Variable Bank-Sparpläne sind zwar sicher, aber nicht immer lukrativ – ein Beispiel

Kein „Rendite-Kracher“

Kassel. Mit einer „drakonischen und rechtlich fragwürdigen Zinssenkung hat die Targobank ihre Sparbuch-Kunden in eine Falle gelockt“, sagt Georg Tryba von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Den Unmut der Verbraucherschützer auf sich gezogen hat das Doppelzins-Sparbuch der Bank. Wer sich auf Sparpläne mit variablem Zins einlässt, sollte sehr genau hinschauen. Das Doppelzins-Sparbuch ist nur ein Beispiel.

Das Produkt: Laut Werbung kann der Kunde „beim Doppelzins-Sparen beim sicheren Wachsen zuschauen“. Mit einer Bonus-Regel verdoppelt sich der Basis-Zins, wenn der jährliche Sparzuwachs bei 600 Euro liegt. Aufgelegt wurde das Produkt Anfang 2009 mit 1,6 Prozent Zinsen. Ein Beispiel: Wer 1000 Euro anlegte erhielt am Jahresende 1,6 Prozent, schaffte es der Kunde, weitere 600 Euro zu sparen, stieg der Zinssatz für dann 1600 Euro auf 3,2 Prozent. Der Zinssatz war variabel. „Darauf sind die Kunden bei Abschluss des Produktes hingewiesen worden“, sagt Peter Herkenhoff, Sprecher der Targobank. Das Problem: Zum Januar senkte die Targobank den Basis-Zins auf zunächst ein , drei Monate später auf 0,75 Prozent. „Aus dem Rendite-Kracher wurde eine Naja-Anlage, mit der auf Sicherheit bedachte Anleger gerade noch leben konnten, vorausgesetzt sie brachten die zusätzlichen 600 Euro für die Zinsverdopplung“, sagt Tryba. Zum Mai sank der Zins auf 0,55 Prozent. Aber: Über 50 000 Euro sinkt der Zins auf 0,25 Prozent.

„Das ist rechtlich fragwürdig“, sagt Tryba. Als Referenzzins nennt die Targobank den Drei-Monats-Euribor – ein Referenzwert für aktuelle Zinsen. Der lag am 1, Juni 2010 bei 0,36 Prozent, ein Jahr zuvor waren es 0,88 Prozent. Während man bei Tagesgeld täglich über die angelegten Summen verfügen kann, unterliegt das Doppelzins-Sparen der Targobank der gesetzlichen Kündigungsfrist von drei Monaten. Legt man nun die Mai-Inflationsrate von 1,2 Prozent zugrunde, ist die Anlage ein Minus-Geschäft.

Die Kunden: Im Dezember 2009 hat die Targobank ihre Kunden per Mailing über das Internet, über die Kontoauszüge und im Gespräch über die zum Januar 2010 geplante Zinssenkung auf ein Prozent Basiszins informiert, sagt Herkenhoff. Aber: Selbst im monatlichen Finanzstatus sei die Änderung „zu unauffällig platziert“, kritisiert Tryba. Aktiv seien Kunden nur im Gespräch informiert worden. Aber diese Gespräche, so der Verbraucherschützer, seien dazu genutzt worden, um Kunden andere Anlage anzubieten – etwa risikoreichere Fonds. Tryba zitiert einen Düsseldorfer Berater der Bank: „Das ist ein Grund, um ins Gespräch zu kommen und andere interessante Angebote zu unterbreiten.“

Die Bank: Die Düsseldorfer Targobank ist im Privatkundengeschäft tätig. Seit 2008 ist sie Teil der französischen Crédit-Mutuel-Bankengruppe. Zuvor gehörte sie zur amerikanischen Citigroup und firmierte bis 2010 als Citibank Privatkunden AG & Co. KGaA. Das Geldinstitut zählt 3,4 Millionen Kunden und beschäftigt 6600 Mitarbeiter. 2009 lag das Ergebnis vor Steuern bei 208 Mio. Euro. Vertreten ist die Bank in über 200 Städten – darunter auch Kassel, Göttingen und Bad Hersfeld. † Mehr zu Bank-Sparplänen lesen Sie am Samstag auf der Geldseite der HNA-Sonntagszeit.

Von Martina Wewetzer

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