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Vorwürfe von Misshandlungen und Essensrationierungen: Heimbetreiber Korian droht Sammelklage

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Von: Patricia Huber

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Ein Flur in einem Altenheim.
Dem französischen Altenheimbetreiber Korian droht nun eine Sammelklage. © Zoonar.com/Heiko Küverling/Imago Images

Dem französischen Alten- und Pflegeheimbetreiber Korian droht nach Misshandlungsvorwürfen eine Klagewelle. Eine Pariser Anwältin bereitet jetzt eine Sammelklage vor.

Paris - Dem auch in Deutschland aktiven französischen Alten- und Pflegeheimbetreiber Korian droht eine Sammelklage wegen angeblicher Misshandlung von Bewohnern seiner Einrichtungen. Die Pariser Anwältin Sarah Saldmann kündigte am Wochenende rechtliche Schritte an, da sie „Dutzende Beschwerden“ von Personen, deren Angehörige in Korian-Heimen leben, erhalten habe. Sie beabsichtige, im April eine Sammelklage einzureichen, in der die Ansprüche zahlreicher Einzelkläger zusammengefasst werden, sagte Saldmann dem Radiosender FranceInfo. Saldmann bestätigte ihre geplante Klage gegen Korian auch auf ihrem offiziellen Twitter-Account (@SarahSaldmann).

Korian weist Vorwürfe zurück

Korian wies den Vorwurf der Misshandlung oder von Essensrationierung in seinen Einrichtungen zurück, über die die Zeitung „Le Parisien“ am Sonntag berichtet hatte. Das Unternehmen sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht über eine Klage unterrichtet worden und behalte sich vor, gegen jegliche Art von Verleumdung gerichtlich vorzugehen. Mögliche Klagen werde Korian ernsthaft überprüfen. An der Pariser Börse gingen die dort notierten Aktien von Korian am Montag auf Talfahrt und fielen um bis zu gut acht Prozent auf ein Achteinhalb-Jahres-Tief von 16,12 Euro.

Korian sieht sich in Deutschland mit rund 250 Einrichtungen als Marktführer unter den privaten Pflegeheimbetreibern. Europaweit betreibt die Gesellschaft mehr als 1000 Einrichtungen in sieben Ländern und steht damit ebenfalls an der Spitze der Anbieter*. Rund die Hälfte des Umsatzes erzielt der Konzern außerhalb Frankreichs, Deutschland macht ein Drittel des Gesamtumsatzes aus.

Frankreich: Altenheime stehen unter Beobachtung

In Frankreich steht die Altenheim-Branche unter besonderer Beobachtung, nachdem vor rund zwei Wochen ein Buch die Zustände beim Rivalen Orpea angeprangert hatte. Orpea-Chef Yves Le Masne musste seinen Hut nehmen, die Veröffentlichung löste staatliche Untersuchungen aus. Orpea hatte die Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen. Korian war bereits im Frühjahr 2019 in die Schlagzeilen geraten, nachdem mehrere Bewohner eines Heims bei Toulouse an einer Lebensmittel-Vergiftung gestorben waren.

Saldmann sagte in dem Interview, dass die Veröffentlichung des Buches ein kollektives Nachdenken über die Art und Weise ausgelöst hat, wie in Frankreich ältere Menschen in privaten Einrichtungen behandelt werden, die für ihre Investoren Gewinne erwirtschaften müssen. In Bezug auf Korian sagte sie, dass die Probleme, die von ratsuchenden Familienmitgliedern an sie herangetragen wurden, „merklich die gleichen waren wie die bei Orpea“. (rtr) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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