Japans Wirtschaft legt überraschend zu

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Containerterminal in Tokio: Das japanische Bruttoinlandsprodukt ist jüngst überraschend deutlich gestiegen. Foto: Franck Robichon

Seit Jahren geht es mit der japanischen Wirtschaft auf und ab. Nun ist das Bruttoinlandsprodukt wieder überraschend deutlich gestiegen. Doch Anlass zum Aufatmen sehen Ökonomen noch lange nicht.

Tokio (dpa) - Japans Wirtschaft ist in den ersten drei Monaten dieses Jahres überraschend stark gewachsen. Wie die Regierung in Tokio auf der Basis vorläufiger Daten bekanntgab, stieg die wirtschaftliche Leistung des Landes um eine hochgerechnete Jahresrate von 1,7 Prozent.

Das ist deutlich mehr als die meisten Ökonomen erwartet hatten. Im Schlussquartal 2015 war die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt nach revidierten Berechnungen noch um eine hochgerechnete Jahresrate von 1,7 Prozent geschrumpft und damit noch stärker als die zunächst von der Regierung geschätzten 1,4 Prozent.

Den Aufschwung im ersten Quartal verdankt Japan unter anderem dem privaten Konsum, der in Japan zu 60 Prozent zur wirtschaftlichen Leistung des Landes beiträgt. Er erhöhte sich nicht zuletzt dank eines Schaltjahres im Quartalsvergleich um 0,5 Prozent. Die Unternehmen des Landes scheinen jedoch weiterhin skeptisch zu sein. Trotz der Geldschwemme durch die Notenbank und hohen Barmitteln drosselten sie ihre Investitionen im Berichtsquartal um 1,4 Prozent.

Ökonomen in Tokio warnen denn auch vor andauernden Risiken für Japans Wirtschaft. Sorgen bereiten unter anderem eine Abkühlung in aufstrebenden Märkten und Turbulenzen an den Finanzmärkten. So könnte sich der wieder deutlich stärkere Außenwert des Yen negativ auf die Exporte auswirken. Lange Zeit hatten viele Unternehmen von einer Abschwächung des Yen als Folge der massiven Geldflut durch die Notenbank profitiert und teils Rekordgewinne eingefahren. Doch in jüngster Zeit zog der Yen an, was Japans Exporte wieder verteuert.

Die jüngsten Wachstumsdaten könnten Einfluss auf die Entscheidung der Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe nehmen, ob sie wie geplant im kommenden April die Verbrauchssteuer weiter von 8 auf 10 Prozent anhebt oder nicht.

Abe war Ende 2012 angetreten - mit seiner "Abenomics" genannten Wirtschaftspolitik aus schuldenfinanzierten Konjunkturprogrammen, der flankierenden Geldflut durch die Notenbank und versprochenen Reformen, Japan wieder auf Wachstumskurs zu bringen und die jahrelange Deflation dauerhaft zu überwinden. Doch stattdessen geht es mit Japans Wirtschaft seit Abes Amtsantritt mal auf, mal ab.

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