Interview mit SMA-Vorstand: „Der Markt wächst weiter“

Interview mit SMA-Vorstand: „Der Markt wächst weiter“

Kassel. SMA erwartet für das laufende Jahr zwar einen Umsatzrückgang. Mittel- und langfristig rechnet Vorstandsprecher Günther Cramer aber mit deutlichen Wachstumsraten. Darüber sprach er mit José Pinto.

SMA-Neubau am Sandershäuser Berg wächst

Der SMA-Neubau am Sandershäuser Berg

Herr Cramer, Reaktorkatastrophe in Japan, steigende Ölpreise und nun der fulminante Wahlerfolg der Grünen. Das alles spielt SMA und der Phototovoltaik-Branche insgesamt in die Hände, oder?

Cramer: Wir haben uns schon immer ganz klar gegen die Laufzeitverlängerung von Kernkraftwerken ausgesprochen und Alternativen aufgezeigt, wie die erneuerbaren Energien deutlich schneller ausgebaut werden können als es bislang politisch gewollt war und betrieben wurde. Insofern ist es erfreulich, dass man jetzt das Potenzial der Erneuerbaren und die Chance beim forcierten Übergang in eine zu 100 Prozent erneuerbar versorgte Energiewirtschaft wieder anders bewertet.

Welchen Anteil kann die Solarenergie an der Stromversorgung im Inland übernehmen?

Cramer: Bis zum Jahr 2020 kann die Photovoltaik bis zu elf Prozent des Stroms in Deutschland produzieren. Derzeit sind es zwei Prozent. Aber wir können deutlich schneller und stärker ausbauen - zumal wir bei der Photovoltaik kurzfristig keinen zusätzlichen Netzausbau brauchen, weil der Strom zu 98 Prozent in das örtliche Niederspannungsnetz eingespeist wird und zur Verfügung steht, wenn der Verbrauch am höchsten ist. Voraussetzung für den schnelleren Ausbau ist der politische Wille.

Aber der Branche droht auch Ungemach. Italien und Frankreich wollen den Zubau von Solaranlagen deckeln, und die Förderkürzung in Deutschland lässt einen Rückgang der Nachfrage nach SMA-Produkten auch im Inland erwarten. Können die anderen Märkte das ausgleichen?

Cramer: Deutschland bleibt ein wichtiger Markt, aber wir erwarten hier in den nächsten Jahren kein größeres Wachstum. Wir sehen die Zukunft ganz klar in den ausländischen Märkten wie Nordamerika, Asien und Indien, aber je nach Ausgang der Debatten zur Förderanpassung auch in Europa. Die weltweiten Photovoltaik-Zubauraten werden mittelfristig klar steigen.

Sie haben Ende 2010 die Verträge von rund 900 Zeitarbeitern nicht verlängert und dieses Jahr 640 der verbliebenen 1000 Leiharbeiter auf Kurzarbeit gesetzt. Worauf müssen wir uns noch einstellen?

Cramer: Wir spüren derzeit eine leichte Belebung der Nachfrage. Daher gehen wir davon aus, dass es keine weiteren Anpassungen bei unseren Zeitarbeitskräften geben wird.

Sie investieren 400 Mio. Euro in eine gigantische Wechselrichterfabrik in Niestetal. Ist die Investition angesichts der aktuellen Flaute überhaupt noch notwendig?

Cramer: Wir bauen derzeit unser Servicecenter am Sandershäuser Berg und wollen dort unsere Aktivitäten in diesem Bereich zusammenfassen, die derzeit noch auf sechs oder sieben Standorte verteilt sind. Davon erhoffen wir uns erhebliche Produktivitätsverbesserungen. Wir wollen dann - und das war von Anfang an so geplant - bei einer entsprechend positiven Marktkentwicklung nach und nach auch Produktionseinheiten errichten. Wir sind sehr froh, dass wir diesen Standort haben, weil dort erstmals die Möglichkeit besteht, die Produktion an einer zentralen Stelle zu erweitern und sie flexibel auszubauen. Davon versprechen wir uns noch einmal eine enorme Verbesserungen in den Logistik- und Produktionsabläufen.

Das heißt, Sie halten an Ihren anspruchsvollen Investitionsplänen in vollem Umfang fest und machen auch zeitlich keine Abstriche?

Cramer: So ist es. Wir haben schon immer in Abhängigkeit von der Nachfrage investiert. Das wird auch in Zukunft so bleiben.

Wo sehen Sie das Unternehmen in fünf Jahren?

Cramer: Enorm gewachsen, vor allem auf den internationalen Märkten. Ich bin sicher, dass auch von Ländern, deren Marktentwicklung gerade erst begonnen hat, mittelfristig große Wachstumsimpulse ausgehen - beispielsweise von Indien. Und ich hoffe, dass die Versorgung von Menschen in Ländern, die bislang noch keinen Zugang zu Strom haben, bis dahin ein noch wichtigeres Thema sein wird.

Und wo wird künftig produziert?

Cramer: Wir werden für Deutschland und zahlreiche andere Märkte weiter hier in Niestetal und Kassel produzieren. In Märkten, in denen wir nachhaltiges Wachstum sehen, werden wir sicherlich die Errichtung lokaler Produktionsstandorte erwägen, um dort für den jeweiligen Markt zu produzieren.

Günther Cramer

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Günther Cramer, Vorstandssprecher der SMA, gründete 1981 gemeinsam mit Peter Drews, Reiner Wettlaufer und Prof. Werner Kleinkauf das Unternehmen, aus dem die heutige SMA Solar Technology AG hervorging. Alle vier sind Elektrotechniker. Wie Drews und Wettlaufer studierte Cramer in Kassel. Seit fast zwei Jahren Jahren ist der Ingenieur Präsident des Branchenverbandes BSW-Solar. Im Mai will er sich gemeinsam mit Drews aus dem Vorstand und dem operativen Geschäft zurückziehen. Wettlaufer war bereits aus dem Vorstand ausgeschieden. Der 58-jährige Cramer ist verheiratet und Vater eines erwachsenen Sohnes. In seiner Freizeit segelt er gern. Unser Archivfoto zeigt ihn mit einem Wechselrichter, dem Hauptprodukt von SMA. (jop)

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