Kommentar zur schlechten Stimmung trotz guter Konjunktur: Deutsches Lamento

Positive Nachrichten aus der deutschen Wirtschaft sind keine Seltenheit. Trotzdem ist die Unzufriedenheit mit Händen zu greifen. Ein Kommentar dazu von unserem Berlin-Korrespondenten Stefan Vetter.

An positiven Nachrichten herrscht kein Mangel. Die Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie können sich über ein Lohnplus von 4,8 Prozent freuen. Ähnlich hoch fällt der Tarifabschluss für zwei Millionen öffentlich Bedienstete aus. Auch den 20 Millionen Rentnern winkt ein historischer Zuwachs bei den Altersbezügen. Überraschend stark hat das deutsche Bruttosozialprodukt im ersten Quartal zugelegt - weit über EU-Durchschnitt. Trotzdem hängt bleierne Schwere über dem Land, ist die Unzufriedenheit mit Händen zu greifen. Warum?

Zum einen, weil der persönliche Wohlstand zerbrechlicher geworden ist. Wer im fortgeschrittenen Alter arbeitslos wird, hat kaum Chancen, wieder einen ordentlichen Job zu finden. Hartz IV wirkt wie eine düstere Prophezeiung, erzeugt Verunsicherung. Mit diesen Ängsten, das ist die andere Seite der Erklärung, wird politisch gespielt. Je komplizierter die Welt wird, desto mehr sehnen sich viele nach einfachen Lösungen. Das machen sich Rechtspopulisten zunutze. Und etablierte Parteien in ihrer Ratlosigkeit spielen das Spiel mit.

So wird etwa eine Debatte über Altersarmut vom Zaun gebrochen, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat. Die neuen Zahlen sind weit weniger dramatisch als die alten. Ein halbes Glas Wasser kann man zwar als halb voll oder halb leer betrachten. Aber wohl nur die Deutschen sind dazu fähig, über ein fast volles Glas zu lamentieren.

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