Der Smartphone-Pionier kämpft mit Verlusten – Großaktionär macht Kaufangebot

Kahlschlag bei Blackberry

Vom Hoffnungsträger zum Ladenhüter: Der neue Blackberry Z 10 verkaufte sich bisher so schlecht, dass Blackberry-Chef Thorsten Heins (kleines Foto) fast eine Milliarde Dollar abschreiben muss. Fotos: dpa

Waterloo. „Jetzt fängt der Spaß an“, hatte der deutsche Blackberry-Chef Thorsten Heins im Februar zum Start des neuen Betriebssystems verkündet, das die Zukunft des kanadischen Smartphone-Pioniers sichern sollte.

Stattdessen häufen sich Verluste und Probleme, und 4500 Stellen werden gestrichen. Jetzt kommt neue Hoffnung auf. Kaufangebot: Im August stellte sich Blackberry selbst zum Verkauf. Nun bietet der kanadische Großaktionär Fairfax Financial, der zehn Prozent an Blackberry hält, neun Dollar je Aktie. Das Angebot ist damit 4,7 Milliarden Dollar (3,5 Mrd. Euro) schwer. Doch vor einer Entscheidung will Fairfax die Bücher von Blackberry studieren. Zunächst unterschrieben beide Seiten nur eine Absichtserklärung.

Ladenhüter: Anfang des Jahres hatte Heins noch mit dem Blackberry 10 versprochen: „In zehn Jahren werden wir zurückblicken und sagen: Dieses kleine Gerät, das war einmal mein Smartphone und ist jetzt mein persönlicher Computer.“ Doch im vergangenen Quartal setzte das Unternehmen nur 3,7 Millionen Smartphones ab, ein Großteil davon sind Geräte mit dem alten Betriebssystem Blackberry 7. Neuere Geräte gingen zwar auch an den Handel, können aber erst mitgezählt werden, wenn sie dort verkauft werden, erklärte Blackberry. Anders gesagt: Die Lager sind voll mit unverkauften Blackberry-10-Geräten. Verluste: Weil die Geräte mit dem neuen System Blackberry 10 Ladenhüter sind, muss das Unternehmen fast eine Mrd. Dollar abschreiben. Für das zweite Quartal des laufenden Geschäftsjahres erwartet das Unternehmen einen operativen Verlust von 950 bis 995 Mio. Dollar, umgerechnet 703 bis 736 Mio. Euro. Start vermasselt: Zwei Tage nach den schlechten Vorab-Zahlen folgte die nächste Panne. Blackberry wollte seinen Messaging-Dienst BBM über neue Apps auch für Apples iPhones und Geräte mit dem Google-Betriebssystem Android verfügbar machen. Doch kurz davor gelangte eine vorläufige Version der Android-App ins Internet und wurde über eine Million Mal heruntergeladen, wie Blackberry erklärte. Die unfertige App habe Probleme bei den Servern ausgelöst. Die Veröffentlichung der Anwendungen sei deshalb erst einmal gestoppt worden. Kahlschlag: Schon 2012 hatte Blackberry 5000 Mitarbeiter auf die Straße gesetzt, jetzt sollen weitere 4500 gehen. Damit ist die Belegschaft in weniger als zwei Jahren auf von über 17 000 auf 7000 Leute geschrumpft. Der Spielraum für das Sparen bei den Jobs dürfte damit erschöpft sein. Schon jetzt stoppt Blackberry den Ausbau der Modellpalette: Es wird bei vier Geräten bleiben, geplant waren sechs. Jet trotz Krise: Trotz Verlusten kaufte Blackberry im Juli einen weiteren Firmenjet. Die Bombardier Global Express von 2006 kostet auf dem Markt 25 bis 29 Mio. Dollar, schreibt das Wall Street Journal. Die Bombardier sollte laut Unternehmen zwei kleinere Firmenjets ersetzen. Jetzt sollen alle Maschinen verkauft werden. (dpa/wll)

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.