Rotenburger Unternehmen HVM Medical meldet Patent für Kopf-Kühlungshaube an

Kälte kann Gehirn schützen

Mit der Kopfkühlung Sovika will der Medizintechniker HVM Medical aus Rotenburg in den Markt für Erstversorgung vorstoßen. Fotos: HVM/nh

Rotenburg. Umgeben von Tüten mit tiefgefrorenen Pommes Frites wird im Sommer in Bonn ein Herzinfarktpatient ins Krankenhaus eingeliefert. Ein Notarzt hatte die kalten Beutel im Supermarkt organisiert, um die Körpertemperatur zu senken.

„Mit Sovika sind Pommes-Tüten überflüssig“, gibt sich HVM Medical-Geschäftsführer Ralf Bämpfer (49) aus Rotenburg/Fulda selbstbewusst. Mit Ideengeberin Ingrid Barbknecht, einer Krankenschwester, hat er die Kopfkühlung auf den Weg gebracht und zum Patent angemeldet.

Rund eine Million Euro hat Bämpfer in die Haube investiert – von der Fertigung, über alle bürokratischen Notwendigkeiten bis zu Test-Kappen in Rettungsfahrzeugen. Unterstützt wird er dabei finanziell vom Bundeswirtschaftsministerium und dem Land Hessen. Die medizinischen Tests für die Zulassung laufen an der Universität Erlangen.

Bämpfer ist von seinem Produkt überzeugt. Ob Herzinfarkt, Schlaganfall, Ischämie (Minderdurchblutung) oder Operation mit Herz-Lungen-Maschinen – Mediziner nutzen Kälte. Wird der Körper auf Sparflamme gesetzt, schützt dies vor Sauerstoffmangel im Gehirn (Hintergrund). Sovika, die gefaltet in einen Kühlschrank passt, ist laut Bämpfer einzigartig. Denn durch eine Kammerstruktur passt sich die vier-Kilo-Haube jedem Kopf an. Preis: um 100 Euro.

Mit der Haube wird nach Angaben von Bämpfer auch der Hals mit den zum Gehirn führenden Blutgefäßen mitgekühlt. „Durch die Kühlung sinkt die Körpertemperatur – nach 25 Minuten um 0,5 Grad“, sagt Bämpfer.

Als Raumausstatter gestartet

Bislang sind im Klinikbetrieb Ganzkörper-Anzüge und Kühlmatten im Einsatz. Während das Herunterkühlen dort reibungslos läuft, klemmt es meist auf dem Weg ins Krankenhaus. An dieser Stelle setzt HVM Medical an. Bislang verdient Bämpfer, der als Raumausstatter ins Berufsleben startete, zum Bürokaufmann im Herz-Kreislaufzentrum Rotenburg umschulte und sich ehrenamtlich im Rettungsdienst engagierte, mit dem Vertrieb von medizintechnischen Produkten sein Geld.

Der Umsatz schwankt um 1,3 Millionen Euro. HVM beschäftigt 22 Mitarbeiter, zum Teil in Teilzeit. 1989 wurde die HVM Filtramed GmbH, dem Vorläufer der HVM Medical GmbH, von Holger Vollbrecht als Vertriebsgesellschaft gegründet. Der Schwerpunkt lag bei Filtern für die Anästhesie und die Intensivmedizin. Später kamen Produkte für Urologie, Pädiatrie, Onkologie und Radiologie dazu. Bis heute sind sie das Kerngeschäft.

2003 wird der Grundstein für eine Produktion von Transfusions- und Filtersystemen gelegt. Sovika ist das jüngste Produkt. Wenn es floppt? Bämpfer schmunzelt: „Unter dem Namen Juruba werden die Thermo Pads bereits bei Pferden eingesetzt.“ Gekühlt überstehen sie Transporte im Sommer besser, sagt Bämpfer.

Von Martina Wewetzer

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.