Kommentar zu den neuesten Erkenntnissen zu VW: Aufklärung geht anders

Ein halbes Jahr nach dem Ausbruch der Abgas-Krise bei Volkswagen sind die weltweiten Konsequenzen für Konzern und Mitarbeiter nicht absehbar. Ein Kommentar von Martina Hummel.

Der wichtigste Satz in Krisenzeiten lautet: Im Sturm gehört der Kapitän auf die Brücke. Mannschaft und Passagiere müssen sehen, wie er steuert. Er gibt den Kurs vor.

Doch Mitarbeiter am Bord des VW-Schiffs zu sein, ist derzeit nicht leicht. Zwar war am Dienstag bei der Betriebsversammlung in Wolfsburg der gesamte Vorstand angetreten, um der Belegschaft Mut zu machen, doch das Klartext-Reden wurde Betriebsratschef Bernd Osterloh überlassen: Die Strafzahlungen in den USA seien die bisher größte Unbekannte für die Zukunft des 620.000 Mitarbeiter starken Konzerns.

VW-Chef Müller hatte außer Worten nichts zu bieten. Echte Aufklärung ist etwas anderes, als das, was in den vergangenen Tagen aus Wolfsburg kam: Etwa dieses öffentliche Herumorakeln, ob der damalige Chef Martin Winterkorn eine Notiz gelesen habe oder nicht, und damit früher als bisher bekannt vom Abgas-Skandal wusste – aber zu wenig tat. Damals saß auch Matthias Müller als Porsche-Chef bereits im VW-Vorstand. Er dürfte all die Konzernecken kennen, die er fegen müsste.

Dann die Unklarheiten um Aufsichtsrats- und Ex-Finanzchef Hans Dieter Pötsch. Wann wusste er was von den Manipulationen? Kann jemand wie Pötsch, der jahrelang zum engsten Führungskreis um den zurückgetretenen Vorstandschef Winterkorn gehörte, Dinge aufklären, die auch in seinen eigenen – also Pötschs – Bereich fielen?

Nun noch die Bestätigung der Staatsanwaltschaft Braunschweig, dass sie ihre Ermittlungen zum Abgas-Skandal von sechs auf 17 Beschuldigte ausgeweitet hat. Der oft gesagte Satz, die Affäre sei von einer kleinen Ingenieurs-Gruppe ausgegangen, bekommt im Licht der jüngsten Erkenntnisse eine neue Bedeutung. Es drängt sich der Verdacht auf, dass die Verantwortlichen die Probleme, die sie zuerst nicht richtig eingeordnet haben, dann auch noch vertuschen wollten.

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