Nach Ende der Kurzarbeit droht etlichen Beschäftigten die Arbeitslosigkeit: Transfergesellschaften sollen das Problem dämpfen

Kündigen für eine neue Job-Chance

Kassel. Die Krise hat in den Unternehmen der Region ihre Spuren hinterlassen. Bislang konnten mit Hilfe der Kurzarbeit, von der nach jüngsten Zahlen allein im Arbeitsagenturbezirk Kassel 6800 Mitabeiter betroffen sind, Massenentlassungen vermieden werden. Da die Kurzarbeit nicht länger als zwei Jahre dauern darf, stehen ab Sommer die ersten Jobs auf dem Spiel.

Damit nicht sofort Arbeitslosigkeit droht, können so genannte Transfergesellschaften einspringen. Die Initiative Nordhessen Transfer der Vereinigung hessischer Unternehmerverbände (VhU) und des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) warb gestern in Kassel für diesen Ausweg.

? Wie funktioniert eine Transfergesellschaft?

!Steht eine Firma vor dem Aus oder muss entlassen, bietet der Gesetzgeber als Alternative zur betriebsbedingten Kündigung die Einrichtung einer Transfergesellschaft. Jeder Mitarbeiter der möchte, kann dieser beitreten und gibt dafür sein Arbeitsverhältnis freiwillig auf – es gibt keinen Zwang. Ein externer Personaldienstleister übernimmt nun die Weiterbildung und Jobsuche für die Beschäftigten für maximal ein Jahr. In dieser Zeit zahlt das Arbeitsamt den Betroffenen je nach Unterhaltsverpflichtung zwischen 60 und 67 Prozent des letzten Netto-Lohns. Einige Firmen stocken die Summe nach Aushandlung mit den Betriebsräten auf 80 Prozent auf.

? Was sind die Vorteile gegenüber einer betriebsbedingten Entlassung?

!Für den Arbeitnehmer bedeutet es zunächst einen Aufschub der Arbeitslosigkeit. In der Regel läuft sein Vertrag mit der Transfergesellschaft doppelt so lange, wie seine Kündigungsfrist beim Alt-Arbeitgeber. Zudem besteht die Chance, mit Hilfe von individueller Qualifizierung leichter einen neuen Job zu finden. Die Fortbildungen reichen vom Computer-Kurs bis zur Umschulung. Deren Kosten übernimmt zum Großteil die Arbeitsagentur, die entlassende Firma muss sich beteiligen.

?Was sind die Nachteile für den Arbeitnehmer?

!Der Beschäftigte verzichtet auf eine mögliche Abfindung und die Fortzahlung seines vollen Gehaltes bis zum Ablauf seiner Kündigungsfrist. Das von der Firma so eingesparte Geld soll – nach Vorstellung des Gesetzgebers – an den externen Personaldienstleister fließen, der damit die Schulungen finanziert. Der Arbeitnehmer kann bei einer freiwilligen Kündigung nicht mehr arbeitsrechtlich gegen die Entlassung vorgehen.

? Wie kann der Betroffene entscheiden, ob das Angebot für ihn sinnvoll ist?

!Dazu müssen die jeweiligen Umstände überprüft werden. Steht die eigene Firma vor dem Aus, sind also weder Abfindungen noch Gehälter gesichert, ist der Eintritt in eine Transfergesellschaft sehr ratsam, sagt Jürgen Kümpel, Arbeitsrechtler beim Arbeitgeberverband. Da es unter den beauftragten Personaldienstleistern auch solche gibt, denen eher am Gewinn als an den Jobaussichten ihrer Kunden gelegen ist, hat ein kleiner Kreis zuverlässiger Dienstleister einen Bundesverband gegründet. Deren Mitglieder sind unter www.bvtb.de zu finden. Seriöse Anbieter halten sich für effektiver als das Arbeitsamt, weil sie individueller betreuen. Per Gesetz gibt es aber weder Mindeststandards noch Erfolgskontrollen in der Branche

Von Bastian Ludwig

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