Wer offenes Feuer am Tannenbaum liebt, darf den Raum nicht verlassen

Kerzen nur unter Aufsicht

Gefährlich: Alljährlich gehen viele Weihnachtsbäume und Adventskränze in Flammen auf. Die Versicherung ersetzt den Schaden nicht immer. Foto:Archiv/nh

Kassel/Göttingen. Mit einer Hausratversicherung wiegt man sich mitunter in trügerischer Sicherheit: Wenn in der Wohnung etwas zu Schaden kommt, springt meist die Police finanziell ein. Das gilt natürlich auch, wenn Adventskranz oder Weihnachtsbaum Feuer fangen.

Doch einen Knackpunkt gibt es: Offenes Feuer - und dazu gehören brennende Kerzen - muss bewacht sein. Wer seine Aufsichtspflicht verletzt, geht im Schadensfall leer aus.

Kerzen sind Gefahrenquellen. Auf dem Adventskranz oder dem Weihnachtsbaum umso mehr, da trockene Nadeln die Brandgefahr erheblich erhöhen. Tanne oder Kranz sind daher an einem sicheren Ort aufzustellen, Kerzen müssen sicher befestigt sein. „Der Versicherungsnehmer ist verpflichtet, sich im selben Raum aufzuhalten, wenn die Kerzen brennen“, sagt Sascha Straub, Versicherungsexperte von der Verbraucherzentrale Bayern.

Wenn er den Raum verlässt, muss er die Kerzen löschen. Was sich selbstverständlich anhört, stellt sich in der Praxis oft anders dar. Der Klassiker: Die Kerzen am Weihnachtsbaum sind angezündet, da klingelt das Telefon in einem anderen Zimmer. Wer jetzt den Raum verlässt, um den Hörer abzunehmen, verletzt bereits seine Aufsichtspflicht.

Kommt es jetzt zu einem Brand, muss man umgehend die Versicherung informieren. Auch am Feiertag. Der Versicherer sollte eine Notrufnummer haben, die rund um die Uhr besetzt ist. Bei Internet-Anbietern genügt eine E-Mail. Aber aufgepasst: „In der Schrecksekunde räumt man meist mehr eigene Fehler ein, als tatsächlich gemacht wurden“, warnt Straub. Die Versicherer fragen sehr gezielt nach. „Hier sollte man gut überlegen, was man sagt“, so Straub. Verbraucher sollten wahrheitsgemäß aber nicht zu ausführlich über den Schadensfall berichten. Denn an manchen Details kann man die Schuldfrage festmachen, die der Versicherungsnehmer hinterher nicht mehr korrigieren kann.

Die Beweisfrage ist in solchen Fällen immer knifflig, meint Straub. Günstig ist es deshalb, wenn man einen Zeugen nennen kann. Eine genaue schriftliche Dokumentation ist ebenso wichtig. Am besten, man fotografiert alles. Sollte der Brand so schwer sein, dass die Feuerwehr anrückt, kommt ohnehin ein Sachverständiger und nimmt den Schaden auf.

Mitunter kommt es vor, dass bei einem Brand Eigentum anderer zu Schaden kommt oder schlimmer noch: Personen geschädigt werden, die nicht zum Haushalt gehören. In diesem Fall ist die private Haftpflichtversicherung gefragt. „Sie deckt sogar grobe Fahrlässigkeit“, sagt Straub. Hier steht der Versicherungsnehmer noch besser da als bei der Hausratversicherung.

Übrigens: Sollten Kerzen am Adventskranz die Tischplatte versengen, zahlt gar keine Versicherung Denn dann waren keine Flammen im Spiel. Die Hausratversicherung zahlt nur bei offenem Feuer.

Von Annette Jäger

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