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Kleine Pferde ganz groß

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Von: Gitta Hoffmann

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Großes Zutrauen: An zwei Tagen in der Woche werden die Islandpferde von Sophia Henke nicht aktiv geritten. Sie geht dann zum Beispiel mit ihnen spazieren oder bringt ihnen auch schon mal ein Kunststückchen bei.
Großes Zutrauen: An zwei Tagen in der Woche werden die Islandpferde von Sophia Henke nicht aktiv geritten. Sie geht dann zum Beispiel mit ihnen spazieren oder bringt ihnen auch schon mal ein Kunststückchen bei. © Harry Soremski

Ein Leben ohne Wettkampf? Das kann sich Sophia Henke durchaus vorstellen. Ein Leben ohne Pferde? Auf keinen Fall! „Ich reite Turniere nicht wegen des Erfolgs, sondern weil es mir Vergnügen bereitet. Der Spaß steht absolut im Vordergrund.“

Die amtierende Hessenmeisterin reitet bereits seit zehn Jahren im Hessenkader für Islandpferde, wurde 2018 in den Bundeskader Junger Reiter U21 berufen und wird nächstes Jahr bei den „Erwachsenen“ starten. Lang ist die Liste der Erfolge, die die 20-Jährige verbuchen kann und doch will sie darauf gar nicht recht eingehen.

Erfolgreiche Turnierreiterin: Mit ihrem Wallach Dagon nahm Sophia Henke 2020 an den Deutschen Jugendmeisterschaften teil. Hier führen die beiden die Gangart Tölt vor.
Erfolgreiche Turnierreiterin: Mit ihrem Wallach Dagon nahm Sophia Henke 2020 an den Deutschen Jugendmeisterschaften teil. Hier führen die beiden die Gangart Tölt vor. © Neddens / nh

Erst vor wenigen Wochen hat sie den Deutschen Meistertitel bei den U21 verteidigt und ist bei den gesamten Deutschen Meisterschaften mitgeritten. Dort war sie unter den ersten 15. „Jetzt bereite ich mich auf die mitteleuropäischen Meisterschaften vor, die in der Nähe von Hannover stattfinden werden. Dort nehme ich mit zwei Pferden teil.“

Fünfmal in der Woche ist Sophia Henke bei ihren drei Islandpferden. Aber nicht jeden Tag wird geritten. An zwei Tagen geht sie nur mit den Pferden spazieren oder bringt ihnen beispielsweise kleine Kunststücke bei. Das fördert die Nähe zum Tier und das Vertrauen zwischen Pferd und Reiter. Doch nicht nur die Pferde müssen fit sein, erklärt die Auszubildende, die derzeit ein duales Studium bei einer Sozialversicherung absolviert. „Der Reiter muss den Ansprüchen des Pferdes folgen können. Da man auf dem Pferd die ganze Zeit in Bewegung ist, muss man beweglich sein und seinen Körper beherrschen. Deshalb mache ich zum Beispiel Yoga.“

Wie gut sich Pferd und Reiterin verstehen, wird deutlich, als Henke ihren zwölf Jahre alten Wallach Dagon ohne jegliches Zaumzeug, sondern nur mit einem Halsring reitet. Das Tier wird durch die Stimme seiner Reiterin geführt, reagiert auf ihren Sitz und kleinste Muskelbewegungen. „Dagon ist sehr selbstbewusst, dominant in der Herde, aber auch sehr leistungsbereit“, erklärt sie. „Ihn nur mit einem Halsring im Tölt zu reiten ist nicht ganz leicht.“ Doch auch das gelingt problemlos.

Vertrauensbeweis: Wenn Sophia Henke Dagon nur mit einem Halsring steuert, ist das auch für den Wallach etwas Besonderes. Er muss auf die kleinsten Zeichen seiner Reiterin achten.
Vertrauensbeweis: Wenn Sophia Henke Dagon nur mit einem Halsring steuert, ist das auch für den Wallach etwas Besonderes. Er muss auf die kleinsten Zeichen seiner Reiterin achten. © Harry Soremski

Sophia Henke ist bereits mit Pferden aufgewachsen, da ihre Mutter ebenfalls reitet. Doch nicht die Großpferde der Mutter haben sie fasziniert: „Ich fand die kleinen süßen Ponys schöner und sympathischer“, lacht sie und erklärt, dass sie schließlich über eine Reitbeteiligung zu den Islandpferden gekommen sei. „Die sind so vielfältig, große Allrounder. Ein Islandpferd ist sehr ausgeglichen und kann im Gegensatz zum Großpferd weitere Gangarten.“ Denn während beide Pferderassen Schritt, Trab und Galopp beherrschen, können Islandpferde auch im Tölt und einige im Rennpass laufen.

Schon früh um sechs beginnt der Arbeitstag der Kaufungerin, damit sie am späten Nachmittag oder Abend bei ihren Pferden sein kann. Wenn es so heiß ist wie in der letzten Zeit, reitet sie lieber später, trainiert im Schatten oder der Halle, duscht sie mehrmals am Tag ab und sorgt dafür, dass genug zu trinken da ist. „Manchmal gehen wir auch mit ihnen in der Losse schwimmen. Das gefällt den Pferden richtig gut.“ Ist die Turniersaison vorbei, gönnt sich nicht nur Sophia Henke einen Urlaub. Auch ihre Pferde dürfen entspannen: „Ich lasse die Pferde einfach mal Pferd sein.“ (Gitta Hoffmann)

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