In der Klemme - Ermittlungen gegen Telekom-Chef René Obermann

Bonn. Das passiert ausgerechnet ihm: Telekom-Vorstandschef René Obermann tat sein Bestes, um als Saubermann der deutschen Vorstandselite dazustehen:

Er kooperierte mit Staatanwälten, versuchte das Image der Telekom zu retten, die sich durch Telefonschnüffeleien in ein denkbar schlechtes Licht gesetzt hatte. Nun steht Obermann unter Korruptionsverdacht. Er soll mit Schmiergeld Wettbewerber in Osteuropa ausgebremst haben.

Der 47-Jährige, geschieden, Vater zweier Töchter und seit kurzem mit der Fernsehmoderatorin Maybrit Illner verheiratet, ist der Mann, mit dem etwas anderen Lebenslauf. Der Düsseldorfer lernte Industriekaufmann beim Autobauer BMW in München. Sein Volkswirtschaftsstudium an der Universität Münster gab er noch vor dem Vordiplom auf, lieber widmete er sich seinem eigenen Unternehmen: ABC Telekom handelte so erfolgreich mit Telefonen, Anrufbeantwortern und Kopierern, dass schließlich der Hongkonger Konzern Hutchison Whampoa die Aktienmehrheit übernahm. 1998 holte ihn Telekom-Chef Ron Sommer in seinen Konzern.

Chef der Mobilfunk-Tochter T-Mobile International, Mitglied des Konzernvorstands: Der Mann, der in seiner Freizeit läuft und Motorrad fährt, machte Karriere mit Tempo. Er galt als enger Vertrauter Kai-Uwe Rickes, der Ron Sommer an der Konzernspitze abgelöst hatte. Als Ricke im November 2006 gehen musste, rückte Obermann nach.

„Er ist einer der wenigen, die sich in allen Bereichen auskennen“, soll Joachim Dreyer, Gründer des damaligen Telekommunikationsdienstleisters Debitel, über ihn gesagt haben. Obermann werden Ehrgeiz und Perfektionismus nachgesagt, und so ging er ans Werk. Die Telekom wurde umgebaut, und an der Baustelle wurde es laut. Obermann bescherte der Telekom den ersten Arbeitskampf ihrer Geschichte, als er die umstrittene Ausgliederung von rund 50 000 Mitarbeitern in die Tochtergesellschaft T-Service durchdrückte. Er leitete die Schließung von 30 Callcentern bis Mitte 2011 ein und verschob 160 000 Mittelstandskunden – und damit 6300 Telekom-Mitarbeiter von der Geschäftskundensparte T-Systems zu T-Home. In seinem vierten Jahr auf dem Telekom-Chefsessel hat Obermann noch immer das vor sich, was Manager „Herausforderungen“ nennen: Mit Telefonanschlüssen und der Übertragung von Gesprächen läuft es nicht mehr wie einst, neue Wachstumsfelder wie das mobile Internet, intelligente Stromzähler und die Breitband-Datenübertragung sollen Abhilfe schaffen.

Der Telekom-Vorstand stärkt seinem Vorsitzenden den Rücken: Er weist die Vorwürfe zurück und stellt klar, dass Obermann in einem Korruptionsverfahren der US-Justiz als Zeuge, nicht als Beschuldigter geführt wurde.

Von Barbara Will

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