Draghi erwartet Konjunkturerholung

EZB sieht Silberstreif am Horizont

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Sieht Silberstreif am Horizont. EZB-Chef Mario Draghi.

Frankfurt/Main - Die Eurozone steuert nach Einschätzung der Europäischen Zentralbank (EZB) allmählich auf eine wirtschaftliche Erholung zu. Der Chef der Zentralbank dringt allerdings weiter auf Reformen.

Dies werde wahrscheinlich langsam, dafür aber „solide und belastbar“ geschehen, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt am Main. Zuvor hatte der Notenbankrat den Leitzins in der Eurozone auf dem Rekordtief von 0,75 Prozent belassen.

Der Euroraum insgesamt habe eine ausgeglichene Leistungsbilanz, sagte Draghi. Er verwies auf die niedrige Verschuldung von Unternehmen und Privathaushalten, eine hohe Spartätigkeit, sinkende Lohnstückkosten und die Sparbemühungen der öffentlichen Hand. Somit sei die Position der Eurozone inzwischen viel ausgewogener als beispielsweise in den Vereinigten Staaten, Japan oder Großbritannien. Draghi räumte ein, dass er dies vor einem Jahr nicht so gesagt hätte.

Dennoch betonte der EZB-Chef, dass die wirtschaftliche Aktivität in der Eurozone mittelfristig schwach bleiben dürfte. Im laufenden Jahr seien keine Verbesserungen zu erwarten, und für 2013 seien die „Wachstumsimpulse weiterhin schwach“.

Draghi mahnt Strukturreformen an

Draghi dringt deshalb auch darauf, dass die Länder der Eurozone in ihrem Reformeifer nicht nachlassen. Neben einer anhaltenden Haushaltssanierung seien Strukturreformen nötig, um das Wachstumspotenzial der Länder zu verbessern, vor allem im Bereich der Arbeitsmärkte.

Die nicht allzu hohen Erwartungen in die Wirtschaft des Euroraums in diesem und im nächsten Jahr beeinflussten auch die Zinsentscheidung der Zentralbank. Dies gleiche das Risiko eines Preisanstiegs wegen höherer Preise für Energie und Steuererhöhungen in manchen Ländern aus. „Wir sehen, dass das Preisverhalten unseren mittelfristigen Zielen entspricht“, sagte Draghi. Dieses Inflationsziel liegt bei knapp zwei Prozent. Allerdings dürfte die Teuerungsrate für den Rest dieses Jahres noch über zwei Prozent liegen. Die EZB erwarte aber ein Abflauen der Preissteigerung 2013.

Lage rosiger als vor einigen Monaten

Der EZB-Präsident verteidigte nochmals die Strategie der Zentralbank, wenn nötig massiv Anleihen von Krisenstaaten aufzukaufen. Diese Ankündigung habe zu einer Verbesserung der Bedingungen auf den Anleihemärkten geführt. Diese „sehen jetzt schon viel rosiger aus, als noch vor zwei oder drei Monaten“, sagte Draghi.

Die Notenbank hatte ihren Leitzins, den sogenannten Hauptrefinanzierungssatz, zuletzt im Mai um einen Viertelprozentpunkt auf das derzeitige Tief gesenkt. Mit dem Zinssatz können sich Geschäftsbanken Geld bei der EZB leihen.

Auch die anderen beiden Zinssätze der EZB bleiben stabil. Der Spitzenrefinanzierungssatz, zu dem sich Banken Geld kurzfristig bei der Notenbank Geld leihen können, bleibt bei 1,5 Prozent. Der Einlagensatz, zu dem Banken ihr Geld bei der EZB parken können, beträgt weiterhin 0 Prozent - es gibt also keinen Zins.

dapd

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