Hochtief-Chef Herbert Lütkestratkötter errichtet Barriere gegen ACS

Dr. Lüs Kampf

Foto: dpa

Essen. Ideen hat er beim Laufen, Herbert Lütkestratkötter, Vorstandschef des Baukonzerns Hochtief, trabt gern frühmorgens los, mit Stirnlampe und Diktiergerät, so weiß es die „Frankfurter Allgemeine“. Im Moment hält den 60-jährigen „Dr. Lü“, wie er im Konzern genannt wird, der spanische Großaktionär ACS auf Trab: Die Gruppe Actividades de Construcción y Servicios, schon mit 30 Prozent an Hochtief beteiligt, will sich mit einer feindlichen Übernahme die Mehrheit an den Essenern sichern.

Nun hat der agile Lütkestratkötter, der einen Marathonlauf in etwas mehr als dreieinhalb Stunden schafft, einen Weggefährten mit finanziell langem Atem: Das reiche Emirat Katar steigt mit 9,1 Prozent bei Hochtief ein. Der Baukonzern gibt dafür neue Aktien aus und versagt den alten Anteilseignern das Bezugsrecht. Der Coup spült Hochtief 400 Millionen Euro in die Kassen und verwässert den ACS-Anteil auf etwa 27 Prozent. Dr. Lü drückt aufs Tempo: Noch in diesem Jahr soll die Kapitalerhöhung über die Bühne sein.

Lukrative Geschäfte

Natürlich will Lütkestratkötter das Katar-Geschäft nicht als Giftpille für die Spanier verstanden wissen. Vielmehr nutze der Konzern eine strategische Chance, erklärt er. Das Geld soll in die Expansion in Indien und Kanada und in den Ausbau der Windkraftsparte gesteckt werden.

Außerdem öffnet der künftig zweitgrößte Hochtief-Aktionär Katar weitere Türen zu lukrativen Projekten. Der kleine Golfstaat schwimmt im Geld. Die Ausrichtung der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 wird mit einem gewaltigen Bauboom einhergehen.

Lütkestratkötter hat Jahrzehnte in der Baubranche verbracht und er hat dabei die Welt gesehen. Der Maschinenbauer, der im Fach Wasserbauwesen promovierte, verdiente sich die Sporen beim Ingenieurbüro Lahmeyer International. Die Tochter des Energieriesen RWE plante und beriet beim Bau von Straßen, Bahnstrecken, Dämmen und schwierigen Gebäuden in aller Welt. Ob Honduras, Indonesien, Abu Dhabi: Dr. Lü reiste.

Beim nächsten Arbeitgeber ging es rauer zu. Beim Baukonzern Philipp Holzmann steckte Lütkestratkötter in einer der größten Pleiten der deutschen Industrie, als Arbeitsdirektor musste er Leute entlassen, er soll um die Holzmann-Rettung gekämpft haben bis zuletzt. Nach einem kurzen Zwischenspiel als Vorstandschef des Berliner Gebäudedienstleisters Dussmann kam der Westfale, der auf einem Bauernhof aufwuchs, 2003 als Vorstandsmitglied zu Hochtief. Seit 2007 ist er der Chef des Konzerns, der mit 70 500 Beschäftigten im vergangenen Jahr 18,2 Milliarden Euro umsetzte und 195 Millionen Euro verdiente.

Im Kampf gegen ACS hat Lütkestratkötter bereits Niederlagen einstecken müssen, etwa als die australische Regierung entschied, dass die Spanier nicht auch für die australische Hochtief-Tochter Leighton bieten müssten, was den Kauf empfindlich verteuert hätte. Nun hat er einen Coup gelandet. Es ist wohl wie beim Marathon; „Wenn ich den ersten Schritt mache“, sagte er in einem Interview, „ komme ich auch am Ziel an“.

Von Barbara Will

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