Juncker: Keine Rückkehr Griechenlands 2012 an die Finanzmärkte

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Jean-Claude Juncker denkt, dass Griechenland sich nicht so schnell von der Krise erholen kann

München - Der Chef der Euro-Gruppe und luxemburgische Premierminister, Jean-Claude Juncker, rechnet nicht damit, dass Griechenland sich nächstes Jahr wieder eigenständig mit Geld versorgen kann:

„Für mich ist klar, dass Griechenland 2012 nicht zurück an die Finanzmärkte kehren kann“, sagte der Chef der Euro-Gruppe dem Münchner Merkur. Juncker stellte zudem Bedingungen für weitere Hilfen für Griechenland: „Griechenland muss die Haushaltsziele für 2011 erreichen, davon ist es im Moment ein Stück weit entfernt – trotz größter, bewundernswerter Anstrengungen. Griechenland wird in Sachen Privatisierung auf jeden Fall zulegen müssen, damit die dritte Tranche der 110 Milliarden Euro oder weitere Hilfen ausgezahlt werden können.“

Der Euro-Gruppen-Chef verteidigte das überraschende Treffen einiger Euro-Finanzminister vor einer Woche. „Es gab kein Geheimtreffen zur Euro-Rettung, weil der Euro nicht in Gefahr ist“, sagte er dem Münchner Merkur. Auf die Frage, warum das Treffen nicht angekündigt wurde, antwortete Juncker: „Weil es alle möglichen Wahnvorstellungen an den Finanzmärkten auslöst, wenn sich vier Finanzminister, ein Euro-Gruppen-Chef und der EZB-Präsident freitags um 17 Uhr treffen. Als das Treffen dann doch bekannt wurde, musste ich es dementieren lassen. Nicht weil ich Spaß an der ehrlichen Lüge hatte, sondern, weil die Börse in New York noch offen war.“

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Juncker forderte im Münchner Merkur zudem mehr Zurückhaltung bei der Kritik an den Krisen-Staaten: „Wir sollten nicht so lehrmeisterhaft den anderen gegenüber auftreten. Und wir sollten aufhören, die Staaten in der Südperipherie als nicht zuverlässige, uns dauernd belügende Staaten zu beschreiben. Eine dauernde Beleidigung der Griechen hilft nicht, das Griechenland-Problem zu lösen.“

Auch eine stärkere Beteiligung der Banken an der Bewältigung der Schuldenkrise lehnt Juncker ab: „IWF und EZB sind entschieden dagegen, dass es eine Beteiligung der Banken geben soll. Schon die Nachricht, dass einige darüber nachdenken, hat zu einem Ansteigen der Zinsen geführt. Eine Beteiligung privater Investoren hätte gravierende Auswirkungen auf das griechische und auf andere Bankensysteme.“

Philipp Vetter

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