Kommentar zu Börsenchef Kengeter: Bittere Ironie

Der Chef der deutschen Börse, Carsten Kengeter, ist wegen des Verdachts des Insiderhandels im Visier der Staatsanwaltschaft. Ein Kommentar von Martina Hummel.

Seit Monaten beherrscht die Deutsche Börse mit nur einem Thema die Schlagzeilen: Die geplante Fusion mit der London Stock Exchange. Dieser Plan wird nun von Ermittlungen der Staatsanwaltschaft überschattet. In den Blick der Justiz ist ausgerechnet Carsten Kengeter geraten, der Chef der Deutschen Börse. Ihm, der schon in seiner Funktion als Vorstand alle Geschäftsgeheimnisse kennt, wird Insiderhandel vorgeworfen. Die zeitliche Nähe zwischen einem millionenschweren privaten Aktienkauf und der Information zu den Börsenplänen ist sehr groß. Das schürt Misstrauen.

Bislang ist alles nur ein Verdacht, und deshalb gilt auch für Kengeter die Unschuldsvermutung. Doch es wäre bittere Ironie, wenn sich gerade der Börsenchef - ein ausgewiesener Kapitalmarktexperte - im Regelwerk des Aktienhandels verstrickt haben sollte. Dass dieses Regelwerk seine Tücken hat, ist bekannt. Nicht ohne Grund zahlen viele deutsche Unternehmen ihre langfristigen Managerboni bar aus, um nicht in derartige Fallen zu tappen.

Manager mit Aktien am Unternehmenserfolg zu beteiligen, ist nicht grundsätzlich verkehrt: Das kann die Identifikation mit dem Betrieb steigern und Anreiz für langfristige Erfolge sein. Offensichtlich sind aber die Spielregeln nicht eng genug gefasst. Besser wäre es, derartige Vorstandsgeschäfte in eigener Sache in Zeiten von Fusionsplänen auszusetzen.

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