Die Arbeit des Jobcenters im Landkreis Kassel

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Gregor Vick, Geschäftsführer des Jobcenters Landkreis Kassel

Gregor Vick, Geschäftsführer des Jobcenters Landkreis Kassel steht im Interview Rede und Antwort.

Sie sind der Geschäftsführer des JC Landkreis Kassel – woraus genau besteht die Arbeit des Jobcenters?

Gregor Vick: Unsere Aufgaben bestehen in der Umsetzung der Grundsicherung für Arbeitsuchende nach dem 2. Buch Sozialgesetzbuch (SGB II) – auch „Hartz IV“ genannt. Dies sind insbesondere die Integration in Beschäftigung durch Aktivierung, Stabilisierung und Vermittlung „erwerbsfähiger Leistungsberechtigter“, die im Bezug von Arbeitslosengeld II (AlgII) stehen und die Sicherstellung des Lebensunterhaltes – also die Prüfung der Anspruchsvoraussetzung und Gewährung des AlgII bzw. Sozialgeldes einschließlich der Kosten der Unterkunft an die SGB II-Kunden im Landkreis Kassel. Wir wollen die Eigenverantwortung der Kunden stärken und dazu beitragen, dass diese ihren Lebensunterhalt aus eigenen Kräften bestreiten können.

Das Jobcenter wurde 2005 gegründet – konnten Sie in den letzten Jahren Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt feststellen?

Gregor Vick: Mit dem 4. Gesetz für moderne Dienstleistungen am Arbeitsmarkt erfolgte die umfassendste Arbeitsmarktreform zum 01. Januar 2005 in der bundesdeutschen Geschichte, deren Kern die Zusammenführung von Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe zur sogenannten „Grundsicherung für Arbeitsuchende“ war. Zunächst erfolgte die Aufgabenbewältigung in sogenannten „Arbeitsgemeinschaften“ (Mischverwaltungen) – seinerzeit die Arbeitsförderung Landkreis Kassel –. Nachdem das Bundesverfassungsgericht die Mischverwaltung in Form der Arbeitsgemeinschaften für verfassungswidrig erklärt hat, wurden zum 01. Januar 2011 das SGBII novelliert und die Jobcenter als gemeinsame Einrichtungen des Bundes und der Kommunen im Grundgesetz verankert. Seit dem 01. Januar 2011 betreuen wir daher als gemeinsame Einrichtung Jobcenter Landkreis Kassel zurzeit circa 12.000 Bezieher von AlgII – Sozialgeld – circa 60 Prozent der arbeitslosen Menschen im Kreisgebiet. Konnten wir in den ersten Jahren noch schnelle Erfolge gemeinsam mit den von uns betreuten Kunden erzielen, so müssen wir heute feststellen, dass ein großer Teil der nunmehr betreuten arbeitslosen erwerbsfähigen Leistungsbezieher aus diversen Gründen nicht so schnell in den Arbeitsmarkt integriert werden können. Die Anforderungen des Arbeitsmarktes an die Arbeitsuchenden sind in vielfältiger Weise gewachsen. Hier gilt es, die Kompetenzen der von uns betreuten Kunden zu entwickeln, um so eine nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt trotz hoher Anforderungen zu ermöglichen.

Wie viele Arbeitslose kann das Jobcenter pro Jahr in etwa vermitteln?

Gregor Vick: Durchschnittlich können wir jährlich circa 2.000 erwerbsfähige Leistungsberechtigte in Arbeit vermitteln. Seit 2005 wurden fast 15.000 Menschen in eine Beschäftigung vermittelt.

Das Förderprogramm „Perspektive 50plus – Beschäftigungspakt für Ältere in der Region“ wird vom Jobcenter unterstützt. Worum geht es dabei genau?

Gregor Vick: Das Jobcenter beteiligt sich seit der ersten Auflage an diesem Programm des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zur Verbesserung der Beschäftigungschancen älterer Arbeitsloser. Ziel des Programmes ist es, ältere Menschen, die länger arbeitslos sind, wieder dauerhaft in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Im vergangen Jahr fanden insgesamt 327 der über 50-Jährigen Kunden wieder eine Anstellung. Davon konnten 258 in eine sozialversicherungspflichtige und 69 in eine geringfügige Beschäftigung vermittelt werden. Bereits in diesem Jahr wurden 142 Bewerber in sozialversicherungspflichtige und 41 Bewerber in geringfügige Beschäftigungsverhältnisse vermittelt.

Sie unterstützen vor allem Arbeitsuchende, aber bietet das Jobcenter auch Hilfe für die Arbeitgeber an?

Gregor Vick: In der Regel investieren Arbeitgeber, die Langzeitarbeitslosen den Wiedereinstieg in den ersten Arbeitsmarkt ermöglichen, zu Beginn des Arbeitsverhältnisses etwas mehr Zeit in die Einarbeitung und Betreuung der neuen Kollegen als gewöhnlich. Da ist es nur konsequent, dass das Jobcenter auch diesen Arbeitgebern Unterstützung anbietet. Neben den vielfältigen Förderprogrammen für Arbeitgeber und entsprechende Beratung unterstützen die Mitarbeiter im Jobcenter die Kunden und die Arbeitgeber, hier möglichst passgenaue Lösungen zu finden. Durch die konsequente Zusammenarbeit aller Mitarbeiter konnten bisher gute Ergebnisse erreicht werden. Stellenbörsen, Fach- und Informationsveranstaltungen, Netzwerkarbeit sowie innovative Projekte sind hierfür mit verantwortlich. Um auf den veränderten Fachkräftebedarf und das Angebot noch schneller und gezielter reagieren zu können, haben die Agentur für Arbeit und das Jobcenter Landkreis Kassel ihr Dienstleistungsangebot für Unternehmen ausgebaut und einen gemeinsamen Arbeitgeberservice gegründet. In einem Kooperationsvertrag haben wir konkrete Schritte festgelegt, die es ermöglichen, am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt noch nachhaltiger im Sinne der Unternehmen zu agieren, um mehr Transparenz zu schaffen. Die Unternehmen in der Region haben darüber hinaus durch den gemeinsamen partnerschaftlich geführten Arbeitgeberservice nur noch einen Ansprechpartner vor Ort und die Dienstleistung aus einer Hand. Insgesamt 12 arbeitgeberorientierte Vermittlungskräfte kümmern sich ausschließlich um Arbeitgeberbelange und beraten die Firmen zu wichtigen Themen, der Fachkräfterekrutierung und -sicherung, Weiterbildung Beschäftigter und Möglichkeiten zur finanziellen Unterstützung. Der Arbeitgeberservice kann auf ein umfangreiches Bewerberangebot zurückgreifen und so eine schnelle Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal sicherstellen.

Haben Sie noch einen wichtigen Tipp, den Sie Bewerbern mit auf den Weg geben können?

Gregor Vick: Ja – bei der Mehrheit der von uns betreuten Langzeitarbeitslosen handelt es sich um arbeitswillige und interessante Menschen, die über vielfältige Qualifikationen und Kompetenzen verfügen. Wir wollen, dass diese motivierten Bewerber eine Chance am Markt erhalten. Sie sollten also nicht zögern, unsere Hilfe und die Kompetenzen des Jobcenters einzufordern. Nur wenn Sie als Bewerber sich uns gegenüber öffnen, werden wir gemeinsam einen Weg aus der Arbeitslosigkeit finden können. Ich wünsche mir daher sehr, dass – wie in der Vergangenheit – die Kunden uns und unsere Dienstleistung in vollem Umfange in Anspruch nehmen. (leh)

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