Immer weniger Komfort bei der Deutschen Bahn

München - Eine Untersuchung hat ergeben: In Fernzügen sitzen Reisende eingequetscht wie Sardinen in der Dose.

Vor 20 Jahren nahmen die ersten ICE-Züge in Deutschland den Betrieb auf, zugleich verkürzten Neubaustrecken die Fahrzeiten von München nach Hamburg und von Stuttgart nach Mannheim. Aus diesem Anlass untersuchte der Heidelberger Verkehrsexperte Dr. Felix Berschin für das Fachblatt Bahn-Report den Reisekomfort in allen derzeiten ICE-Baureihen, den Intercity-Zügen und den lange sehr beliebten Interregio-Zügen. Aufgrund der DB-Daten wurden auch die geplanten neuen IC-X-Züge und die Doppelstock-Intercity verglichen.

Fazit: Der Reisekomfort bleibt künftig auf der Strecke.

Experte Berschin: „Bahnfahren war noch nie so schön und wird es wohl auch nie wieder.“ Untersucht haben Berschin und sein Co-Autor Julian Nolte die Züge auf 32 Kriterien (einige rechts in der Tabelle) untersucht. Dann wurden die Züge benotet. Generell gilt dabei: Am besten schneiden die ersten beiden ICE-Baureihen 1 und 2 ab. Berschin: „Bot der ICE 1 in der Ursprungsausführung selbst in der 2. Klasse Sitzteiler von über einem Meter und Sitzbreiten von über 55 Zentimeter je Fahrgast, verheißen IC-X oder auch Doppelstock-IC nun Sitzteiler von 85-86 Zentimeter und eine rechnerische Breite von 50 Zentimetern.“ Hatte der ICE 3 noch eine halbwegs akzeptable Breite, bringt der überlange IC-X, aber auch der Doppelstock-Wagen letztlich Nahverkehrsenge beim Ellenbogen.

Auch andere Indikatoren wie das Verhältnis Zahl der Einstiege zu Sitzplätzen oder Toiletten zeigen einen deutlichen Abwärtstrend. Motto laut Berschin: „Ein paar zusätzliche Plätze gehen immer.“ Die Fernzug-Tester stellen auch fest, dass der Relaunch der ersten beiden ICE-Reihen den Fahrgästen nicht zugute kamen: Weil man auch dort mehr Sitze reingepackt hat, passen diese nicht mehr zur Fensteraufteilung. Wer Pech hat, sieht statt Landschaft nur den Fensterholm. Auch das bei vielen Reisenden beliebte Abteil wird nicht nur bei den neueren ICE-Baureihen, sondern auch beim neuen IC-X dem Wirtschaftlichkeitsstreben der DB geopfert. Es ist den oft Lufthansa reisenden Bahnbossen dabei offenbar egal, wenn ihre Kunden im 80-Personen- „Saal“ laut telefonierende Manager, lärmende Kegelclubs und schreiende Kinder ertragen müssen.

Karl-Heinz Dix

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