Nordhessen Champions

Regionalmanagement Nordhessen GmbH: „Meine Aufgabe ist es, zu begeistern.“

Der neue Regionalmanager Kai Georg Bachmann im Porträt.
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Er macht die Region fit für die Zukunft: Nordhessens neuer Regionalmanager Kai Georg Bachmann.

Seit dem 1. August 2021 ist Kai Georg Bachmann Geschäftsführer des Regionalmanagements Nordhessen. Wir sprachen mit ihm über seine Wurzeln und seine Ziele. 

Herr Bachmann, welche Verbindung haben Sie zu Nordhessen?
Ich bin ein Kind aus der Region. Als Berufsoffizier habe ich ganz Deutschland kennengelernt und an vielen verschiedenen Orten – von Hamburg bis nach Bayern – gelebt. Als die Kinder kamen haben sich meine Frau und ich ganz bewusst für Nordhessen entschieden. Da meine Frau aus Trendelburg stammt, haben wir dort ein Haus gekauft. In den vergangen drei Jahren habe ich für den Zweckverband Raum Kassel das Thema Entwicklungsplanung für die Region Kassel vorangetrieben.

Worum ging es dabei?
Bei der Entwicklungsplanung geht es um themenübergreifende Fragestellungen für die Region, zum Beispiel, wo Wohn- und Gewerbegebiete entstehen sollen. Auch die Themen Klimawandel und Energiewende wurden für die Region bearbeitet. Daneben waren die Förderungen des regionalen Einzelhandels und der Wirtschaft wichtige Themen. All diese Aspekte wurden in den Planungsthemen mit dem Ziel verankert, dass all das, was wir heute planen, möglichst schon den Anforderungen des Jahres 2050 gerecht wird.

Das war sicher eine gute Basis für Ihre neue Position als Regionalmanager?
Ja sicher. Beim Zweckverband habe ich bereits viele regionale Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik kennengelernt und erfahren, was für sie wichtig ist und welche Themen sie umtreiben. In Gesprächen mit Landräten etwa, wurde schnell klar, dass vieles von dem, was der ZRK für die nordhessische Kernregion Kassel entwickelt, auch für ganz Nordhessen interessant und wichtig ist.

Wo sehen Sie die besonderen Vorzüge unserer Region?
Wir in Nordhessen neigen bei der Beschreibung unserer Heimat zum übertriebenen Understatement. Unser Weg vom Zonenrandgebiet zur Mitte Europas hat sich binnen weniger Jahrzehnte rasant vollzogen. Unsere Leistungen in diesem Prozess der Wandlung erkennen wir selbst oft nicht an. Diese Zurückhaltung ist aus meiner Sicht ein sehr sympathischer Zug der Nordhessen. Aber ein bisschen mehr Trommeln sollte schon zum Handwerk gehören. Gerade durch meine Kenntnis anderer Regionen in Deutschland, weiß ich die Vorzüge Nordhessens sehr zu schätzen. Wir sind ein attraktiver Arbeits-, Universitäts-, Industrie- und Dienstleistungsstandort in einer wirklich lebenswerten Region. Wir haben kurze Wege ins Grüne, sind selbst aus der Innenstadt innerhalb weniger Minuten in der Natur. Wohnen, Kultur und Freizeit kann man sich in Nordhessen auch als Normalverdiener leisten. Das alles macht die Region nicht nur liebenswert, sondern auch sehr lebenswert.

Wo sehen Sie Entwicklungspotential?
In den nächsten Jahren haben wir die große Chance, den ländlichen Raum zu entwickeln. Dort schlummert ein enormes Potential. Das zeichnet uns im Vergleich mit anderen Regionen aus. In den Ballungsräumen wie etwa dem Ruhrgebiet oder der Rhein-Main-Region müssen Sie schon sehr weit raus aus dem Zentrum, wenn Sie neue und bezahlbare Wohn- oder Gewerbegebiet entwickeln wollen. Wir haben hier wenige Kilometer entfernt vom Oberzentrum Kassel genug Möglichkeiten, die durch öffentliche Verkehrsmittel und dem kommunalen Engagement bereits über eine gute Infrastruktur verfügen. Das ist ein gutes Gerüst, das wir jetzt weiter ausbauen sollten.

Daneben haben wir gute Mittelzentren mit attraktiven Städten und wertvollen Unternehmen. Wenn wir uns die nordhessische Landkarte anschauen, erkennt man, dass sich noch viel entwickeln lässt. Dabei kann man auf vorhandener Infrastruktur aufsetzen. So werden auch der zweite, dritte und vierte Ring rund um Kassel noch attraktiver für Menschen und Unternehmen.

