Kommentar zum Telekom-Börsengang: "T-Aktie ist Anwalts Liebling"

Seit über zehn Jahren klagen rund 17.000 Kleinanleger gegen die Deutsche Telekom auf Schadenersatz, weil sie sich von dem Konzern beim Börsengang geprellt fühlen.

Vor dem Bundesgerichtshof errangen sie nun einen wichtigen Punktsieg. Doch erst einmal nährt dieser nur das Prinzip Hoffnung - ein Kommentar von Barbara Will:

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Anlegers Liebling ist die Telekom-Aktie schon längst nicht mehr. Treue Investoren können sie eher als Ehrenurkunde für besonderes Durchhaltevermögen ansehen.

Auch die Entscheidung des Bundesgerichtshofs beschert den klagenden Aktionären vorerst kein Geld, sondern nährt erstmal nur das Prinzip Hoffnung – gepaart mit der Genugtuung, dass die Telekom eine höchstrichterliche Ohrfeige kassiert hat. Das Unternehmen muss sich die Feststellung gefallen lassen, die Bilanz aufpoliert und Risiken unkenntlich gemacht zu haben, um Anleger zu locken.

Die Telekom-Aktien, die im Jahr 2000 an die Börse kamen, dürften mittlerweile den Rekord als längster Flop eines Dax-Papiers halten. Sie haben ihren Ausgabekurs nie überstiegen. Fast ebenso langlebig ist der Streit um Schadenersatz. Er wird durch die BGH-Entscheidung nicht beigelegt, sondern neu aufgerollt. Besonders heikel dürfte die Frage sein, ob die geschönten Zahlen wirklich der Grund waren, weshalb die Anleger bei der Telekom-Aktie zugriffen.

Die Mammutverfahren haben ihre Wurzeln in einer Zeit, als Aktien in Mode und der Gesetzgeber zu langsam für den Trend war. Die Folgen waren ein lückenhafter Anlegerschutz und mit Massenklagen überforderte Gerichte.

Ob die Anleger Geld bekommen, werden sie erst in einigen Jahren wissen. Die Ungewissheit dürfte auch das Geschäft der Telekom belasten. Bisher sind die einzigen Gewinner dieses Rechtsstreits nur die Anwälte. wll@hna.de

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