Bangen um Wettbewerbsfähigkeit

KfW: Existenzgründungen auf Rekordtief

+
Der KfW-Gründungsmonitor basiert auf einer repräsentativen Befragung von 50 000 Personen. Foto: Frank Rumpenhorst

Der Arbeitsmarkt boomt. Viele Menschen zögern, sich selbstständig zu machen. Ökonomen betrachten die Entwicklung mit Sorge.

Frankfurt/Main (dpa) - Die historisch gute Lage auf dem Arbeitsmarkt dämpft die Lust der Bundesbürger auf Unternehmertum. Die Zahl der Existenzgründer sank im vergangenen Jahr um 91 000 auf das Rekordtief von 672 000.

"Zur steten Erneuerung unserer Volkswirtschaft benötigen wir vor allem mehr Chancengründer, die häufiger Marktneuheiten an den Start bringen...", sagte KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner bei der Vorstellung des KfW-Gründungsmonitors. Fehlten heute die Gründer, leide morgen die Wettbewerbsfähigkeit.

Den Angaben zufolge waren im vergangenen Jahr nur neun von 100 Gründern vorher arbeitslos, 2005 waren noch 22. Die Zahl der "Notgründer", die mangels besserer Alternativen den Schritt in die Selbstständigkeit wagten, sank deutlich um 40 000 auf 166 000. Allerdings setzen auch weniger Menschen ihre Geschäftsidee in die Tat um, obwohl sie sich große Chancen auf unternehmerischen Erfolg ausrechneten (Chancengründer).

Generell falle die Entscheidung häufiger gegen die Selbstständigkeit, weil bessere Jobchancen die teilweise erheblichen Risiken einer Gründung überwögen, analysierten die KfW-Ökonomen.

Am beliebtesten war nach wie vor der Dienstleistungsbereich. Dort starteten wie in den Vorjahren sieben von zehn Gründern, gefolgt von 16 Prozent im Handel und 12 Prozent im Produzierenden Gewerbe. Jeder fünfte Gründer ging mit einem Angebot auf den Markt, das nur durch den Einsatz von digitaler Technologie nutzbar ist.

Regional gesehen gab es die meisten Gründer je 10 000 Erwerbsfähigen in Hamburg, gefolgt von dem früheren Spitzenreiter Berlin. In beiden Städten sei die Aktivität stark von der Medien- und IT-Branche mit ihren freiberuflichen Gründern geprägt, erläuterte die KfW. Hessen behauptete sich den Angaben zufolge auf dem dritten Platz.

Für dieses Jahr erwartet die KfW ein Ende der Talfahrt. Zwar werde die positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt anhalten, der Rückgang der Erwerbslosenquote dürfte sich aber verlangsamen. Die Ökonomen gehen davon aus, dass wieder mehr Menschen – ermuntert durch die stabile Konjunktur – ihre Geschäftsidee in ein Unternehmen umsetzen.

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.