Zustand an Europas Finanzmärkten verunsichert Anleger – Weitere Termine sorgen für Turbulenzen

Dax kratzt an der 5000er Marke

Es klingt wie eine abgenutzte Bandansage: Zum wiederholten Male schickten die Anleger aus Sorge um den Zustand Europas die Märkte auf Talfahrt. Inzwischen werden böse Ahnungen wie ein griechischer Staatsbankrott wieder zur realen Möglichkeit. Die Anleger sind tief verunsichert. Gestern fiel der deutsche Leitindex Dax bis 17.30 Uhr um 2,27 Prozent auf 5027 Punkte.

Eine Beruhigung der Anleger ist nicht in Sicht. Folgende Termine werden sie auf Trab halten:

1.Es zeichnet sich ab, dass die nächste Tranche der Hilfskredite für Griechenland verspätet ausgezahlt wird. Vertreter des Internationalen Währungsfonds (IWF), der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank (EZB) – der Troika – arbeiten am fünften Fortschrittsbericht des Landes. Auf dessen Grundlage wird entschieden, ob die für September geplante Tranche gezahlt wird. Vieles spricht für eine Hängepartie. „Der griechische Finanzminister hat eingeräumt, dass sein Land das Defizitziel in diesem Jahr nicht erreichen wird“, stellt Commerzbank-Analyst Christoph Weil fest. Er geht von Ende September aus, bis der Bericht vorliegt, weil die Troika den Haushaltsentwurf 2012 sehen möchte, der Mitte September vorliegen wird.

Weil erwartet, dass die Troika Ende September die Tranche freigeben wird, denn die mit einer möglichen Pleite verbundenen Risiken „wären nicht zuletzt vor dem Hintergrund der angespannten Lage an den Finanzmärkte kaum beherrschbar“.

2.Zwar haben die Staats- und Regierungschefs im Juli beschlossen, das Volumen des EU-Rettungsfonds auf 440 Milliarden Euro zu erhöhen, aber noch haben nicht alle Länder zugestimmt. Analyst Weil rechnet mit Widerständen in Slowakei und Finnland.

3.Seit Wochen kauft die EZB Anleihen von Spanien und Italien auf, um zu verhindern, dass es für die Länder noch teurer wird, sich Geld zu leihen. „Je länger das Kaufprogramm läuft und je höher das Volumen ist, desto größer dürfte der Widerstand des EZB-Rats werden“, mutmaßt Weil. Dies könnte dazu führen, dass die EZB das Volumen verringert, um den Druck auf die Länder zu erhöhen, ihre Haushalte in den Griff zu bekommen. Heute begibt Italien neue Anleihen in Höhe von sechs bis 7,5 Milliarden Euro, am Donnerstag folgt Spanien mit einem Paket zwischen vier und fünf Mrd. Euro.

Im Vergleich zum Freitag stiegen gestern die Risikoaufschläge für zehnjährige Anleihen Italiens um 0,06 Prozentpunkte auf 5,43 Prozent, die Spaniens ebenfalls um 0,06 Prozentpunkte auf 5,17 Prozent. Deutsche Staatsanleihen liegen bei 1,7 Prozent. Entscheidend wird heute ein, wie hoch das Interesse der Investoren an den Anleihen ist.

4.Nicht nur in Griechenland dürfte das Defizit 2011 höher ausfallen als geplant. Der Schuldenmonitor der Commerzbank zeigt, dass auch Portugal und Spanien ihre Haushaltsziele verfehlen.

Von Martina Wewetzer

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