Solartechnik-Hersteller übernimmt Zulieferer – Technologiezentrum geplant

SMA kauft in Polen ein

Blick in die SMA-Produktion: In Niestetal und Kassel sowie in Denver (USA) und Ontario (Kanada) baut der Solartechnik-Spezialist Wechselrichter. In Polen sollen wie bisher Komponenten produziert werden. Archivfoto: dpa/Zucchi

Niestetal. Der Solartechnik-Hersteller SMA in Niestetal (Kreis Kassel) setzt seine Internationalisierung mit einer Übernahme in Polen fort. Wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte, erwirbt es zum Juli für 33,5 Millionen Euro seinen langjährigen Zulieferer dtw Sp.z o.o. in Zarbierzów in der Nähe von Krakau.

dtw stellt mit 530 Beschäftigten unter anderem Hochleistungsdrosseln, -spulen und -transformatoren her, die in einem Großteil der SMA-Wechselrichter verbaut werden. Sie wandeln in Solarzellen gewonnenen Gleich- in netztauglichen Wechselstrom um und sind das Herzstück von Solaranlagen.

SMA-Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon bezeichnete das Geschäft als „strategisch wichtigen Schritt beim weiteren Ausbau der Technologieführerschaft von SMA“. Jetzt könne man die Entwicklungprozesse bei Mechanik, elektromagnetischen Bauteilen und Hochleistungselektronik noch besser aufeinander abstimmen und damit Entwicklungszeiten erheblich verkürzen.

Die Polen haben sich im Laufe der vergangenen Jahre einen hervorragenden Ruf in der Branche erworben. Die Produkte zeichnen sich durch hohe Qualität aus. Außerdem gelten die Bauteile als technologisch führend. So stellt dtw besonders kompakte und leichte Komponenten her, wodurch die Preise sinken.

Urbon kündigte gleichzeitig den Ausbau der Fertigung in Polen sowie den Aufbau eines Technologiezentrums an. dtw werde das globale Kompetenzzentrum für elektromagnetische Bauteile in der SMA-Gruppe. Alle 530 Mitarbeiter würden übernommen. Die Firmengründer, Izabella und Stefan Domagala, bleiben dem Unternehmen als Berater erhalten und werden die Integration begleiten.

Eine Verlagerung von Teilen der Wechselrichter-Fertigung nach Polen sei nicht geplant, betonte Urbon im Gespräch mit dieser Zeitung. dtw werde aber davon profitieren, das SMA Kontingente anderer Zulieferer schrittweise auf das neue Tochterunternehmen in Polen verlagern werde.

dtw setze 2010 fast 75 Mio. Euro um und schrieb nach SMA-Angaben schwarze Zahlen. Zum Vergleich: SMA erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von gut 1,9 Milliarden und verdiente unter dem Strich 365 Mio. Euro. 2011 strebt das Unternehmen mit seinen nunmehr gut 6000 Mitarbeitern einen Umsatz von 1,5 bis 1,9 Mrd. Euro an.

Weltmarktführer

Die Niestetaler sind mit einem Weltmarktanteil von gut 40 Prozent bei Wechselrichtern unangefochten die globale Nummer eins. Auch technologisch gelten die Niestetaler, die für rund 400 Mio. Euro ein neues Werk direkt an der A7 bauen wollen, als führend. Mit Hilfe von neuen Technologien, Materialien und Produktionsmethoden sollen die Wechselrichterpreise in den nächsten fünf Jahren mehr als halbiert werden.

Richtige Strategie - Ein Kommentar

José Pinto über die Entwicklung bei SMA: Das Vorzeige-Unternehmen SMA treibt seine Internationalisierung konsequent voran. Nach dem Aufbau eines weltweiten Vertriebsnetzes und zweier Produktionsstandorte in Nordamerika übernimmt der Solartechnik-Hersteller mit dem Erwerb des polnischen Zulieferers dtw erstmals ein größeres Unternehmen. Das ist ein Strategiewechsel.

Denn bisher ist SMA aus eigener Kraft gewachsen. Der Zukauf bringt den Niestetalern Fotovoltaik-Spezialisten nicht nur Vorteile bei der Entwicklung neuer Wechselrichter, die angesichts des zunehmenden Wettbewerbs noch besser und sehr viel preiswerter werden müssen.

Das Engagement in Polen schützt den wichtigen Zulieferer auch vor dem Zugriff der erstarkenden Konkurrenz, die wie SMA an kompakteren Produkten arbeitet. Der polnische Zulieferer spielt dabei ein wichtige Rolle. SMA ist regional stark verwurzelt, wird aber mehr und mehr zu einem Weltunternehmen – angesichts des schrumpfenden Inlands- und des stark wachsenden Exportmarktes die richtige Strategie.

Von Jose Pinto

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