Zum Jahreswechsel

Juncker hört als Eurogruppenchef auf

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Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker will zum Jahreswechsel sein Amt niederlegen. Das gab der Luxemburgische Regierungschef überraschend am Montagabend in Brüssel bekannt.

Brüssel - Seit 2005 leitet Luxemburgs Regierungschef Jean-Claude Juncker die Eurogruppe - doch jetzt hat „Mister Euro“ die Nase voll: Zum Jahreswechsel werde er aufhören.

Das sagte der 57-Jährige am späten Montagabend nach einem Treffen der Euro-Finanzminister in Brüssel. Er habe die Runde gebeten, einen Nachfolger zu suchen. Zum Ende des Jahres oder zum Januar.

Damit wird eine Ära für die Eurozone zu Ende gehen - und ein neues Gesicht übernehmen: Wird Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ein Dreivierteljahr vor der Bundestagswahl seinen Hut wieder in den Ring werfen, wie im Frühjahr? Oder kommt sein französischer Amtskollege Pierre Moscovici zum Zug, der erst seit Juni im Amt ist? Fragen, die in den kommenden Tagen in den Hauptstädten geklärt werden müssen.

Eigentlich wollte Juncker im Sommer gar keine vierte Amtszeit mehr antreten. Zermürbt von den nervenraubenden Nachtsitzungen, dem Druck der Finanzmärkte, dem Streit zwischen den Euroländern hatte er schon zum Jahresbeginn seine Amtsmüdigkeit kundgetan. Damals begann schon eine Zeit der intensiven Nachfolgersuche. Doch die ist schwierig - weil Juncker die besten Voraussetzungen für den Job mitgebracht hatte: Er konnte als Regierungschef eines eher neutralen Landes zwischen Südländern und Nordfraktion vermitteln, er spricht perfekt Englisch, Deutsch und Französisch, und er weiß als dienstältester Regierungschef um alle Finten und Kniffe im Brüsseler Politikzirkus.

Ob er Schäuble noch wie im Sommer für einen guten Kandidaten für die Eurogruppenführung halte, wurde Juncker am Montagabend gefragt. „Ich muss überhaupt niemanden empfehlen“, sagte er schmallippig. Er habe schlicht die Minister gebeten, einen Nachfolger für ihn auszuwählen.

Doch das ist leichter gesagt als getan: Nach seiner Wahl hatte der neue französische Präsident François Hollande im Mai und Juni den deutschen Finanzminister ausgebremst. Er sähe gerne seinen Finanzchef Pierre Moscovici auf dem einflussreichen Posten. Der war im Sommer noch zu frisch im Amt - inzwischen hat er sich warmgelaufen. Weder aus dem deutschen noch aus dem französischen Finanzministerium war am Montag noch eine Stellungnahme zu bekommen.

„Entschieden wird eh nicht in den Ministerien, das machen die Chefs“, sagte ein hoher Diplomat. Soll heißen: Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Élysée-Chef Hollande müssen sich einigen. Damit hat das ohnehin um einen gemeinsamen Takt ringende Tandem eine knifflige Herausforderung mehr.

dapd

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