Plug’n Charge baut Ladesäulen aus Beton

In Bad Emstal wird am Ladenetz für E-Autos getüftelt

Ein E-Auto steht an einer Ladesäule des Unternehmens Plug’n Charge aus Bad Emstal.
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Das Unternehmen Plug’n Charge bietet Komplett-Lösungen für Ladesäulen auf Parkplätzen an.

Auf dem Weg in die elektromobile Zukunft ist die Ladeinfrastruktur eine der Baustellen, die es noch zu bewältigen gilt. Das Unternehmen Plug’n Charge aus Bad Emstal entwickelt und vertreibt eigene Ladesäulen.

Bad Emstal - Die Firma, die 2011 gegründet wurde, hat ihren Sitz im Schloss Riede, einem Renaissancebau aus dem 16. Jahrhundert. Geschäftsführer Christian Kahl hatte das Anwesen gemeinsam mit seinem Bruder gekauft und renoviert. Dort tüftelt Kahl an seinen Ladesäulen. „Wir brauchten viel Durchhaltevermögen – und viel Überzeugung, dass unser Weg der richtige ist“, erinnert sich der 49-Jährige, der gebürtig aus der Nähe von Unna kommt.

Ein Besuch auf der Messe „eCarTec“ im Jahr 2009 war der Startschuss für Kahl und seine Geschäftspartner. Neben ihm sind heute vier weitere Gesellschafter an Bord. „Vielen kleineren Konkurrenten, die zu Beginn noch dabei waren, ist mittlerweile die Luft ausgegangen“, sagt Kahl. Plug’n Charge investierte das vorhandene Eigenkapital nach Aussage des Chefs vor allem in Forschung und Entwicklung, statt in Büros und teure Maschinen. Heute hat das Unternehmen verschiedene Ladesäulen und Wallboxen im Angebot.

Dr. Christian Kahl

Nach ersten Versuchen auf Basis von Schaltschränken wurde gemeinsam mit der Hochschule Darmstadt (Design) und der Uni Kassel (Material, Technik, Bedienung) eine neue Ladesäule entwickelt. Die Hülle aus Spezialbeton wird heute bei der Firma Wiebusch in Volkmarsen gegossen, das technische Innenleben wird bei ESG Elektro in Datterode bei Eschwege montiert. Der Spezialbeton ermögliche ein individuelles Design nach Kundenwünschen – denn Plug’n Charge verkauft nicht an Privatleute, sondern an Großabnehmer. „Wir brauchen kein teures und unflexibles Werkzeug, sondern können je nach Kundenwunsch in Form und Farbe variieren“, erklärt Kahl, der früher Berater für Projektmanagement war.

Schon 600 Ladepunkte in Deutschland installiert

Schon 600 Ladepunkte hat die Firma deutschlandweit installiert, etwa entlang der Deutschen Märchenstraße. „Jetzt geht die Elektromobilität richtig los. Wir stehen bereit, um das Ladenetz dem wachsenden Bedarf anzupassen“, kündigt Kahl an. Als potenzielle Kunden hat er Hotels, Supermärkte und andere Ketten ins Auge gefasst. Seine Vision: „In Zukunft müssen diese Unternehmen ihren Kunden Lademöglichkeiten geben – sonst gehen die eben zur Konkurrenz, wo das Auto während des Einkaufs geladen werden kann.“

Der Firmenname ist Programm: „Plug’n Charge“ heißt übersetzt „einstecken und laden“. Mehr brauche es nicht, wenn etwa Hotels ihren Gästen kostenloses Aufladen auf dem Parkplatz anbieten wollten. Die Ladesäulen aus Bad Emstal werden aber auch im Paket mit Fundament-Sockel und digitaler Infrastruktur für Abrechnung, Tarife und Kundenprofile geliefert. So könne jeder Supermarkt seinen Kunden eigene günstige Tarife bieten und damit etwas für die Kundenbindung tun. Kahl zeigt sich überzeugt, dass seine Lösung die E-Mobilität auch im ländlichen Raum nutzbar macht. (Von Gregory Dauber)

Reallabor im Opel-Werk

Das bei der Universität Kassel angesiedelte „House of Energy“ (Haus der Energie) ist eine Denkfabrik, die sich wissenschaftlich und konzeptionell mit der Energiewende auseinandersetzt. Es wird mit EU-Mitteln gefördert und von verschiedenen Unternehmen, Forschungseinrichtungen und der Hessischen Landesregierung getragen. Das erste vom „House of Energy“ initiierte Projekt ist das „E-Mobility-Lab Hessen“. Unter Leitung der Uni Kassel erforschen die Unternehmen Plug’n Charge, Flavia IT und Opel im Opel-Werk Rüsselsheim die Anforderungen an eine elektromobile Ladeinfrastruktur. An 140 Ladepunkten werden Technik, Benutzerfreundlichkeit und IT-Systeme getestet.

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