Durch Dia-Projektoren vergrößerte Bilder zogen einst Zuschauer in ihren Bann

Auf Knopfdruck riesig

Diaschau: Hier sichten der FDP-Politiker Walter Scheel und seine erste Frau Eva Bilder. Scheel war von 1969 bis 1974 Außenminister und anschließend bis 1979 Bundespräsident. Eva Scheel starb 1966. Foto: dpa

Unter einem Regal voller Akten im Büro meines Elternhauses steht der schwarze, kastenförmige ein Dia-Projektor – verstaubt. Das Gerät, Typ Voigtländer VP 135 A, stammt von meinem Großvater, der gern technische Neuheiten nach Hause brachte. Dia-Projektoren dieser Art waren in den 80er-Jahren Neuheiten, heute werden nur noch wenige tausend Stück in Deutschland hergestellt.

Für eine Bilderschau mit dem Diaprojektor brauchte das Publikum Zeit und Geduld. Auf eine Leinwand projizierte Bilder faszinierten Kinder und Erwachsene. Die Verwandtschaft versammelte sich im Wohnzimmer. Mein Onkel zeigte stundenlang Dias von seiner Reise nach Russland. Und zu jedem Dia erzählte er eine Geschichte. Die Aufmerksamkeit aller galt ihm und seinem Vortrag. Nach einer Weile wurde mir langweilig, doch im Stangenmagazin des Projektors folgte ein Diapositiv dem anderen.

Ein ganzer Abend ging damals für einen Diavortrag drauf. Ein anderer Onkel zeigte mir erst im Herbst 2004 seine große Sammlung von Reisen in den 90ern nach Australien und Neuseeland. Landschaftsbilder kamen durch die Vergrößerung im abgedunkelten Raum besonders gut zur Geltung. Aus kleinen, durchscheinenden Fotografien wurden riesige Bilder. Das Klick-Geräusch beim Wechseln der Dias war einzigartig. Kinder stritten, wer den Knopf drücken durfte, um das nächste Bild vor die Linse zu schieben.

Beamer ersetzen Projektoren

Heute projizieren Beamer digitale Fotos auf Leinwände. Der Aufwand ist geringer: Fotos in einem Ordner auf dem Rechner werden automatisch nacheinander gezeigt, verschiedene Effekte und sogar Videos können in eine Präsentation eingebunden oder mit Musik unterlegt werden. Weniger romantisch erscheint mir das, aber meine Neffen finden es aufregend.

Obwohl Dia-Projektoren überholt sind, werden sie noch hergestellt. Die Ringfoto-Gruppe vertreibt Geräte der Firmen Kindermann, Braun und Reflecta an Händler. 200 bis 570 Euro kostet ein neuer Projektor, sagt Elisabeth Müller von Ringfoto. „Die Nachfrage ist zwar rückläufig, aber besonders an Weihnachten verkaufen wir viele Exemplare.“ Die Geräte seien nach wie vor klassisch aufgebaut, mit Einschubtechnik und Überblendprojektor. Im Internet werden alte Exemplare rege gehandelt, viele sind für zehn Euro zu haben.

Von Stefanie Dietzel

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