Kaffeeröster müssen erneut Millionenbuße zahlen

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Verbotene Preisabsprachen kommen die Kaffeeröster Tchibo, Melitta und Co. noch einmal teuer zu stehen.

Bonn - Verbotene Preisabsprachen kommen die Kaffeeröster Tchibo, Melitta und Co. noch einmal teuer zu stehen. Das Bundeskartellamt straft die Unternehmen bereits zum zweiten Mal innerhalb von sechs Monaten ab.

Verbotene Preisabsprachen für Kaffee kommen Tchibo, J.J. Darboven, Melitta und Co. teuer zu stehen. Das Bundeskartellamt verhängte am Mittwoch gegen acht namhafte Kaffeeröster, den Deutschen Kaffeeverband (DKV) und zehn verantwortliche Mitarbeiter der Unternehmen Bußgelder von insgesamt rund 30 Millionen Euro.

Die Kaffeeröster sollen mehr als zehn Jahre lang Preiserhöhungen bei Großverbrauchern wie Gaststätten oder Automatenaufstellern miteinander abgesprochen haben, wie die Wettbewerbshüter berichteten. Unter den betroffenen Unternehmen findet sich die Crème de la crème der deutschen Kaffeeanbieter: Neben Tchibo, Darboven und Melitta standen auch Kraft Foods, Seeberger und Westhoff sowie die Espresso-Spezialisten Lavazza und Segafredo Zanetti im Visier der Kartellwächter.

Bei diesen Lebensmitteln wird geschummelt

Pesto Basilico (Buitoni) ohne 100 Prozent Pesto (Pesto alla genovese). Stattdessen Olivenölanteil laut Zutatenliste unter zwei Prozent, minderwertiges Cashewkernpulver statt Pinienkernen (unter zwei Prozent) und kostengünstiger Hartkäse ersetzt zu Dreiviertel den Wert gebenden Pecorino. © Verbraucherzentrale Hamburg
Hähnchenschnitten Wiener Art (Vossko-Tiefkühlkost) - es fehlt Hähnchenschnitzel aus einem Stück gewachsenem Fleisch. Stattdessen: Verschnitt von kleinen Stücken aus Hähnchen- und Putenfleisch. © Verbraucherzentrale Hamburg
Mucci Vanilleeis (Aldi Nord) ohne echte Vanille und 100 Prozent Milchfett. Stattdessen: überwiegend synthetisches Vanillin und Kokosfett. © Verbraucherzentrale Hamburg
Bio-Vollkorn-Toastbrötchen (Proback); ohne Vollkorntoast-Brötchen mit Vollkornmehl hergestellt. Statt 90 Prozent Vollkornmehl im Mehlanteil wie in den Leitsätzen für Brot gefordert, sind im Produkt nur 60 Prozent enthalten; gestreckt wird mit Weizenmehl, gefärbt mit Gerstenmalzsirup. © Verbraucherzentrale Hamburg
Surimi-Garnele ohne echte Garnele. Stattdessen: Krebsfleischimitat aus Fischmuskeleiweiß geformt. © Verbraucherzentrale Hamburg
Fol Epi Nuss, Fromageries Rambol (mit Bild von Käse auf der Packung). Die sogenannte Schmelzkäsezubereitung besteht nur zu 65 Prozent aus Käse, ist zusätzlich mit Zusatzstoffen wie Schmelzsalzen (E452, E339: Phosphate) und Aromen versetzt. Bei Käse ist dies nicht erlaubt. © Verbraucherzentrale Hamburg
Du darfst Putensalat mit Joghurtdressing (Unilever) ohne Putenfleisch. Enthalten sind zusammengefügte Fleischreste: Das Fleisch im Produkt besteht nur zum Teil aus gewachsenem Putenfleisch, dazu kommt Form-Putenfleisch und das noch billigere Form-Hähnchenfleisch. © Verbraucherzentrale Hamburg
Combi Weiß in Salzlake 50 Prozent Fett (EfeFirat Feinkost) mit Bild eines Schafskäses auf der Packung. Tatsächlich enthalten sind billiges Pflanzenfett statt Milchfett und Magermilch aus Kuhmilch statt Schafsmilch. © Verbraucherzentrale Hamburg
Mini Keks Bolde „Schoko“ (Biscuits Delacre) - es fehlt Schkoladenfüllung im Keks. Stattdessen: Kakaocremefüllung mit billigem Schokoladenimitat, das u.a. aus fettarmem Kakaopulver (3,7%), Zucker und gehärtetem Pflanzenfett hergestellt wird. © Verbraucherzentrale Hamburg
Wasabi-Erdnüsse (Lorenz) - es fehlt Wasabi (japanischer Meerrettich). Geschmack: Spirulina-Konzentrat, Aroma, Geschmacksverstärker und Farbstoff, Algenkonzentrat. © Verbraucherzentrale Hamburg
Meeresfrüchte Cocktail mit Krebsfleischimitat (Kaufhof) ohne 100 Prozent Meeresfrüchte wie Muscheln, Garnelen, Tintenfische etc. Produkt ist mit billigem Surimi (Krebsfleischimitat aus Fischmuskeleiweiß) gestreckt. © Verbraucherzentrale Hamburg

