Der Friesennerz hatte seine Blütezeit in den 70ern und 80ern

Jacke mit Kultstatus

Wasserdicht eingepackt: Julia Hohagen als kleines Mädchen mit Friesennerz im Regen in Neuharlingersiel und heute. Fotos: privat

Die Erinnerung an meinen ersten und einzigen gelben Regenmantel wären vermutlich längst verblichen, gäbe es als Beweisstück nicht dieses Foto mit dem kleinen dunkelblonden Mädchen, im Regen auf dem Campingplatz in Neuharlingersiel. Dass diese Jacke ein traditioneller Friesennerz ist und vor allem in den 70er Jahren der Klassiker der Regenkleidung schlechthin war, wurde mir erst Jahre später bewusst.

„Die war billig und wasserdicht“, begründete mein Vater die Anschaffung. Und diese modernen Nylondinger zum Zusammenknüllen hat es in Deutschland noch nicht gegeben. Etwas steif sei der Friesennerz gewesen und zum Fahrradfahren daher nicht sehr gut geeignet, findet er.

Das hat die Menschen vor 40 Jahren aber nicht vom Kauf und den Friesennerz nicht von seiner Entwicklung zur beliebtesten Regenschutzbekleidung der 70er und 80er Jahre abgehalten. „Es gab damals keine wirklich wasserdichte Bekleidung, die einigermaßen leicht war“, erklärte der langjährige Geschäftsführer der Firma Jeantex, Wolfgang Linden, unlängst dem Magazin „Stern“.

Ein Däne, der Jeantex-Gründer Jan E. Ansteen Nielsson, brachte im Jahr 1965 die gelbe Regen-Wendejacke auf den Markt, die heute als klassischer Friesennerz gilt. Ab Mitte der 60er Jahre gehörte Deutschland zu einem der wichtigsten Absatzmärkte.

Dieser klassische Friesennerz war außen gelb und innen blau, vom Schnitt her ähnlich einem Bundeswehr-Parka, ursprünglich für Berufsfischer und Segelsportler gedacht. Als Trägermaterial diente Polyester, deshalb war die Jacke nicht atmungsaktiv. Ihre Wasserfestigkeit hat sie einer Viskose-Schicht mit synthetischem Kautschuk, ab 1985 einer PVC-Beschichtung zu verdanken. Charakteristisch für den Leuchtmantel waren eine große Kapuze und voluminöse Taschen mit Klappen und eine Frontleiste mit Druckknöpfen.

Preis: Knapp 20 Mark

Als „Verwirklichung des Kommunismus auf modischem Gebiet“ wurde die Beliebtheit des Friesennerzes bezeichnet, da es kaum jemanden gab, der diese Jacke nicht getragen hätte oder sich ihre Anschaffung nicht hätte leisten können, sagte dazu die Journalistin Sybille Simon-Zülch. 1977 kostete ein Friesennerz gerade einmal knapp 20 Mark. Bis heute wurden die Jeantex-Jacken zahlreich kopiert und doch blieben sie immer der Mercedes unter den Friesennerzen.

Auch in der DDR wurde der Friesennerz von 1981 bis 1985 hergestellt. Um patentrechtliche Auseinandersetzungen mit Jeantex zu vermeiden, erfuhr der DDR-Friesennerz mit der Marke „elpico“ vom Hersteller VEB Jugendmode einige Änderungen. Er hieß offiziell „Wetterwendejacke“, war vom Material her nicht so robust und mit 120 Mark sehr teuer.

Von Julia Hohagen

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