Interview: K+S-Vorstand Norbert Steiner baut auf die Regionalreform

Norbert Steiner steht seit 2007 an der Spitze des Kasseler Dax-Konzerns K+S, engagiert sich aber sehr, wenn es um regionale Belange geht.

Die Region wird nicht nur von der Politik bestimmt. Wesentlich geprägt wird sie auch von Unternehmen. In loser Reihenfolge befragen wir ihre Chefs zu ihrer Meinung über die Region. Wir beginnen mit dem Dax-Vorstand Norbert Steiner, der sich im Arbeitskreis für kommunale Fragen engagiert.

Hr. Steiner, wie ist Ihr Bild von der Region?

Norbert Steiner: Meine Familie und ich sind 1993/1994 nach Kassel gezogen. Uns ist damals aufgefallen, dass die Menschen sehr auf sich selbst bezogen waren. Dass man lange im Zonenrandgebiet gelebt hatte, war noch stark in den Köpfen verankert. Das hat sich über die Jahre gelegt. Nun liegt die Region in der Mitte Deutschlands. Die Lage ist gut! Allerdings ist dieses positive Grundverständnis in der Bevölkerung noch ausbaufähig.

Mentalität lässt sich nicht verordnen. Was also tun?

Steiner: Das kleinteilige Denken in den Gebietskörperschaften sollte aufhören. Ziel der Region muss es sein, als eine Einheit wahrgenommen zu werden. Die seit Jahren überfällige Regionalreform muss endlich angepackt werden.

Ein altes Thema. Nur bislang ist es niemandem geglückt, sie auf den Weg zu bringen.

Steiner: Eine größere Einheit hat eine viel stärkere Schlagkraft im Wettbewerb der Regionen in punkto Attraktivität. Doch für die Regionalreform fehlt offensichtlich der politische Wille, aber auch die Persönlichkeit, die vor dieser Aufgabe nicht zurück-schreckt.

Warum ist die Einheit so wichtig fürs Image der Region?

Steiner: Wir leben im Zeitalter der Globalisierung. Dieser Gedanke behagt nicht jedem. Damit fehlt zum Teil die Bereitschaft zur Veränderung. Ein „Zurück ins Behagliche“ passt nicht in unsere Zeit.

Wenn in der Politik der Wille zur Veränderung fehlt, wie sieht es in der Wirtschaft aus?

Steiner: Wir arbeiten im Arbeitskreis für kommunale Fragen (AFK) daran. Dort sind alle großen Unternehmen der Region vertreten. Ich vermag nicht zu sagen, ob sich die Wirtschaftsunternehmen in anderen Regionen besser entwickelt haben als bei uns. Aber wir sind überzeugt, dass es anders noch besser gehen würde. Schade, dass wir in den vergangenen Jahren so wenig beim Thema Regionalreform bewegen konnten.

Wirtschaft entwickelt sich auch ohne Politik gut.

Steiner: Wir profitieren in der Region vom Branchenmix und dem hohen Grad an Industriebetrieben, die wiederum am Export hängen. Das kommt der Beschäftigung zugute. Zudem ist die Lage Kassels ein wesentlicher Pluspunkt. Aber: Die Entwicklung der neuen großen Unternehmen wie SMA hätte niemand vor zehn Jahren erahnen können.

Wie locken Sie Fachkräfte in die Region?

Steiner: Uns hat der Aufstieg von K+S in den Dax sehr geholfen. Zudem bieten wir ein spannendes Aufgabenspektrum, leistungsorientierte Bezahlung sowie umfangreiche Weiterbildungs- und internationale Entwicklungsmöglichkeiten. Es wäre gut, wenn es uns in der Region gelänge, vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung den generellen Schrumpfprozess zu vermeiden.

Wie sieht es in der Region in punkto Infrastruktur aus? Bald gibt es einen Flughafen Calden. Braucht K+S ihn?