Welchen Clustern werden Sie besondere Aufmerksamkeit widmen?
In den vergangenen 20 Jahren haben das Regionalmanagement und weitere Akteure in der Region den Standort Nordhessen bekannt gemacht und seine Attraktivität für Unternehmen hervorgehoben. Jetzt stellt sich die Frage, was wir dafür tun müssen, dass sich die Region weiterentwickeln kann. Wir müssen das Erreichte vernetzen und clusterübergreifend zusammenführen um Synergieeffekte themenübergreifend zu nutzen. Wie schaffen wir es zum Beispiel, Gewerbegebiete mit einem vernünftigen Qualitätsstandard zu entwickeln? Dabei spielen auch die Themen Nachhaltigkeit, erneuerbare Energien und Umweltschutz eine wichtige Rolle. Solche Konzepte haben wir im Zweckverband für die Region Kassel bereits erstellt und umgesetzt. Hier bringe ich zahlreiche Erfahrungen mit, die ich gern für ganz Nordhessen einbringen möchte. Dabei gilt es, alle nordhessischen Landkreise von den Vorteilen einer abgestimmten Entwicklungsstrategie für Nordhessen zu überzeugen. Denn wenn wir als Region stark sind, und gemeinsam arbeiten, wird es uns auch gelingen, verbindliche Standards zu etablieren, die unsere Region zukunftsfähig machen. Im Regionalmanagement laufen viele Fäden zusammen – wir moderieren den Prozess und treiben ihn voran. Zusammen mit den Kommunen, der IHK, der Handwerkskammer, den Wirtschaftsförderern und Genehmigungsbehörden können wir Best Practice-Lösungen etablieren, die jeder für sich nutzen kann und allen Beteiligten Nutzen bringen.

Sehen Sie sich dabei als Impuls- und Ratgeber?
Genau - und als Katalysator. Das Regionalmanagement kann Informationen und Erfahrungen aufnehmen und sie weitergeben. Wenn zum Beispiel im Kreis Waldeck-Frankenberg etwas gut läuft, schaue ich, wie wir das auch für den Schwalm-Eder-Kreis oder den Werra-Meißner-Kreis umsetzen können. Hierbei müssen viele Gespräche geführt werden, um individuelle Bedürfnisse zu erkennen und möglichst vielen Kommunen zu ermöglichen, von dieser gemeinsamen Strategie zu profitieren.

Also geht es um Wissens- und Erfahrungstransfer?
Ja, das ist sicher eine der Stärken, die das Regionalmanagement noch mehr entfalten kann. Daneben gilt es aber auch, die eigenen Projekte des Regionalmanagements besser zu vernetzen. Ich möchte in den nächsten Monaten den Blick auf die Entwicklung unserer Gesamtstrategie lenken. Künftig sollen sich alle Projekte des Regionalmanagements aus dieser clusterübergreifenden Gesamtstrategie ableiten lassen.

Warum ist das so wichtig?
In erster Linie geht es um die Nachvollziehbarkeit unserer Arbeit. Unsere Gesellschafter wollen verstehen, was wir machen und welche Ziele wir verfolgen. In diesen Strategieprozess – wie kann man den Ansatz Regionalmanagement weiterdenken – gibt es einen deutlichen Handlungsbedarf. Allen Beteiligten ist es sehr wichtig, einen roten Faden zu entwickeln und meine Aufgabe in den nächsten Monaten wird es sein, eine Diskussionsbasis dieser Gesamtstrategie für die Gesellschafter zu entwickeln. Ich habe ein hochmotiviertes und kompetentes Team und übernehme ein Regionalmanagement, was in den ersten zwanzig Jahren hervorragende Arbeit geleistet und wichtige Strukturen entwickelt hat. Jetzt bauen wir das Dach über die Clusterstruktur und schauen, ob wir noch weitere Cluster benötigen.

Welche könnten das sein?
Wir werden uns um eine Wasserstoff-Strategie für die Region Nordhessen kümmern müssen und auch das Thema Biotechnologie könnte von Interesse sein. Aber jeder Cluster funktioniert nicht losgelöst von allen anderen. Wenn wir zum Beispiel Wasserstoff haben möchten, sollte er möglichst grün sein. Dabei spielen dann auch die Erneuerbaren Energien eine wichtige Rolle. Müssen wir etwa unsere Windparks um- oder aufrüsten und was benötigen die Unternehmen, um auf diesen Zug aufzuspringen? Und wie können wir das alles mit unseren bereits vorhandenen alternativen Energien – etwa Windkraft und Photovoltaik – verbinden? Diese Fragen lassen sich nur clusterübergreifend bewerten und beantworten.

Wie werden Sie diese Mammutaufgabe angehen?
Meine Aufgabe ist es, zu begeistern. Ich will die regionalen Akteure überzeugen und vernetzen, um gemeinsam in eine Richtung zu gehen und mit einer Strategie wichtige Zukunftsthemen angehen. Ich habe den Eindruck, dass hier schon sehr viel in Bewegung ist. Und da mich viele schon kennen, starte ich nicht bei null. Jetzt geht es darum, die zahlreichen Stärken, die in Nordhessen vorhanden sind, zu bündeln und in die Zukunft zu führen. Darauf freue ich mich – denn Nordhessen hat noch viel Potential. (Interview: Jutta Wachsmuth)

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