K+S: Anträge für Salzabwasser-Fernleitung zur Weser und an die Nordsee werden vorbereitet

Kassel. Der Kasseler Düngemittelkonzern K+S bereitet Genehmigungsanträge zum Bau einer Abwasserleitung aus dem Kalibergbau-Gebiet an der Werra vor - einen zur Oberweser und einen an die Nordsee.

Eine Entscheidung für den Bau solcher Röhren sei damit aber nicht verbunden, hieß es am Donnerstag weiter. Gleichwohl wolle man die Antragsverfahren „vorurteilsfrei und ergebnisoffen“ bearbeiten.

Mit dieser Ankündigung kommt der Kasseler Konzern dem Ratschlag des runden Tisches zur Werra-Versalzung von Anfang 2010 einen Schritt entgegen. Damals war dort mit großer Mehrheit empfohlen worden, die Abwässer aus der Kaliproduktion möglichst schnell mit einer Fernleitung Richtung Nordsee zu entsorgen. Derzeit fließen salzige Fluten aus den Kalifabriken oder von den Salzabraumhalden daneben noch direkt in die Werra oder werden in tiefe Gesteinsschichten versenkt. Wie seit fast 100 Jahren. Das Unternehmen nannte den Einstieg in die Vorbereitung von Pipeline-Anträgen „vorausschauende Sorgfalt“. Auch weil „die dauerhafte lokale Entsorgung von einigen Seiten infrage gestellt wird“.

Das zielt auf die Kritik des runden Tisches an Einleitung und Versenkung. Es ist offenbar aber auch eine Reaktion auf Klarstellungen des hessischen Umweltministeriums: Dort will man die Salzwasser-Versenkung aus Gründen des Grund- und Trinkwasserschutzes über 2011 hinaus allenfalls unter scharfen Auflagen und als streng befristetes Auslaufmodell genehmigen.

Am Kaliwerk Neuhof-Ellers bei Fulda sowie in Thüringen musste dieser Weg zur Beseitigung ihrer flüssigen Abfälle schon gestoppt werden. Westlich der Werra will K + S dennoch weiter versenken - 46 Mio. Kubikmeter in nochmals zehn Jahren. Die Anträge wurden gerade beim RP gestellt.

Parallel zur Vorbereitung des Pipeline-Themas will K+S lokale Salzwasser-Vermeidung und -Verwertung in seinen Werken Hattorf und Wintershall (Kreis Hersfeld-Rotenburg) sowie Unterbreizbach/ Thüringen forcieren. Erste Projekte aus einem Investitionspaket von bis zu 360 Mio. Euro seien beantragt, hieß es gestern. Unterm Strich soll die Abwasserflut direkt in der Produktion bis 2015 auf dann sieben Millionen Kubikmeter jährlich gesenkt werden. Im Schnitt von 2004 bis 2009 waren laut RP Kassel noch elf Millionen Kubikmeter pro Jahr zu entsorgen.

Auch im Wiesbadener Landtag wurde das Thema Kali-Abwässer am Donnerstag diskutiert: Die Erklärung von K+S mache "große Hoffnung, dass wir schnell ein Gesamtkonzept zur Beendigung der Versenkung und Einleitung von Schmutzwasser vorgelegt bekommen. So wird die Wasserqualität deutlich verbessert und gleichzeitig eine nachhaltige Kaliproduktion ermöglicht. Ich erwarte, dass den salbungsvollen Worten durch K+S jetzt auch Taten folgen“, sagte Dirk Landau (Eschwege), wasserpolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion.

Für die FDP sagte Helmut von Zech (Zierenberg), man begrüße die Ankündigung von K+S: „Dem Unternehmen sollte nun die entsprechende Planungssicherheit gegeben werden, die dafür notwendig ist.“

Die Grünen im Landtag sprachen von einem "ersten, kleinen Schritt in die richtige Richtung". Ein genehmigungsfähiges Gesamtkonzept für die dauerhafte und umweltgerechte Lösung der Laugenproblematik habe K+S aber noch nicht vorgelegt, warnte Sigrid Erfurth (Witzenhausen).

„Eine Pipeline in die Nordsee ist extrem unrealistisch. Sie wird es nur geben, wenn sich das Land an den Entsorgungskosten beteiligt“, warnte Marjana Schott (Kassel) für die Fraktion der Linken. Das allerdings wäre „bei gleichzeitiger Schuldenbremse in der Verfassung und Kürzungen bei Bildung uns Soziales eine abwegige Industriepolitik der schwarz-gelben Landesregierung." Der Konzern spiele mit den Politikern Katz und Maus.

K + S hat zur Abwasserröhre noch wichtige Fragen offen. Klar ist: Eine Leitung zur Nordsee wäre aufwendiger und teurer. K + S geht von einem Zeitbedarf von zehn Jahren und Kosten bis zu 600 Mio. Euro aus. Ein Rohr bis hinter Bad Karlshafen ginge schneller und billiger. Ob das den Weseranliegern und vor allem Niedersachsens Landesregierung schmackhaft zu machen ist, die bei der langen Variante schon abgewinkt hat, steht auf einem anderen Blatt.

Von Wolfgang Riek

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.