Urteil

Ironie hat im Arbeitszeugnis nichts zu suchen

+
Kein Platz für Spott: Ein Arbeitszeugnis muss klar und verständlich formuliert sein.

Ein Arbeitnehmer schlägt seinem Chef einen Text für ein Abschlusszeugnis vor. Der setzt bei allen positiven Formulierungen noch eins drauf. Aus einer "sehr guten Auffassungsgabe" wird eine "extrem gute Auffassungsgabe". Ist das zulässig?

Mitarbeiter müssen Ironie im Arbeitszeugnis nicht hinnehmen. Darauf weist der Bund-Verlag hin und bezieht sich auf eine Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Hamm (Az.: 12 Ta 475/16).

Eine Formulierung wie "Wenn es eine bessere Note als "sehr gut" geben würde, würden wir ihn damit beurteilen" ist unzulässig. Das gilt insbesondere dann, wenn eine Formel des Bedauerns zum Ausscheiden des Mitarbeiters fehlt. Denn das wirkt im Zusammenspiel so, als sei das Zeugnis nicht ernst gemeint.

Aus "stets sicher" wurde "zu jeder Zeit sicher"

In dem verhandelten Fall stritten Arbeitgeber und -nehmer über ein Zeugnis. Grundsätzlich ist es zwar die Sache des Arbeitgebers, einen Zeugnistext zu formulieren. Hier hatten sich die Parteien in einem Vergleich aber darauf geeinigt, dass der Arbeitnehmer ein Vorschlagsrecht hat. Der Arbeitgeber hatte daraufhin viele Formulierungen des Mitarbeiters positiv gesteigert. Aus "stets sicher" wurde "zu jeder Zeit sicher", aus "seiner sehr guten Auffassungsgabe" wurde "seiner extrem guten Auffassungsgabe". Eine Formel des Bedauerns, dass der Mitarbeiter die Firma verlässt, fehlte jedoch.

Die Steigerungen zogen den Text ins Lächerliche

Der Mitarbeiter wehrte sich dagegen - und bekam Recht. Der Arbeitgeber habe in seinem Zeugnis Formulierungen verwendet, die einen spöttischen Gesamteindruck hinterlassen. Aufgrund der vielen gesteigerten positiven Formulierungen entstehe der Eindruck, dass die Aussagen nicht ernst gemeint sind. Die Steigerungen zögen den Text ins Lächerliche.

Anspruch auf klar formuliertes Zeugnis

Nach Paragraf 109 Gewerbeordnung haben Arbeitnehmer einen Anspruch auf ein Arbeitszeugnis, wenn sie ihre Tätigkeit beenden. Das Zeugnis muss laut Gewerbeordnung klar und verständlich formuliert sein. Es darf keine Merkmale oder Formulierungen enthalten, die den Zweck haben, eine andere als aus der äußeren Form oder aus dem Wortlaut ersichtliche Aussage über den Arbeitnehmer zu treffen.

dpa/tmn

Galerie

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.