Nordhessen Champions

Stephan Leyhe: Ein Jahr voller Erfolge

Stephan Leyhe beim Weltcup-Skispringen in Oslo, Norwegen.
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März 2020, in Oslo, Norwegen: Stephan Leyhe hochkonzentriert in der Luft. Gemeinsam mit seinen Teamkollegen nahm der Nordhesse am Weltcup-Skispringen teil.

Stephan Leyhe feierte in der Saison 2019/20 einen Erfolg nach dem anderen. Dreimal wurde er zum Sportler des Jahres gekürt und in seinem Heimatort Willingen errang er 2020 seine erste Weltcup-Goldmedaille.

Trotzdem endete die Saison tragisch: beim letzten Wettbewerb – alle folgenden Veranstaltungen wurden aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt – stürzte er schwer. Das Kreuzband seines linken Knies musste ersetzt werden, es wird Monate dauern, bis er wieder auf der Schanze steht. Aber der gebürtige Nordhesse sieht die Situation pragmatisch und positiv: Es geht voran. Schritt für Schritt nach vorne, nur keinen zurück.

Herr Leyhe, erst der Heimsieg in Willingen, dann der Abriss des vorderen Kreuzbandes. Mit welchen Gefühlen blicken Sie auf den Winter 2019/20 zurück?

Der Weltcup-Sieg ist für mich noch immer eine Quelle großer Freude und ich denke gerne daran zurück. Ich glaube, es ist der Traum jedes Leistungssportlers, bei einem Weltcup einmal ganz oben auf dem Treppchen zu stehen. Dass die Saison dann mit diesem dramatischen Sturz endete, ist natürlich traurig, aber ich bin mittlerweile auf einem guten Weg und ich werde definitiv wieder springen – es ist nur eine Frage der Zeit.

Wie ist das mit Ihrem Sturz passiert?

Es passierte bei einem Qualifikationsspringen für die „Raw Air“-Serie, die Teil des Skisprung-Weltcups ist. Übrigens war es das letzte Springen in diesem Jahr. Danach wurden alle Veranstaltungen wegen Corona abgesagt.

Das ist natürlich wirklich Pech.

Ja, das kann man so sagen (lacht). Der Sprung war sehr weit und als ich aufgekommen bin, ist mein linkes Knie einfach nach innen weggeklappt. Ich konnte nichts tun. Das Kreuzband war in so viele kleine Teile zerrissen, dass es komplett ersetzt werden musste. Danach musste ich das Bein eine Weile schonen, bevor ich mit der Reha beginnen konnte. Jetzt muss ich die Muskulatur neu aufbauen, bevor ich wieder springen kann.

Willingen: Am 8. Februar feiert Stephan Leyhe seinen ersten Weltcup Sieg vor heimischer Kulisse.

Wie oft denken Sie noch an den Triumph auf der Mühlenkopfschanze?

Oft! Der Pokal steht in meiner Vitrine an prominenter Stelle und immer wenn ich daran vorbeilaufe, freue ich mich. Vielleicht nicht jeden Tag... aber oft.

Wie sehr hat die Corona-Pandemie ihren Alltag und vor allem ihre Karriere beeinträchtigt?

Nach meiner Verletzung durfte ich im Krankenhaus keinen Besuch empfangen und in der anschließenden Reha herrschte Maskenpflicht. Das war natürlich alles ungewohnt und unerfreulich, aber insgesamt kann ich nicht sagen, dass ich dadurch große Nachteile hatte. Sport an der frischen Luft war ja jederzeit erlaubt – ich konnte also jederzeit meiner Beschäftigung nachgehen (lacht). Im Alltag habe ich auch keine wirkliche Beeinträchtigung. Der Einkauf mit Maske ist zur Gewohnheit geworden. Ich lebe sehr ländlich und da ist die Infektionsgefahr auch nicht so groß, weil man selten in große Menschenansammlungen gerät.

Seit der Saison 2014/15 sind sie fortwährend im Weltcup vertreten. Wie haben Sie es geschafft, sich in jedem Jahr noch im Klassement zu verbessern?

Das ist eine gute Frage... Ich war noch nie ein Schnellstarter, aber wenn ich mich mit etwas beschäftige, entwickle ich das stetig Stück für Stück weiter. Und ich habe eben keine Rückschritte gemacht – statt drei Schritte vor und zwei zurück bin ich immer einen Schritt nach dem anderen gegangen.

Sie wurden vergangenes Jahr gemeinsam mit Ihren Teamkollegen Markus Eisenbichler, Richard Freitag, Severin Freund, Karl Geiger, Constantin Schmid, David Siegel und Andreas Wellinger zum Sportler des Jahres 2019 gekürt. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung?

Sehr viel! Es waren ja insgesamt drei Auszeichnungen: Nordhessen-Sportler des Jahres 2019, Hessen-Sportler des Jahres 2019 und mit dem Team Deutschlands Sportler des Jahres 2019. Die Team-Auszeichnung erinnert mich natürlich an den gemeinsamen Erfolg, an den Weltmeister-Titel den wir vergangenes Jahr gemeinsam errungen haben. Es macht mich stolz, weil so viele großartige Sportler vor mir diese Auszeichnung erhalten haben. Bei den Auszeichnungen aus Hessen hat mich besonders gefreut, dass ich als Skispringer ausgezeichnet wurde – Wintersport spielt in Hessen ja sonst keine besonders wichtige Rolle.

Wie oft genießen sie zurzeit die nordhessische, Willinger Luft?

Ich wohne seit 2011 im Schwarzwald, aber meine Familie wohnt weiterhin in Nordhessen und ich war auch während der Reha sehr oft dort. Ich werde also immer wieder nach Nordhessen zurückkehren.

Zu Beginn des Interviews haben wir zurückgeschaut. Jetzt der Blick nach vorn: Was sind ihre nächsten Ziele?

Die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking. Auf diesen Wettbewerb werde ich mich im kommenden Jahr intensiv vorbereiten.

Dabeisein ist alles?

(Lacht) Dabeisein ist für den Anfang schonmal super. Aber natürlich will ich auch eine Medaille holen – wenn man schon um die halbe Welt reist. (ESY)

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