, da die Gräben zugunsten von Gärten zugeschüttet wurden. Bis 1956 fand im dann schon ehemaligen Wasserschloss Landwirtschaft statt – auch heute gibt es in der Nachbarschaft Landwirtschaft und sogar freilaufende Strauße.

Eine Zeitreise ins Mittelalter in den Ruinen der Mauern.

Nach der Aufgabe der Landwirtschaft verfielen die Gebäude und Ende der 80er-Jahre waren von Hofgut und Wasserschloss nur noch Ruinen übrig, für die sich außer einer in dieser Zeit weltweit agierenden religiösen Bewegung mit indischem Hintergrund fast niemand mehr interessierte. Das „Fast“ füllt in dieser Geschichte ein geschichtsinteressierter Landtagsabgeordneter und späterer Landrat aus: Dr. Udo Schlitzberger gründete mit Gleichgesinnten und großer Unterstützung seiner Ehefrau Marianne den Verein Aus- und Fortbildungsverbund (AuF), der sich in der Folge einer Reihe von denkmalgeschützten und rettenswerten Gebäuden im Landkreis Kassel annahm. Dieser Verein übernahm 1987 das, was von Wülmersen noch übrig war. Durch den AuF gelang in den nächsten 20 Jahren durch die Verbindung von Beschäftigungsförderung und Denkmalpflege der Aufbau von einem Teil der Gebäude, die Einrichtung von Qualifizierungswerkstätten, eines Gruppenhaus und eines Museums. Das Ergebnis lässt sich sehren und hat den Hessischen und den Deutschen Preis für Denkmalschutz erhalten.

Heute gehört das Wasserschloss zum Eigenbetrieb Jugend- und Freizeiteinrichtungen des Landkreises Kassel. Er betreibt die Gruppenunterkunft und das LandMuseum mit angeschlossenem Café „Mehlschwalbe“, das für alle Fahrradfahrer auf dem Diemelradweg eine feste Anlaufstation ist. Außerdem sind hier Lernwerkstätten der landkreis­eigenen Beschäftigungsgesellschaft AGIL gGmbH untergebracht.

Neues Leben und neue Technik: Das Café im Innenhof lädt zum Verweilen ein.

Als Ende der 1980er-Jahre der Wiederaufbau begann, wurde aus Kostengründen entschieden, die Herrenhausruine nicht komplett wiederaufzubauen. So wurden nur die Mauerreste vor weiterem Verfall gesichert. Seit 2013 findet in der besonderen Atmosphäre der alten Gemäuer in den Sommermonaten die SommerKultur Wülmersen statt, die vom Förderverein für das Wasserschloss Wülmersen e.V. organisiert wird.

Um die Besucher der Konzerte und Veranstaltungen und insbesondere auch das denkmalgeschützte Mauerwerk vor Regen und Sturm zu schützen, gibt es seit diesem Jahr ein Solardach über der Ruine, nachdem zuvor jedes Jahr ein temporäres Dach für die SommerKultur aufgebaut wurde.

Diese Neuerung bringt viele Vorteile: Die Herrenhausruine erhält einen dauerhaften Schutz vor Niederschlägen. Dabei entsteht ein wettergeschützter Raum mit besonderer Atmosphäre, der für Veranstaltungen, Trauungen, Feiern oder Firmenevents nutzbar ist.

Gleichzeitig dient das Solardach der Gewinnung erneuerbarer Energie, die am Diemelradweg direkt zum Beispiel an einer Ladestation für E-Bikes genutzt werden kann.

Eine Photovoltaikanlage sorgt für klimafreundliche Stromerzeugung.

Um einen möglichst großen Anteil des erzeugten Stroms direkt im Wasserschloss nutzen zu können, wurde ergänzend ein neu entwickelter Stromspeicher eines bekannten Nordhessen Champions installiert. Mit Inbetriebnahme der neuen Dachanlage und unter Berücksichtigung, dass das Wasserschloss mit einem Holzpelletkessel beheizt wird und noch eine weitere Photovoltaikanlage auf dem Dach der Museumsscheune in Betrieb ist, ist der Betrieb des Wasserschlosses auch noch klimaneutral.

Wer also klimaneutrale Romantik pur im malerischen Diemeltal erleben will, kommt am Wasserschloss Wülmersen nicht vorbei. (NH)

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