Steiner: Der Region wird der Flughafen neue Impulse geben - im Tourismus, aber auch bei den Logistikunternehmen. Ob wir als K+S Calden künftig stärker nutzen werden, bleibt abzuwarten. Wir wickeln unsere Flüge bislang alle über Frankfurt ab. Für ein eigenes Flugzeug gibt es bei K+S derzeit keinen Bedarf.

Wie bewertet der Dax-Vorstand Norbert Steiner die Effizienz in kommunalen Haushalten?

Steiner: Generell müssen sich die Kämmerer der Kommunen bei Millionen-Projekten stärker die Effizienzfrage stellen. Ein Beispiel: Wenn es rund um Kassel bereits Schwimmbäder gibt, stellt sich die Frage, ob sich für Kassel ein solches Investment rechnet. So denken Unternehmer und dies sollte auch jede Gebietskörperschaft tun. Sie sollten Verbindlichkeiten nur dann eingehen, wenn sie diese aus eigener Kraft zurückzahlen können und nicht an spätere Generationen vererben.

Wie heißt K+S in zehn Jahren?

Steiner: K+S. Wir sind ein Rohstoffunternehmen, und Rohstoffe sind die Basis für die Entwicklung der Industrie. Unsere Ziele sind daher langfristig angelegt. Wir verfügen in Deutschland bei Kali über Rohstoffvorkommen für durchschnittlich 35 Jahre. Derzeit bemühen wir uns um den Erwerb von Potash One in Kanada. Das neue Kalivorkommen wird gemeinsam mit unseren inländischen Werken der gesamten K+S Gruppe in Übersee und Europa zugute kommen. Im Salzgeschäft sind wir nach den Akquisitionen der vergangenen Jahre heute der führende Hersteller in der Welt. Nachhaltigkeit ist uns in beiden Geschäftsfeldern sehr wichtig. Das Gespräch führten Harold Grönke, Horst Seidenfaden, Jan Schlüter und Martina Wewetzer.

Zur Person

Norbert Steiner ist keiner, der wichtige Entscheidungen aus dem Bauch heraus fällt. Der Vorstandschef des K+S-Konzerns wägt ab, holt sich Rat bei Kollegen und Fachleuten und bezieht konstruktive Kritik bei wichtigen Beschlüssen ein. So war es bei der Übernahme des US-Salz-Herstellers Morton Salt, mit der K+S 2009 weltweit zum Branchenprimus aufstieg.

Und so war es beim laufenden Erwerb des kanadischen Unternehmens Potash One, mit dem sich der Kasseler Dax-Konzern Kali-Vorkommen in Nordamerika sichert. Im Schatten des am Ende gescheiterten Versuchs des Bergbauriesen BHP Billiton, die weltweite Nummer eins im Kalimarkt, die kanadische PCS, feindlich zu übernehmen, fädelte der Jurist ohne großes Aufsehen das Potash-One-Geschäft ein. Die Art und Weise ist bezeichnend für ihn: Der 56-jährige Spitzenmanager ist ein Mann der Tat und der leisen Töne, der im Alltagsgeschäft besonnen agiert. Mitarbeiter beschreiben ihn als zupackend, kollegial, sozial, bescheiden und bodenständig. Geschäftspartner schätzen seine Verbindlichkeit. Der verheiratete Vater zweier Söhne wurde in Siegen geboren.

1983 begann er seine Laufbahn in der Zentralabteilung für Steuern und Zölle beim Chemiekonzern BASF. 1993 kam der Kunst- und Musikliebhaber zu K+S, wo er 2000 in den Vorstand wechselte. Am 1. Juli 2007 übernahm der Liebhaber von Modelleisenbahnen den Vorstandsvorsitz. K+S beschäftigt global 15 000 Mitarbeiter, davon gut 10 000 im Inland und davon 4500 in Hessen sowie 1400 in Niedersachsen.

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