Energiekonzerne zum Schnäppchenpreis zu haben

Aus Jägern werden Gejagte: Hohe Kursverluste bei Eon und Hohe

Düsseldorf/Essen. Jahrelang waren die beiden größten deutschen Energiekonzerne Eon (Düsseldorf) und RWE (Essen) Jäger. Im In- und Ausland übernahmen sie alles, was sie bekommen konnten – Strom-, Gas- und Wasserversorger.

Jetzt drohen sie zu Gejagten zu werden. Der Grund: Sie sind vergleichsweise billig. Denn seit der Atomkatastrophe von Japan und dem beschlossenen Ausstieg Deutschlands aus der umstrittenen Atomkraft haben die Strom- und Gasriesen an der Börse kräftige Kursverluste erlitten.

Die Eon-Aktie hat seit Jahresbeginn 24 Prozent ihres Wertes verloren und schloss am Dienstagabend bei 19 Euro. Daran änderte auch der gestrige Kursgewinn nur wenig. Somit ist der gesamte Konzern, der 2010 mit 85 100 Beschäftigten gut 93 Milliarden Euro umsetzte und unterm Strich 6,3 Mrd. Euro verdiente, nur noch rund 38 Mrd. Euro wert. Ein Schnäppchen, bedenkt man, dass Eon Anfang 2008 noch mit gut 100 Mrd. Euro bewertet wurde.

Die aktuell günstigen Preise wecken Begehrlichkeiten. Unter anderem auch beim russischen Energie-Giganten Gazprom, der sich einen Einstieg bei der Eon-Tochter Ruhrgas vorstellen kann. „Wir werden solche Angebote prüfen“, sagte Gazprom-Chef Alexej Miller unlängst. Der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP, Martin Lindner, hält ein Engagement der Russen bei Eon sogar für sinnvoll. Schließlich sei man in Zukunft noch mehr auf russisches Gas angewiesen

Der globale Branchenprimus Gazprom könnte mit einem Einstieg bei Eon sein Geschäft in Deutschland und Europa kräftig ausweiten. Mit der Kasseler Wintershall betreiben die Russen seit langem erfolgreich den gemeinsamen Gasgroßhändler Wingas.

Möglicherweise wird ein Einstieg bei Eon bald noch billiger. Angeblich stehen die Jahresprognosen auf dem Prüfstand, was Analyst Alexander Karnick von der Deutschen Bank für wahrscheinlich hält. Sollten die Konzernziele nach unten korrigiert werden, steht ein weiterer Kursrutsch zu befürchten.

Auch eine Übernahme des Eon-Konzerns wäre grundsätzlich möglich. 81,5 Prozent der gut zwei Milliarden Aktien befinden sich im Streubesitz. Mit dem US-Finanzinvestor Blackrock, der gut fünf Prozent der Anteilsscheine hält, und dem norwegischen Staatskonzern Statkraft (4,2 Prozent) gibt es nur zwei größere Aktionäre. Ein attraktives Angebot könnte angesichts der Unsicherheit auf dem künftigen deutschen Strommarkt so manchen Anleger zum Verkauf verleiten. Die Frage ist, ob die Regierung es zulassen würde, dass der größte deutsche Versorger vom Ausland gesteuert würde.

Bei RWE sieht es kaum besser aus. Der Essener Konzern muss ähnliche Kursrückgänge verschmerzen und gibt derzeit ebenfalls eine leichte Beute ab. Gut 19 Prozent hat das Papier seit Jahresanfang verloren und notierte gestern abend bei knapp 38,70 Euro, was eine Börsenkapitalisierung von fast 22 Mrd. Euro (einschließlich Vorzugsaktien) ergibt. Anfang 2008, als das Papier kurzzeitig mit mehr als 100 Euro gehandelt wurde, war das Unternehmen noch gut 56 Mrd. Euro wert. RWE setzte 2010 mit fast 71 000 Beschäftigten 53,3 Mrd. Euro um und verdiente 3,7 Mrd. Euro.

Von José Pinto

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