Designer: Kernkompetenz des Wäschespezialisten neu entdecken – Börsengang für 2011 geplant

Joop will Schiesser aufpolieren

Potsdam. „Bei einer Traditionsmarke wie Schiesser müssen wir dafür sorgen, dass die Kernkompetenz wieder sichtbar wird“, sagt Modedesigner Wolfgang Joop (66). Name und Qualität müssen herausgestellt werden – als Kontrast zur Beliebigkeit, meint der Designer, der als neuer Kreativdirektor 2011 an die Börse bringen soll. Vergangene Woche hat die Gläubigerversammlung einem Plan von Schiesser-Insolvenzverwalter Volker Grub zugestimmt.

„Ich glaube, dass ich als Stürmer im Team das Image der Marke verändern kann“, sagt der gebürtige Potsdamer Joop. Mit dem Erlös des Börsengangs sollen die Gläubiger befriedigt werden. Joop selbst soll für seinen Einsatz zehn Prozent der Anteile erhalten.

Schiesser schreibt seit einiger Zeit wieder schwarze Zahlen. Im Februar 2009 hat das Unternehmen Insolvenz angemeldet, als durch die ruinöse Lizenzfertigung für andere Marken mehr als 80 Millionen Euro Schulden angehäuft wurden. Heute arbeiten weltweit noch 1900 der 2300 in der Gruppe.

Bekannt wurde der Designer mit Haute Couture und Kunst. Er studierte zwar Werbepsychologie und Kunst an der TH Braunschweig, verlässt die Hochschule aber ohne Abschluss. Anfang der 1970er Jahre war Joop mit seiner damaligen Frau Karin, mit der er zwei Töchter hat, nach dem Gewinn eines Wettbewerbs einer Zeitschrift in die Modewelt gestartet. Die Magie der Massenartikel spürt er erstmals 1987, als er sein erstes Parfüm auf den Markt bringt.

Verantwortlich für die Vermarktung war das Wiesbadener Unternehmen Lancaster. Lancaster-Chef Herbert Frommen hatte letztlich die Idee eines Luxuskonzerns um die Marke Joop. 1997 wird die Joop GmbH gegründet und das Geschäft brummt: 1993 liegt der Umsatz bei 18,2 Millionen DM (9,3 Mio. Euro). Beigetragen haben zum Erfolg 14 Lizenzunternehmen – darunter Uhrenproduzent Junghans. Wo Licht ist, sind auch Neider. Als Störaktion von Konkurrenten bezeichnet er 1990 eine erfolglose Hausdurchsuchung wegen Kokain. 1996 sorgt er für Schlagzeilen um seine Person mit dem Bekenntnis er sei bisexuell. 1998 übernimmt die Wünsche AG 95 Prozent der Joop GmbH, drei Jahre später den Rest.

Mit dem Label Joop bildet er mit Jil Sander und Karl Lagerfeld viele Jahren den deutschen Dreiklang im internationalen Modezirkus. 2001 – bevor er alle Anteile verkauft – entwirft er Porzellan, schreibt Kinderbücher, steckt Teile seines Vermögens in die Restaurierung zweier Potsdamer Villen.

Neustart Wunderkind

Nur zwei Jahre später gründet er mit seinem Lebens- und Geschäftspartner Edwin Lemberg die Wunderkind GmbH & Co. KG, sein jüngstes Glamour-Label. Er will der Welt noch einmal zeigen, wo sein Herzblut stecke, sagt er.

Obwohl er 2007 zunächst 50 Prozent an Wunderkind und im Juni weitere 15 Prozent an das Ehepaar Gisa und Hans-Joachim Sander verkaufte, werden seine Kollektionen mit viel Erfolg in New York und Paris gezeigt. Ob Wunderkind wirklich Geld verdient, wird in der Branche bezweifelt. Mit dem Verkauf der Mehrheit gibt Joop die Wunderkind-Geschäftsführung ab. Mit seinem Schiesser-Job habe er genug zu tun. Wolfgang Joop sei schließlich Künstler – kein Rechner.

Von Martina Wewetzer

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