Der Präsident des Bundeskartellamtes Andreas Mundt begründete die hohe Strafe mit dem Hinweis: “Absprachen über Preiserhöhungen bei Konsumgütern wie Kaffee spürt der Verbraucher ganz unmittelbar in seinem Portemonnaie.“ Es ist das zweite Mal innerhalb von nur sechs Monaten, dass die Wettbewerbshüter drastische Strafen gegen deutsche Kaffeeröster verhängen. Bereits im Dezember vergangenen Jahres hatte das Bundeskartellamt gegen Tchibo, Melitta und Dallmayr sowie sechs Mitarbeiter wegen wettbewerbswidriger Preisabsprachen Geldbußen von zusammen 159,5 Millionen Euro verhängt.

Damals ging es nicht um die Lieferungen an Großkunden, sondern um Preiserhöhungen bei Filterkaffee, Espresso und Kaffeepads für “Otto Normalverbraucher“. Angestoßen hatte das neue Verfahren der Münchner Kaffeeröster Alois Dallmayr, der die Behörde über die Preisabsprachen informierte und deshalb keine Geldbuße zahlen muss. Auch Melitta und Darboven wurde für ihre Kooperation bei der Aufklärung der Vorwürfe eine Reduktion der Geldbußen gewährt.

Weiteres Verfahren gegen Cappuccino-Hersteller

Nach den Erkenntnissen des Bundeskartellamtes existierte seit mindestens 1997 bis Mitte 2008 ein Arbeitskreis beim DKV, bestehend aus den Geschäftsführern und Vertriebsleitern der Kaffeeröster, in dem Preiserhöhungen und zum Teil Preissenkungen für Röstkaffee-Lieferungen an die Gastronomie, Automatenaufsteller und andere Großverbraucher koordiniert wurden. Dort seien unter anderem Anfang 2005 und Anfang 2008 Preiserhöhungen abgesprochen worden.

Die Geldbußen sind zwar noch nicht rechtskräftig. Doch haben sechs der acht Unternehmen sowie deren Mitarbeiter sich laut Bundeskartellamt zu einer einvernehmlichen Verfahrensbeendigung bereiterklärt. Neben den zwei nun abgeschlossenen Verfahren gegen Kaffeeröster in den Bereichen des Lebensmitteleinzelhandels und des sogenannte Außer-Haus-Vertriebs führt das Bundeskartellamt noch ein Verfahren gegen Hersteller von Cappuccino wegen des Verdachts von Preisabsprachen. Dieses Verfahren werde voraussichtlich Mitte dieses Jahres abgeschlossen, erklärte die Behörde.

Außerdem ermitteln Deutschlands oberste Wettbewerbshüter gegen führende deutsche Handelskonzerne wie Metro, Edeka, Rewe und Rossmann und mehrere Markenartikler wie den Schokoriegel-Hersteller Mars wegen des Verdachts verbotener Preisabsprachen bei Süßwaren, Kaffee und Tiernahrung. Die Kartellwächter gehen dabei dem Verdacht nach, dass es bei den sogenannten “Jahresgesprächen“, in denen Hersteller und Handel über Einkaufskonditionen und Rabatte feilschen, unzulässige Absprachen über Preisuntergrenzen für bestimmte Markenprodukte gegeben hat - zulasten der Verbraucher.

DAPD

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