Kommentar zur VW-Krise: Personalpolitik ohne Stil

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Kein Top-Manager bei VW muss in Watte gepackt werden. Das Gehalt ist auch eine Portion Schmerzensgeld. Aber: Er darf trotzdem nicht zum Freiwild des Aufsichtsrats werden.

Wer sich in die dünne Luft der Vorstandsetage begibt, der macht es freiwillig. Aber mit dieser Entscheidung wird er nicht zwangsläufig zum Freiwild eines machtbesessenen Aufsichtsrats.

Auch ein Vorstandsvorsitzender hat einen Anspruch darauf, dass Kritik sachlich begründet sein muss. Dem wird Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch in keinster Weise gerecht. Er hat über Tage alles im Unklaren gelassen und umgibt sich mit der Aura eines Allmächtigen. Piëch, der intime Kenner der Situation, verwehrt Winterkorn die Chance, auf die Kritik – berechtigt oder nicht – zu reagieren. Gäbe es sachliche Kritikpunkte, hätte Piëch diese im Aufsichtsrat klären müssen. Dass er dies aber nicht getan hat, lässt nur den Schluss zu, dass es gar nicht um Sachgründe geht.

Es ist nicht das erste Mal, dass Piëch so agiert: Bernd Pischetsrieder, einst Vorstandschef bei VW, Wendelin Wiedeking, einst Lenker bei Porsche – sie alle gingen diesen Weg. Doch mit Winterkorn trifft es erstmals einen außergewöhnlich erfolgreichen Manager, der in seiner Funktion sogar die chinesische Regierung berät – sein Erfolg schützt ihn in der Öffentlichkeit. Dies hat Piëch unterschätzt. Sein Vorgehen ist ein Affront gegenüber dem Aufsichtsrat und schadet dem Konzern. Piëchs selbst gewählte Rolle des einsamen Helden, der gegen die Fehler in der Autowelt ankämpft, wird seinen Ruhm nicht mehren. Dafür war das Vorgehen zu stillos.

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