Auch Aufsichtsratschef Bode soll vor Gericht

KMW-Manager wegen Steuerhinterziehung angeklagt

Die Panzerhaubitze (PzH) 2000 im afghanischen Feldlager Kundus der Bundeswehr. 24 Stück davon hatte Rüstungskonzern Krauss-Maffei Wegmann (KMW) Anfang des Jahrtausends an Griechenland geliefert. Archivfoto: dpa

München/Kassel. Gegen den Aufsichtsratsvorsitzenden und Miteigentümer des Rüstungskonzerns Kraus-Maffei Wegmann (KMW) Manfred Bode (75) hat die Staatsanwaltschaft München jetzt Anklage wegen Steuerhinterziehung erhoben.

Nach mehrjährigen Ermittlungen zu Panzergeschäften mit Griechenland will die Anklagebehörde sechs Beschuldigte vor Gericht bringen - Bode, weitere KMW-Manager und die früheren SPD-Bundestagsabgeordneten Dagmar Luuk und Heinz-Alfred Steiner. Das bestätigte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Es gehe auch um Geldwäsche, sagte sie unserer Zeitung am Mittwoch.

Von KMW gab es keine Stellungnahme. Bodes Anwalt bestreite die Anschuldigungen, nenne Steuerhinterziehungs-Vorwürfe „ohne tatsächliche Grundlage und unzutreffend“, meldeten Süddeutsche Zeitung, WDR und NDR. Auch Luuk und Steiner wiesen die Vorwürfe zurück, hieß es dort weiter.

Manfred Bode

Ausgangspunkt der Affäre ist der Verkauf von 24 Panzerhaubitzen PzH 2000 an die griechische Regierung vor bald zwei Jahrzehnten. Der knapp 200 Mio. Euro teure Deal der Münchener Panzerbauer, die einen Standort auch in Kassel haben, soll mit Schmiergeld angeschoben worden sein. Dabei, so die Fahnder, sorgten KMW-Leute dafür, dass auch bei ihnen selbst Geld hängenblieb. Im Fall eines Ex-Managers aus Kassel, der dafür bereits vor Gericht stand, waren das 650 000 Euro. Ihn hatte das Landgericht München Ende 2015 zu elf Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Revision zum BGH

Zu milde, meinten die Staatsanwälte. Sie hatten drei Jahre und drei Monate Gefängnis gefordert, auch wegen versuchten Prozessbetrugs. Die Revisionsentscheidung des Bundesgerichtshofs (BGH) soll im April verkündet werden.

Die Ankläger hatten den langjährigen KMW-Vorstandschef Manfred Bode schon bei diesem Prozess im Visier. Er habe die vom damaligen griechischen Verteidigungsminister geforderten 5,6 Mio. Euro als Beraterhonorar an ein Büro der ehemaligen SPD-Abgeordneten angewiesen und zu Unrecht beim Fiskus als Betriebsausgabe von der Steuer abgesetzt, sagten sie.

Griechenlands Ex-Verteidigungsminister Akis Tsochatzopoulos kassierte 2013 wegen passiver Bestechung und Geldwäsche beim Kauf deutscher U-Boote 20 Jahre Haft. Das machte Mitarbeiter redselig. Antonis K. etwa, der von 1997 bis 2002 hochrangig Rüstungskäufe sortierte und selbst mit Millionen geschmiert wurde, übergab Fahndern eine Liste mit 17 Firmenvertretern. Sie alle sollen Waffendeals illegal mit Geld befördert haben. Über K.s Liste kamen Ermittler auch zu den Panzerhaubitzen. Egal, ob und wie die Millionen über das Beratungsbüro der Ex-SPD-Politiker als Schmiergeld durchgereicht wurden - Bestechung wäre längst verjährt, Steuerhinterziehung nicht.

Hintergrund: 2015 mit Nexter fusioniert

• Der Rüstungskonzern KMW ging 1999 aus dem Zusammenschluss der Unternehmen Krauss-Maffei (München) und Wegmann (Kassel) hervor und fusionierte 2015 mit dem französischen Rüstungsbetrieb Nexter. KMW baut unter anderem den Kampfpanzer Leopard, den Schützenpanzer Puma, Brückenlegesysteme und geschützte Radfahrzeuge.

• Das hochverschuldete Griechenland war noch zwischen 2007 und 2011ein Großabnehmer deutscher Rüstungsexporte, so das schwedische Forschungsinstitut Sipri.

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