Kommentar zu Rekordüberschuss: Vom Traum zum Albtraum

Die deutsche Wirtschaft läuft trotz trüber globaler Aussichten rund: Die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist günstig, die Konjunktur robust. Ein Kommentar von Jan Schlüter über die deutsche Milliardenflut. 

Milliarden über Milliarden. Die Einnahmen steigen. Obwohl die Investitionen des Staates nach oben gehen und auch die Ausgaben für die hohe Zahl an Flüchtlingen ordentlich zu Buche schlagen, schneidet Deutschland unter dem Strich gut ab: Bund, Länder, Gemeinden und Sozialversicherungen erzielen im ersten Halbjahr einen Milliardenüberschuss.

Zum einen beruht das auf der guten Konjunktur, die dem Staat steigende Steuereinnahmen beschert. Zum anderen sinken die Zinskosten. Das ist kein schöner Traum eines Finanzministers, sondern deutsche Wirklichkeit.

Dennoch sollte keinem Finanzpolitiker wohl bei der Sache sein. Denn die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank ist ein zweischneidiges Schwert. Zwar profitiert Deutschland stark von ihr, zugleich treibt sie Banken und Versicherungen in die Enge und befördert eher staatliches Geldausgeben, statt solide Haushaltsführung zu belohnen. So werden wichtige europäische Länder wie Frankreich nicht auf den rechten Weg kommen. Der Traum vom billigen Geld droht eines Tages zum Albtraum zu werden. Deshalb darf uns die heutige Milliardenflut nicht zu übermäßigen Ausgaben verleiten.

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