Bafin friert Geschäft der Noa-Bank ein – 172 Millionen Euro Kundengeld hängen fest

Jozic: „Ich bin gescheitert“

Anders als bei anderen Banken legten die Kunden der Noa-Bank das Kundengeld nicht in Wertpapieren oder Krediten an, sondern steckten es direkt über Kredite in einzelne Projekte, die in die Rubriken Region bis Kultur gegliedert waren. Quelle: Noa-Bank

Frankfurt. Noa-Gründer François Jozic (37) sieht sich als Opfer des Systems. Wegen drohender Überschuldung hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) am 18. August bei der von ihm gegründeten alternativen Noa-Bank die Reißleine gezogen und ein Moratorium von sechs Wochen verhängt. „Mit diesen Voraussetzungen habe ich mich entschlossen, die Bafin die Bank schließen zu lassen. Ich höre auf zu kämpfen“ – steht in einem Eintrag im Gründertagebuch auf der Seite der Noa-Bank.

Moratorium bedeutet nicht Insolvenz, aber dieser Schritt bedeutet: Keine Veräußerungen, keine Zahlungen mehr. Für den Kundenverkehr ist die Noa Bank GmbH & Co. KG geschlossen. Zudem ist der Gesellschaft untersagt, Zahlungen entgegenzunehmen, die nicht zur Tilgung der Institutsschulden bestimmt sind. Die Kunden der Noa-Bank brauchen nun Geduld. Laut Bafin liegen bei der Bank 172 Millionen Euro Kundengelder.

Innerhalb der Moratoriumsfrist entscheidet sich, was damit geschieht. Drei Varianten sind denkbar: Droht keine Insolvenz kann der normale Geschäftsverkehr der Bank wieder aufgenommen werden. Variante zwei: Im Rahmen einer geordneten Abwicklung erhalten die Kunden ihr Geld zurück. Variante drei: Die Bafin stellt den Entschädigungsfall fest und die Kunden kommen auf diesem Weg ans Geld.

Kundengewissen befriedigt

Angeordnet wurde das Moratorium über die zehn Monate alte Bank, um die verbliebenen Vermögenswerte zu sichern. Dem Geldinstitut drohten nach dem Insolvenzantrag der zum Konzern gehörigen Noa Factoring AG die Überschuldung. Für den Belgier Jozic, Vater zweier Kinder, stehen die Schuldigen fest: „Das gesamte Finanzsystem ist selbstorganisiert, um unbeweglich zu sein. Ich habe versucht, es zu ändern, aber ich bin gescheitert“, schreibt er.

Jozic wollte Transparenz bieten. Die Kunden sollten entscheiden, was mit ihrem Spargeld passiert – ob Mittelstandskredite, Umwelt- oder Kunstprojekte. Jozic hatte Erfolg: Noa befriedigte nicht nur das Kundengewissen, sondern zahlte für die 300 Mio. Euro Kundengeld (Stand: Juni) Zinsen über Marktniveau. Schleppend lief das Kreditgeschäft, Volumen: 60 Mio. Euro. Nur damit verdienen Banken Geld.

Banken-Professor Martin Faust von der „Frankfurt School of Finance and Management“ sprach im „Spiegel“ von „großer Naivität“. Er habe den Eindruck, dass das Management „keinen Einblick hat, wie eine Bank zu führen ist“.

Von Martina Wewetzer

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