Jäger der digitalen Spuren: IT-Sicherheit studieren

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Blick unters Gehäuse: Wer IT-Sicherheit studiert, schaut sich Computer im Detail an.

Sie kämpfen gegen Kinderpornografie und jagen Hacker: Experten im Bereich IT-Sicherheit sind gefragt. Immer mehr Hochschulen bieten nun an, IT-Sicherheit zu studieren. Gesucht sind keine Computer-Freaks, sondern Mathematiker, Juristen und Informatiker.

Wenn Rainer Belz nach einem Mörder fahndet, dann sucht er nicht die Tatwaffe. Kommissar Belz wertet bei der Polizei in Esslingen bei Stuttgart die Handys und Computer der Verdächtigen aus: „Wir verfolgen digitale Spuren und klären so Verbrechen auf.“ Seit gut einem Jahr ist Rainer Belz außerdem im Fernstudiengang Digitale Forensik eingeschrieben. Es ist der erste Studiengang im deutschsprachigen Raum, der Experten auf diesem Gebiet ausbildet. Sie ermitteln später bei der Polizei, spüren Kinderpornografie auf oder kümmern sich in großen Konzernen um die Sicherheit von Computer-Netzwerken.

Fachleute, die sich mit IT-Sicherheit auskennen sind gefragt wie noch nie - ihre Arbeit wird wohl noch an Bedeutung gewinnen. Die Hochschule Albstadt-Sigmaringen in Baden-Württemberg hat deshalb den berufsbegleitenden Master-Studiengang Digitale Forensik vor einem guten Jahr geschaffen. „Wir bieten eine umfassende Ausbildung an“, erklärt Steve Kovács, Leiter des Studiengangs. Auf dem Stundenplan stehen Grundlagen des Strafrechts, denn auch ein Computer-Cop muss im Internet die Gesetze kennen. Hinzu kommen Informatik und Programmieren.

Die Möglichkeiten nach dem Abschluss sind vielfältig: Viele der Studenten arbeiten als Kommissare bei der Polizei. Bei nahezu jedem Mord und jeder Entführung würden die digitalen Daten von Handy und Laptop von Tätern oder Opfern nach Spuren durchsucht, erklärt Horst Haug vom Landeskriminalamt Baden-Württemberg.

Nicht nur bei der Polizei landen Computer-Forensiker - auch Unternehmen suchen Sicherheitsexperten, denn Cyber-Angriffe, Kreditkarten-Betrug und Spionage häufen sich. Konzerne schaffen deshalb eigene Abteilungen, die digitale Mauern gegen Viren bauen. Doch bisher fehlten in diesem Bereich Experten, warnt Dieter Kempf, Präsident des Branchenverbands Bitkom. „Spezialisten für IT-Sicherheit sind schwer zu finden.“ Die Nachfrage betreffe alle Wirtschaftsbereiche und werde immer größer. Die Job- und Zukunfts-Aussichten für Absolventen sind also bestens.

Neben dem Master-Studiengang Digitale Forensik in Süddeutschland gibt es weitere Wege in die Branche. Der internationale Berufsverband der EDV-Revisoren und IT-Sicherheitsmanager (ISACA) bietet Weiterbildungen für Informatiker an. Diese Ausbildung richtet sich allerdings an Fachkräfte, die bereits Erfahrung haben. Mehrere Hochschulen haben sich spezialisiert: So bietet die Fachhochschule Offenburg den Bachelor-Studiengang „Unternehmens- und IT-Sicherheit“ an. Studenten lernen in sieben Semestern unter anderem Betriebssysteme und Risikomanagement kennen. Auch die Ruhr-Universität Bochum bildet Experten aus. Hier gibt es etwa „IT-Sicherheit“ als Bachelor- und Masterstudiengang.

Die Polizei in den jeweiligen Bundesländern hat eigene Akademien, die jedoch nur Beamte weiterbilden - keine Berufsanfänger. Anders dagegen das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI): Die einzige nationale IT-Sicherheitsbehörde in Deutschland bildet etwa IT-Systemelektroniker aus. Gesucht werden aber vor allem FH- und Hochschulabgänger: „Unsere Mitarbeiter haben ihr Studium in den unterschiedlichsten Fachrichtungen absolviert, von Informatik, Ingenieurwissenschaften bis zu Betriebs- oder Geisteswissenschaften“, erklärt BSI-Sprecher Tim Griese. (dpa)

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