Körper, Geist und Seele im Blick

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Mehr als Puls messen: Walter Piotrowski (Zweiter von rechts) erläutert, worauf es beim Tasten ankommt. Elke Bitter (vorn links) bekommt den Puls von Katrin Kara, einer angehenden Heilpraktikerin, gemessen. Deren Kolleginnen Elke Röder (stehend links) und Melanie Siebert-Michalke schauen zu.

Wo verläuft die Tuba Eustachii? Welche Symptome kann man bei Rheuma haben? Wie gestaltet sich die Ermittlung der Krankengeschichte eines Patienten? Diese Fragen können Heilpraktiker am Ende ihrer Ausbildung sicher beantworten.

Dann nämlich werden sie vom Gesundheitsamt überprüft, bevor sie den Beruf des Heilpraktikers ausüben dürfen.

Die Antragsteller zur Prüfung müssen mindestens 25 Jahre alt sein, ein Gesundheitszeugnis sowie polizeiliches Führungszeugnis vorlegen und mindestens einen Hauptschulabschluss haben. „Die Ausbildung zum Heilpraktiker ist nicht einheitlich geregelt“, sagt Elke Bitter, Heilpraktikerin und Geschäftsführerin der Hippokratesschule in Kassel. Dort dauert das Regelstudium zwei Jahre. Für Angehörige medizinischer Assistenzberufe wie Masseure, Pflegekräfte oder Physiotherapeuten gibt es eine Ausnahme: Sie können sich mit Unterstützung der schulischen Fachkräfte je nach Kenntnisstand ein Individualstudium zusammenstellen.

Die Inhalte werden in Unterrichtsblöcken vermittelt, die Themen sind in sich abgeschlossen. Zu einem Organsystem wie beispielsweise den Atmungsorganen lernen die Auszubildenden anatomische und physiologische Grundlagen, die Wechselwirkung mit anderen Organsystemen und schließlich mögliche Erkrankungen und die Folgeschäden.

Schulmedizin ist die Basis

„Die Schulmedizin ist immer die Basis. Der Naturheilkunde liegen wissenschaftliche Kenntnisse von Anatomie und Physiologie zugrunde“, sagt Elke Bitter. Weitere Themen sind unter anderem psychosomatischer und psychotherapeutischer Fachunterricht, Entspannungstherapie, Ernährungstherapie und Unterricht in Naturheilkunde.

Noch während der Ausbildung können sich die angehenden Heilpraktiker einen fachlichen Schwerpunkt auswählen, etwa im Ernährungsbereich. Nach Abschluss des entsprechenden Unterrichtsblocks werden sie schulintern geprüft und dürfen die Berufsbezeichnung „Gesundheits- und Ernährungsberater“ führen. Das gleiche Verfahren gilt für die Zusatzqualifikation „Entspannungspädagoge“.

Auch in den traditionellen naturheilkundlichen Verfahren können sich die Teilnehmer spezialisieren, beispielsweise in der klassischen Homöopathie, der Akupunktur oder der Chirotherapie. Zusätzliche Studiengänge können noch während der Heilpraktikerausbildung oder im Sinne eines Aufbaustudiums danach belegt werden.

Erfahrungen in der Lehrpraxis

Der Hippokratesschule ist eine Lehrpraxis angeschlossen, wo die Schüler erfahrene Heilpraktiker im Alltag begleiten können. Unter fachkundiger Anleitung können sie ihr Wissen praktisch anwenden, aber auch Grenzen erkennen: „Ein Heilpraktiker muss immer wissen, wann er einen Patienten weiter schickt, etwa zu einem Facharzt“, sagt Elke Bitter.

Die Absolventen der Hippokratesschule können Kurse wiederholen, die Ausbildung unterbrechen oder die Regelstudienzeit verlängern. Nach Absprache mit der Schulleitung ist das ohne Mehrkosten möglich. Die Schule bietet Teilzeitunterricht für Berufstätige an, die Studienzeiten sind auch abends und am Wochenende.

Auf die amtsärztliche schriftliche und mündliche Überprüfung werden die Teilnehmer gut vorbereitet. Dazu gehört die Vermittlung von Techniken, um mit Prüfungsangst umgehen zu können und die Prüfung möglichst stressarm zu absolvieren. (Ilona Polk)

Internet: www.hippokratesschule.de

Unterricht und Fortbildung.pdf

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