Deutlicher Gewinnrückgang trotz stabiler Absatzzahlen - Kriegskasse prall gefüllt

Krise bremst VW aus

Absatz stabil - Gewinn stark gesunken: Bei Volkswagen läut das Geschäft noch vergleichsweise gut. Der Konzern schreibt deutlich schwarze Zahlen. Foto:  dpa.

Wolfsburg/Kassel. Die schwere Branchenkrise hat nun auch Europas größten Autobauer Volkswagen voll erwischt. Zwar setzte der Wolfsburger Konzern mit rund 4,8 Millionen Fahrzeugen gegen den Branchentrend ebenso viel ab wie im Vorjahreszeitraum. Wegen hoher Rabatte und Kaufanreize schmolz aber der Gewinn dahin. Ergebnismindernd wirkte sich ferner aus, dass das Unternehmen mehr kleinere, renditeschwache Autos an den Kunden brachte. Große Fahrzeuge, die tendenziell eine bessere Marge erzielen, wurden weniger nachgefragt.

Unterm Strich blieben in den ersten drei Quartalen gerade einmal 655 Millionen Euro - fast 83 Prozent weniger als im Vorjahrezeitraum, als der Konzern noch 3,7 Milliarden Euro Reingewinn einfuhr.

Baunatal spürt Krise kaum

Das Volkswagen-Werk Kassel in Baunatal spürte die Krise bislang kaum. Derzeit brummt es sogar richtig. Über alle Bereiche werden am Wochenende zusätzliche Schichten gefahren. In Baunatal stellt VW mit gut 13 000 Beschäftigten Getriebe, Karosserie- und Gussteile sowie Abgasanlagen her. Außerdem befindet sich am Standort das weltweit zentrale Ersatzteillager OTC.

Trotz des Gewinneinbruchs ist Volkswagen derzeit der mit Abstand profitabelste Massenhersteller von Autos. Selbst der erfolgsverwöhnte Branchenprimus Toyota kämpft mit roten Zahlen und Absatzeinbrüchen. Wie gesund Volkswagen ist, zeigen auch die flüssigen Mittel des Konzerns. 13,4 Mrd. Euro - 5,4 Mrd. mehr als Ende 2008 - hat der Konzern in seiner Kasse.

Gleichzeitig baute VW seinen weltweit starke Marktposition weiter aus. Weil der Gesamtmarkt um zwölf Prozent schrumpfte, die Wolfsburger aber den Absatz stabil halten konnten, ist der Weltmarktanteil von zehn auf 11,7 Prozent gestiegen. Überdurchschnittlich stark entwickelten sich dabei - der Abwrackprämie sei Dank - der deutsche Markt mit einem Absatzplus von 21 sowie China mit 37 Prozent Plus.

Keine Prognose für 2010

Volkswagen-Chef Martin Winterkorn erwartet für das Gesamtjahr einen Absatz in Vorjahreshöhe sowie ein positives Ergebnis. Einen Ausblick auf das kommende Jahr, das die Branche allgemein als besonders schwierig einstuft, gab er allerdings nicht.

Ertragsperle des Konzerns ist und bleibt Audi. Trotz eines Absatzrückgangs von zwölf Prozent verbuchten die Ingolstädter Autobauer ein Vorsteuerergebnis von 1,2 Mrd. Euro. Die Kernmarke VW meldet 335 Mio. Euro, Skoda 162 Mio. Euro. Dagegen versiebenfachte die spanische Tochter Seat das Minus auf 228 Mio. Euro.

Die Nutzfahrzeugsparte steigerte als einzige den Vorsteuergewinn und zwar um 38 Prozent auf 390 Mio. Euro. Das resultiert aber vor allem aus dem Verkauf des Geschäfts mit schweren Lkw in Brasilien an den Lastwagenbauer MAN, an dem Volkswagen beteiligt ist. Die schwedische Lkw-Tochter Scania schreibt ebenso schwarze Zahlen.

Von José Pinto

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