Kommentar zum Winterkorn-Rücktritt: Ende der Patriarchen

Martin Winterkorn

Im Skandal um manipulierte Abgaswerte ist VW-Chef Martin Winterkorn zurückgetreten. Es ist der richtige Schritt, sagt HNA-Redakteurin Martina Hummel. Ein Kommentar.

Schluss, aus, vorbei. Martin Winterkorn macht den Weg für einen Nachfolger frei. Die Ära des Vorstandsvorsitzenden ist zu Ende. Kein Gezerre mehr, kein Klammern an die Macht. Dass es zum Schluss so schnell ging, dürfte das erste Anzeichen für einen Neuanfang sein, der so dringend nötig ist.

Denn wenn unbequeme Fragen nicht gestellt werden, wenn Probleme wie der Rückruf der Problem-Diesel im vergangenen Jahr in den USA nicht ernst genommen werden, spätestens dann sind Manager ihren Allmachtsfantasien erlegen. Auch wenn Ferdinand Piëch aus dem Rennen ist: Er war zur Zeit des US-Rückrufs 2014 noch VW-Aufsichtsratschef.

Winterkorn und Piëch verantwortete gemeinsam den rasanten Aufstieg des Autobauers. Aber sie sind auch dafür verantwortlich, wenn als Folge des Diesel-Skandals künftig Arbeitsplätze bedroht sind, weil das Geld für den Rückruf und das Ausbessern des Imageschadens ja irgendwo herkommen muss. Sie sind auch verantwortlich dafür, wenn Boni magerer sein werden und die Dividende knapper ausfällt. Und sie sind für eine Unternehmenskultur verantwortlich, bei der es in den Reihen der Manager offensichtlich zu viele Duckmäuser gab. Sie sind in der Vergangenheit nicht laut geworden, als das Diesel-Problem unübersehbar war.

Diese Unternehmenskultur muss sich ändern, egal wer künftig an der Spitze steht. Auch wenn Volkswagen ein Teil-Familienkonzern ist: Patriarchen und ihr Führungsstil gehören einer längst vergangenen Zeit an.

Lesen Sie auch:

- VW-Beben: Winterkorn tritt zurück

- Rücktritt: Winterkorn sieht bei sich kein Fehlverhalten

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.