Krisenbank HRE: Kein Gewinn vor 2012

München - Die deutschen Steuerzahler müssen dem verstaatlichten Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate (HRE) noch mindestens drei Jahre unter die Arme greifen.

“Wir rechnen weiter mit hohen Ergebnisbelastungen, die zu einer anhaltenden Verlustsituation führen werden“, erklärte Vorstandschef Axel Wieandt am Freitag in einer Mitteilung. “Wir gehen aktuell nicht davon aus, dass wir vor 2012 wieder in die Gewinnzone zurückkehren werden.“ Bislang hatte die HRE mindestens für dieses und nächstes Jahr rote Zahlen angekündigt.

Im ersten Halbjahr 2009 fiel ein Verlust von 1,132 Milliarden Euro an. Im Vorjahreszeitraum hatte die HRE noch 160 Millionen Euro verdient. In der zweiten Jahreshälfte 2008 war das Institut dann aber in den Strudel der Finanzkrise geraten und nur durch staatliche Hilfe am Leben erhalten worden. Im vergangenen Jahr war so ein Minus von mehr als fünf Milliarden Euro aufgelaufen.

Die Bank begründete den erneuten Verlust vor allem mit weiteren Risiken in Zusammenhang mit Immobilienkrediten in Nordamerika, Südeuropa und Großbritannien. Allein dafür musste die HRE gut eine Milliarde Euro zur Seite legen. Durch die jüngste Kapitalerhöhung und den Einstieg des Bundes verbesserte sich allerdings die Kernkapitalquote der Bank auf 6,9 Prozent Ende Juni. Zuletzt hatte die Quote bei 3,4 Prozent gelegen und damit eigentlich unter der regulatorischen Mindestgrenze von vier Prozent. Die hohen Verluste 2008 waren aber zunächst ausgeklammert worden.

Die Kernkapitalquote gibt Auskunft über die Absicherung einer Bank, indem sie das Verhältnis von Eigenmitteln in der Kasse zu den möglichen Risiken widerspiegelt. Dazu zählen vor allem Kredite. Bislang hat die HRE staatliche Hilfen und Garantien in Höhe von mehr als 100 Milliarden Euro bekommen. Der Bund hatte daraufhin das Steuer bei der HRE übernommen und sich 90 Prozent der Anteile gesichert. Die Bank soll in den kommenden Jahren saniert und anschließend reprivatisiert werden. Vorstandschef Wieandt will die HRE zu einer Spezialbank für Immobilien- und Staatsfinanzierung schrumpfen.

Die verbliebenen Aktionäre allerdings sollen erst einmal aus dem Unternehmen gedrängt und zwangsabgefunden werden. Dies wird aber nicht auf der für den 13. August geplanten Hauptversammlung in München über die Bühne gehen, sondern bei einem späteren, außerordentlichen Aktionärstreffen. Ein genaues Datum dafür gebe es noch nicht, hieß es am Freitag. Neben den Milliardenverlusten droht dem Bund auch Ungemach wegen möglicher Zahlungen an Aktionäre. Kapitalanlagefonds hatten am Donnerstag vor dem Landgericht München Schadenersatz für Kursverluste mit HRE-Aktien verlangt.

Sie werfen der HRE vor, sie über die wahre Geschäftslage des Unternehmens getäuscht zu haben. Durch den rasanten Absturz der früher im DAX notierten Aktie sei ihnen ein hoher Schaden entstanden. Insgesamt geht es dabei um Forderungen von rund 320 Millionen Euro. Das Gericht hatte den Beteiligten einen Vergleich vorgeschlagen.

dpa

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