Viele Fragen sind offen

Kanadier übernehmen Kaufhof: Neuer Eigentümer, Zukunft ungewiss

Oliver Van den Bossche

Bei der Warenhauskette Kaufhof soll der milliardenschwere Verkauf an Hudson’s Bay in diesen Tagen besiegelt werden. Die Zukunft unter der Regie des neuen Eigentümers bleibt ungewiss.

Neustart bei Kaufhof: Nach dem Essener Rivalen Karstadt soll zum Monatswechsel auch die Kölner Kaufhauskette in ausländische Hände übergehen. Mit dem Vollzug des bereits im Juni dieses Jahres vereinbarten Verkaufs übernimmt der kanadische Handelsriese Hudson’s Bay die Regie bei dem deutschen Unternehmen. Zuvor war bereits der Österreicher René Benko bei Karstadt eingestiegen.

Um den rund 2,8 Milliarden Euro schweren Verkauf der Metro-Tochter hatte sich Hudson’s Bay mit Benko zuvor ein erbittertes Bietergefecht geliefert. Mit der Entscheidung für die auf dem deutschen Markt weitgehend unbekannte Handelsgruppe aus Toronto hatte die Kaufhof-Mutter Metro schließlich den Weg frei gemacht für den Einstieg eines neuen Spielers in der deutschen Warenhaus-Szene. Hudson’s Bay übernimmt damit 21 500 Kaufhof-Mitarbeiter und derzeit noch 102 Waren- und 16 Sporthäuser in Deutschland sowie 16 Standorte in Belgien. Noch von der Metro war die Schließung eines Hauses in Heilbronn bis Ende 2015 angekündigt worden.

Drei-Jahres-Garantie: Eine Job- und Standortgarantie soll zunächst für drei Jahre gelten. Ausgenommen sind von Metro verkündete Schließungen. Konzept unklar: Mit welchem Konzept die Kanadier im ebenso hart umkämpften wie schwierigen deutschen Warenhausmarkt punkten wollen, ist unklar. Kaufhof-Chef Oliver Van den Bossche versucht jüngst im Intranet des Unternehmens Bedenken zu zerstreuen: „Wir werden von Investitionen ebenso profitieren wie von hervorragenden Marken und den Erfahrungen im Online-Geschäft“, versprach er seinen Mitarbeitern.

Steigende Mieten? Zu Befürchtungen, dass die Mieten für die Warenhaus-Immobilien steigen könnten, wollte er zunächst keine Stellung nehmen. Ein Großteil dieser Mietzahlungen fließe ohnehin zurück in das operative Warenhausgeschäft, hieß es.

Marktbereinigung droht: Für das deutsche Warenhausgeschäft bleibt die Zukunft ungewiss. Handelsexperten rechnen schon seit längerem mit einer drastischen Bereinigung des Marktes. Vermutlich könne langfristig in Deutschland nur etwa jedes dritte Warenhaus überleben, heißt es etwa in den Prognosen. Von den zusammen rund 180 Warenhäusern der beiden großen Konkurrenten Karstadt und Kaufhof könnten dann nur noch 60 bis 70 Häuser übrig bleiben, hatte der Handelsexperte Jörg Funder von der Hochschule Worms schon im Sommer vorhergesagt.

Auch Karstadt schreibt rote Zahlen

• Auch für die Beschäftigten des Kaufhof-Rivalen Karstadt bleibt die Lage angespannt. Nachdem die bei einem Zusammenschluss mit Kaufhof befürchtete Schließung der Essener Zentrale nun wohl vom Tisch ist, kämpft das Unternehmen weiter mit roten Zahlen. Jetzt will man wieder in die Gewinnzone. Zumindest für drei Luxuswarenhäuser hat Karstadt-Eigner Signa mit dem Einstieg der thailändischen Central Group eine Lösung gefunden.

• Kaufhof-Käufer Hudson´s Bay Company (HBC) bekam 1670 von der englischen Krone Land und Bodenschätze in Kanada übertragen - und das Monopol für den Handel mit den kanadischen Indianern, vor allem Pelzhandel. Später stieg HBC in die Schifffahrt und den Handel mit Öl und Gas ein, bevor sich die Gesellschaft in den 1990ern wieder auf den klassischen Einzelhandel konzentrierte. (dpa)

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