Experte rät zu Antragstellung

Kindergeld für behinderte Kinder nach dem 25. Lebensjahr

+
Für behinderte Kinder gelten keine Höchstaltersgrenzen beim Kindergeld. Foto: Jens Wolf/dpa-Zentralbild/dpa

Manchmal wird bei Kindern erst im späteren Alter eine Behinderung aufgrund einer Erkrankung diagnostiziert. Lag diese bereits vor Vollendung des 25. Lebensjahres vor, sollte Eltern einen Antrag auf Kindergeld stellen.

Berlin (dpa/tmn) - Eltern erhalten für erwachsene Kinder auch nach dem 25. Lebensjahr Kindergeld, wenn das Kind aufgrund einer Behinderung seinen Unterhalt nicht eigenständig bestreiten kann.

"Nach einem Urteil des Finanzgerichts Köln gilt dies auch dann, wenn die Behinderung erst nach Überschreiten der Kindergeld-Altersgrenze diagnostiziert wird und das Kind davor selbst für seinen Lebensunterhalt aufkommen konnte", erklärt Isabel Klocke vom Bund der Steuerzahler.

Im Streitfall wurde bei der 1968 geborenen Tochter im Alter von 30 Jahren eine Muskelerkrankung festgestellt, die im Laufe der Zeit zu einer Abnahme der Muskelkraft führt. Im Alter von 40 Jahren lag der Behinderungsgrad bei 100 Prozent. Die Tochter bezieht seit dem 43. Lebensjahr eine Rente wegen voller Erwerbsminderung.

Die Mutter beantragte für den Zeitraum ab 2010 Kindergeld, was die Familienkasse ablehnte: Die Behinderung der Tochter sei zu einem Zeitpunkt eingetreten, als die Eltern für ihre Tochter kein Kindergeld mehr erhielten.

Das Finanzgericht widersprach dieser Auffassung: Zwar wurde die Diagnose für die Muskelerkrankung erst beim Überschreiten der Kindergeld-Altersgrenze festgestellt. Entscheidend sei jedoch, dass die Erbkrankheit bereits davor vorlag. Auch sei es unerheblich, dass die Tochter vor Erreichen der Kindergeld-Altersgrenze noch in der Lage war, ihren Lebensunterhalt selbstständig zu bestreiten. Das Finanzgericht gab der Klage daher statt (Az.: 6 K 889/15).

Gegen das Urteil wurde Revision beim Bundesfinanzhof (Az.: XI R 8/17) eingelegt. "In vergleichbaren Fällen sollten Eltern auch dann Kindergeld beantragen, wenn bei deren Kindern erst im späteren Alter eine Behinderung aufgrund einer Erkrankung diagnostiziert wird, diese aber bereits vor Vollendung des 25. Lebensjahres vorlag", rät Klocke.

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.