NSU Prinz war ein beliebtes Leichtgewicht unter Kleinwagen und eine günstige Alternative zum VW Käfer

Ein kleines Auto für Könige

Nach dem Gogo und dem Lloyd kam der NSU Prinz in die Familie von Redakteur Niko Mönkemeyer. Der kleine, nur etwas mehr als 500 Kilo schwere, Wagen war in den frühen 70er-Jahren der ganze Stolz. Der NSU-Werbespruch „Fahre Prinz und du bist König” war in weiten Teilen Deutschlands bekannt.

Ob das knuddelige Gefährt 20 PS oder vielleicht auch schon die stärkere Maschine mit sage und schreibe 23 PS hatte, weiß er nicht mehr – in jedem Fall hatte der NSU Prinz sehr viel mehr Feuer unter der Haube, als ihnen allen lieb war.

Bei einem Tagesausflug zum 150 Kilometer entfernten Vogelpark Walsrode machte der kleine Prinz nämlich schlapp und wäre fast in Flammen aufgegangen. Als Dreikäsehoch war es Niko Mönkemeyer, der auf der Rückbank sitzend als erster durch die Heckscheibe die Flammen bemerkte, die aus dem Kühlergrill (der Motor befand sich hinten) schlugen. „Prinzchen“ hatte ausgerechnet unmittelbar vor einer Tankstelle den Geist aufgegeben, die gerade eine Lieferung Benzin erhielt.

Während seine Eltern ihn und seinen kleinen Bruder aus dem Auto zerrten, kam der Fahrer des Tanklastwagens mit einem Feuerlöscher herbeigeeilt und verhinderte so Schlimmeres. Der Prinz war allerdings hart im Nehmen.

Nach einem kurzen Aufenthalt in der Werkstatt brachte er die Familie sogar wieder wohlbehalten nach Hause und stand ihr anschließend noch ein paar Jahre als zuverlässiges Vehikel zur Verfügung.

Der Firmenname des damals weltgrößten Motorradherstellers NSU Motorenwerke ist ein Kurzwort für den Stadtnamen Neckarsulm. Mit dem ab 1958 produzierten Prinz erschien das erste Nachkriegsauto der Firma. Bis 1973 wurde der Kleinwagen in verschiedenen Varianten produziert. Schon 1959 gab NSU eine sportlichere Version heraus, die statt der normalen 20 und 23 PS das Leichtgewicht mit 30 PS auf 120 Stundenkilometer beschleunigte.

Ab 1961 löste der Prinz 4 als geräumigerer Fünfsitzer mit 30 PS und einer völlig neuen Karosserie die Vorgängermodelle ab. Mit einem Neupreis von 3790 DM (heute knapp 1940 Euro) war er 2000 DM günstiger als ein VW Käfer.

Seine Fans lobten zudem mehr Platz im Innenraum, eine bessere Rundumsicht und den kostengünstigeren Unterhalt. Außerdem empfanden ihn viele als wendiger und spritziger. Im Frühjahr 1970 lief der 500 000. Prinz 4 vom Band. Italien wurde zum Hauptexportland dieses Autos. Bis zum 31. Juli 1973, dem letzten Tag der Prinz-Produktion, waren 625 171 Prinz 4 gebaut worden.

Von Niko Mönkemeyer und Jan Baetz

Hintergrund: Die NSU Motorenwerke AG

Ursprünglich hieß das in Riedlingen an der Donau gegründete Unternehmen „Mechanische Werkstätte zur Herstellung von Strickmaschinen“. 1880 verlegte die Firma ihren Sitz nach Neckarsulm in der Nähe von Heilbronn. Dort stellte sie ab 1886 Fahrräder her und war ab 1901 maßgeblich an der frühen Entwicklung von Motorrädern in Deutschland beteiligt. Mitte der 1950er-Jahre war NSU nach Stückzahlen der größte Zweiradhersteller der Welt. 1969 fusionierten NSU und die zum VW-Konzern gehörende Auto Union mit Sitz in Ingolstadt zur Audi NSU Auto Union AG. 1985 erfolgte die Umbenennung in Audi AG, der Name NSU verschwand aus der Firma. (jbz)

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